Wiener Jugendliche fühlen sich vor allem als Europäer

Wiener Jugendliche fühlen sich stärker Europa zugehörig als Österreich, Wien oder ihrem Grätzel. Das zeigt das Projekt MiDENTITY, dessen Ergebnisse am Donnerstag bei einer Tagung an der Uni Wien präsentiert werden. 60 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, sich “stark” mit Europa zu identifizieren. Inklusive jener, die sich “eher” und “überwiegend” als Europäer fühlen, sind es 88 Prozent.

Stark mit Österreich identifizieren sich unterdessen 42 Prozent, insgesamt fühlen sich drei Viertel der Befragten zumindest eher als Österreicher. Außerdem haben bei der Fragebogenerhebung (1.400 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren) 62 Prozent der Befragten angegeben, sich zwei oder mehr Nationen zugehörig zu fühlen, sagt Geografin und Projektleiterin Christiane Hintermann im APA-Gespräch. Unter jenen, die selbst im Ausland auf die Welt gekommen sind oder bei denen zumindest ein Elternteil im Ausland geboren wurde, sind es 80 Prozent. “In fast allen Fällen ist aber Österreich eine zentrale Bezugsgröße”, betont Hintermann.

Starken Einfluss auf die Identitätsbildung haben dabei Soziale Medien, zeigen die im Rahmen des Sparkling-Science-Projekts geführten Gruppendiskussionen und Mediennutzungstagebücher. “Accounts in Sozialen Medien wie Instagram oder die Mitgliedschaft in bestimmten Gruppen wurden als zentrale Möglichkeit diskutiert, sich selbst darzustellen.” Und zwar mehr oder weniger reflektiert: Während die einen sagen, ihr Social-Media-Profil sei gleichzusetzen mit ihrer Identität, betonen andere die Möglichkeit, sich über diese Kanäle auch besser darzustellen. Auch wer bei Diensten wie Whatsapp Teil einer Gruppenkommunikation ist und wer nicht, sagt laut Hintermann etwas über die Gruppenzugehörigkeit und damit die Identität der Jugendlichen.

Wie die Nutzungstagebücher zeigen, verbringen die Schüler viel Zeit mit digitalen Medien: sechs Stunden sind es laut Eigenangaben im Schnitt, wobei darunter alles von Musikstreamen über Online-Recherchen für die Schule bis zu Sozialen Medien fällt und die Nutzung zum Teil parallel zu anderen Aktivitäten wie dem Treffen von Freunden oder Hausaufgabenmachen stattfindet. Fast ein Drittel der Zeit verbringen die Schüler mit Sozialen Medien. Der stundenlange Medienkonsum wird von ihnen selbst dabei durchwegs als “normal” und “nicht übertrieben” eingestuft, so Hintermann. “Medien sind also in jedem Fall bedeutender Teil ihres Alltags und ihrer Identitätsarbeit.”

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