Wiener Band Freud hat britischen Stil „in der DNA“

NDW entlockt den Freud-Mitgliedern kein Lächeln © APA/Freud/Stefan Nützel

Dem Britischen verpflichtet sieht sich die Wiener Band Freud. Daran konnte auch ein Produzent nichts ändern, der sie „in Richtung NDW“ trimmen wollte, wie Sänger Axel Freud alias Pöhnl und Gitarrist Oliver Freud alias Damms erzählten. „Das wäre ein Bruch gewesen, wir hätten unser Publikum enttäuscht.“ Nun aber vermittelt das neue Album „Talking Phrases“ die Livedynamik von Freud. Den britischen Stil habe man „in der DNA“, „wir können gar nicht anders“, betonte Pöhnl.

„Talking Phrases“ erscheint am 12. August auf Recordbag, dem kleinen, feinen Label des gleichnamigen Plattengeschäfts in Wien. Mit „Teenage Angst“ wurde im Voraus eine Single veröffentlicht, die durchaus als Visitenkarte für den Sound der Band dient. Die letzte Albumveröffentlichung („Yesterday Today“) lag mit 2014 schon recht weit zurück – was neben Corona eben auch am für die Band falschen Produzenten lag.

„Er hat unsere Songs in ein Gewand gepackt, das wir überhaupt nicht wollten – sehr kommerzialisiert. Das war weder unsere Attitüde, noch waren die Songs in diese Richtung ausgelegt. Wir wollten schon etwas Neues machen und mit jedem Album einen neuen Schritt weiter gehen – aber nicht in diese Richtung“, sagte Damms im APA-Interview. „Wir waren bitterböse und enttäuscht, als wir zum ersten Mal die Songs gehört haben.“

Also wurde der Resetknopf gedrückt und mit Alex Wunderbar der richtige Produzent gefunden. „Mit ihm haben wir auch unsere erste Single gemacht“, erzählte der Gitarrist. „Von der Art, vom Stil her sollte es wieder in diese Richtung gehen, inhaltlich aber verspielter. Er hat das Album so produziert, wie wir uns das vorgestellt haben – nämlich unsere Livedynamik im Studio umzusetzen.“

„Dieser ganze Mist“ habe auch etwas Gutes gehabt, ist man im Freud-Lager überzeugt. Denn bei den Aufnahmen in Hamburg konnte man so aus einem größeren Repertoire schöpfen. Schon das Cover-Artwork, das an ein berühmtes Punkalbum erinnert, zeigt, was „Talking Phrases“ zu bieten hat: „Das Britische gehört bei uns dazu, wir fühlen uns dem verpflichtet“, sagte Pöhnl. „Es wäre nicht authentisch, wenn wir das verleugnen würden.“

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„Das Album ist etwas ganz anderes als der poppige Vorgänger“, betonte Damms. „Wir haben Wave, The Clash und The Undertones im Kopf gehabt – und ich glaube, das hört man bei der einen oder anderen Nummer heraus.“ Beachtlich ist neben dem Drive die stilistische Bandbreite: „Bei Freud ist nie nur eine Musikrichtung auf den Alben vertreten. Das, was uns seit unserer Kindheit beeinflusst hat, wollen wir in Songs verpacken“, so die Musiker.

Der Sänger und der Gitarrist lernten sich in der Mod-Szene kennen, mit Drummer Jürgen Welser gehören sie seit der Gründung 2007 Freud an. Nach einigen Umbesetzungen habe man mittlerweile „ein sehr gutes Bandgefüge“, betonte Damms.

In Westösterreich mögen Freud noch eine Unbekannte sein, in Wien und Norddeutschland konnte man sich längst eine Fanbase erarbeiten – nicht zuletzt dank leidenschaftlicher Konzerte. „Wir fangen live alle möglichen Leute ein – egal, ob man Punk, Indie oder Rock mag“, sagte Pöhnl. „Wir fahren auf unserer Schiene, ohne kommerziell zu sein, und holen alle ab. Weil wir den Spaß am Musikmachen rüberbringen. Das goutiert das Publikum.“

freudmusic.com

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

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