Wien und Graz starten EBEL-Halbfinale mit Heimvorteil

Wenn am Freitag (19.15 Uhr) in der heimischen Eishockey-Liga (EBEL) rein österreichische Halbfinal-Serien beginnen, sind die Vienna Capitals vor ihrem Duell mit Red Bull Salzburg und die Graz 99ers gegen den KAC nicht nur wegen des Heimvorteils leichter Favorit. Das war nicht immer so. Die vier Protagonisten versprachen im Vorfeld enge Serien.

In der laufenden Saison gewannen die Wiener gegen Salzburg vier der sechs Duelle, trotz einer schwachen EBEL-Saison der Bullen ging es dabei immer knapp zu: Die jüngsten fünf Spiele wurden allesamt erst im Penaltyschießen entschieden. Caps-Trainer Dave Cameron erwartet daher eine “lange, enge Serie”. Der NHL-erprobte Coach wollte von einem Favoritenstatus wenig wissen. “Ich weiß nicht, ob wir irgendeinen Vorteil haben. Das sind zwei gute Mannschaften. Am Ende kommt es nur darauf an, wer sein bestes Eishockey spielt. Das ist die Herausforderung.”

Kapitän Andreas Nödl warnte vor den Salzburgern. “Von den Namen her ist ihr Kader der stärkste der ganzen Liga. Da ist es egal, ob sie während der Saison nicht so gut waren”, sagte der ehemalige NHL-Legionär. Im Play-off sind die beiden Teams zuletzt im Finale 2015 aufeinandergetroffen – Salzburg siegte 4:0. Zwei Jahre davor, in der Saison 2012/13, setzten sich die Wiener zum bisher einzigen Mal in sieben Play-off-Duellen mit 4:2 durch.

Seit Andreas Brucker Ende Februar Greg Poss als Salzburger Headcoach abgelöst hat, haben die Bullen sechsmal gewonnen und fünfmal verloren. Beim 4:2 in der Serie gegen Fehervar wollten die Club-Verantwortlichen aber einen Aufwärtstrend bemerkt haben. “Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert, haben aber noch Luft nach oben”, sagte Brucker, der speziell nach dem entscheidenden 6:1 zuletzt guter Dinge ist: “Wenn wir so spielen, müssen wir keinen Gegner fürchten.” Der Beginn in Wien sei kein Nachteil. “Wir können locker drauflos spielen. Der Druck liegt bei ihnen.” Seit 2007 hieß der EBEL-Champion sechs Mal Salzburg.

In Graz herrschte zuletzt Feierstimmung, nachdem die 99ers gegen Linz (4:2) erstmals in der Vereinsgeschichte ein Play-off-Duell für sich entschieden hatten. “Freitag beginnen wir wieder bei Null”, erinnerte Coach Doug Mason. “Es liegt an uns, neue Euphorie zu entfachen.” Das Beherzigen des Gameplans – “schnell und aggressiv” – sollte dabei hilfreich sein. Der KAC spiele ähnlich. “Zwischen diesen beiden Mannschaften gibt es keine Geheimnisse. Das wird ein Schachspiel mit hohem Tempo.”

99ers-Schlüsselspieler Oliver Setzinger forderte “verantwortungsvolles Eishockey” von jedem einzelnen ein. “Wir haben erst den ersten von drei Hügeln bestiegen.” Der Aufstieg gegen Linz habe seiner Mannschaft noch einmal Selbstvertrauen gegeben. “Jeder, der im Play-off steht, hat Blut gerochen. Wir sehen die Chance auf die Meisterschaft.”

Den KAC plagten schon während seiner Viertelfinalserie (4:1 gegen Ex-Meister HCB Südtirol) Verletzungssorgen, zumindest Goalgetter Nick Petersen wird am Freitag aber wieder im Grazer Bunker einlaufen. Weiter fehlen werden laut Clubangaben Clemens Unterweger, Manuel Geier und Johannes Bischofberger, Robin Gartner ist fraglich.

Play-off-Duelle waren bisher eine klare Angelegenheit für den Rekordmeister (30 Titel) aus Klagenfurt, der alle drei bisherigen Serien und zehn der elf Spiele gegen die 99ers gewann. Doch die – aussagekräftigere – jüngere Bilanz wird dem Grunddurchgangssieger aus der Steiermark Zuversicht geben: Von den sechs Saisonvergleichen gewann die Truppe um Topscorer Colton Yellow Horn nur das bisher letzte Duell (0:1 n.V.) nicht. KAC-Coach Petri Matikainen schickte seine Mannen deshalb als selbsternannter Außenseiter in die Serie.

Wie ist Ihre Meinung?