Wienerberger-Chef bricht Lanze für sozialen Wohnbau

Die Coronavirus-Pandemie drückt die Wirtschaft zu Boden. Das bekommt auch der weltgrößte Ziegelhersteller Wienerberger zu spüren. Nach dem behördlich verfügten Shutdown Mitte März standen die Werke kurzzeitig still. Trotz Gewinneinbußen, die 2020 ins Haus stehen, ist Konzernchef Heimo Scheuch zuversichtlich. Er hofft auf verstärkten sozialen Wohnbau und einen Schub an Infrastrukturinvestitionen.

“Als der Lockdown in Österreich verordnet wurde, waren Baustellen und Produktionsstandorte geschlossen – im Rohrbereich zwei Wochen lang, im Ziegelbereich sind wir einen Monat stillgestanden”, berichtete der CEO des börsennotierten Baustoffkonzerns am Montag im Gespräch mit der APA. Ein Teil der Belegschaft war vorübergehend in Kurzarbeit. “Wir haben nun in Österreich niemanden mehr in Kurzarbeit – die sind alle zurück in der Vollarbeit”, sagte Scheuch. Die dreimonatige Verlängerungsoption habe Wienerberger “nie in Anspruch genommen”. Generell sei Kurzarbeit in der Produktion, wo das Geschäft saisonal sei, “nicht unüblich”. Die Unternehmen bekämen da jetzt aber nichts geschenkt, obwohl manche vielleicht diesen Eindruck hätten. “Wir zahlen ja ein für so was.”

Bei Wienerberger dürfte es zunächst nicht zu einem coronabedingten Personalabbau im größeren Stil gekommen sein. “Grundsätzlich große Veränderungen hat es nicht gegeben”, meinte Scheuch auf die Frage, ob die Coronakrise im Konzern Jobs gekostet habe. Genaue Zahlen dazu werden aber erst Mitte August bekanntgegeben. 2019 beschäftigte das Unternehmen weltweit über 17.000 Mitarbeiter an rund 200 Standorten in 30 Ländern.

Wie sich das Auftragsvolumen und die Umsätze weiter entwickeln werden, sei im Moment nicht abschätzbar, “weil derzeit keine Visibilität ist”, erklärte der Konzernchef. Gleichzeitig lobte er das Vorgehen der Europäischen Union angesichts der Coronakrise. “Die Entscheidung des Gipfels letzte Woche hat dazu geführt, dass wir hier mehr Stabilität haben.” Das bringe Planbarkeit für die europäische Wirtschaft. “Es wird jedoch einige Monate dauern, bis wir Effekte sehen werden – die Bereitschaft zu investieren kommt dann zurück”, erwartet der Wienerberger-Boss.

Nach einen fünftägigen Verhandlungsmarathon hatten sich die EU-Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel vergangenen Dienstag auf ein 1,8 Billionen Euro schweres Finanzpaket geeinigt. Damit will sich die EU gegen den historischen Wirtschaftseinbruch infolge der Coronavirus-Pandemie stemmen und den EU-Binnenmarkt zusammenhalten. Gleichzeitig soll in den Umbau in eine digitalere und klimafreundlichere Wirtschaft investiert werden. Davon würde auch die Baubranche profitieren.

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Der bereits zuvor paktierte “Green Deal” der EU bringe letztlich verstärkt Aufträge in den Bereichen Sanierung, Renovierung und Infrastruktur. “Wenn die allgemeine wirtschaftliche Lage sich verbessern wird, kommt Zuversicht zurück und die Leute beginnen zu bauen”, ist sich Scheuch sicher.

Von der Regierung wünscht sich der Konzernchef für seine Branche, dass in der Verwaltung der Stau jetzt relativ rasch abgearbeitet werde und Genehmigungsverfahren durchgezogen würden. Das würde einige Aufträge generieren und Arbeitsplätze sichern. Ebenfalls gut wären stärkere Investitionsmaßnahmen in die Infrastruktur und dass man sich mit dem Thema leistbares Wohnen noch intensiver auseinandersetze. “Die Einkommen in Österreich sind in den vergangenen Jahren nicht so dramatisch gestiegen, die Wohnungspreise aber schon”, kritisierte der CEO und sprach sich dafür aus, “ausreichenden und gesunden Lebensraum” zu schaffen. Das, was am meisten koste, sei Grund und Boden. “Der soziale Wohnbau in Österreich ist ein wesentlicher Bestandteil der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung”, betonte Scheuch. “Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, dann müssen wir diesen gesunden Wohnraum schaffen.”

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