Willkommen in Villazons Auftrags-Zirkus bei Mozartwoche

Mozart für alle und Mozart zwischen den Künsten. Außer seinem Lieblingskomponisten haben es Rolando Villazon vor allem die szenischen Darstellungsformen bei der Mozartwoche angetan. Die Uraufführung am Montag von “Mozart Moves! Sieben Dramolette” im Salzburger Landestheater hat der Intendant selbst inszeniert und das Publikum damit gut unterhalten.

Noch nie waren so viele szenische oder zumindest halbszenische Produktionen im Programm der Mozartwoche zu finden wie in diesem Jahr. Seit es mit der Gesangskarriere nicht mehr ganz so gut voran geht, zieht es Rolando Villazon vermehrt auf Talkshowstühle und immer öfter auch hinter die Bühne. Der letzte Regiestreich des mexikanischen Tausendsassas, Bellinis “Puritani” in der Rheinoper, liegt noch nicht lange zurück, da führt er schon wieder Regie, und zwar bei “seinem” Festival an der Salzach. Sieben Autoren wurden eingeladen, sich von Mozarts Divertimenti zu kleinen Theatertexten, also Dramoletten inspirieren zu lassen, die Villazon zusammen mit Co-Regisseurin Christina Piegger auf die Bühne brachte.

Das Salzburger Landestheater wird zum neuen Begegnungsort für Musik, die vom Mozarteumorchester unter der Leitung von Gabriel Venzago aus dem Orchestergraben erklingt, Text und Choreographie. Eingeladen, sich inspirieren zu lassen, wurden die mexikanisch-kanadische Autorin Martha Batiz, der französisch-belgische Filmregisseur Eric-Emmanuel Schmitt, der australische Theaterautor Tom Holloway, der mexikanische Literaturreformer Jorge Volpi, der israelische Autor Shlomo Moskovitz, der deutsche Dramatiker John von Düffel und die mexikanische Dichterin Guadalupe Nettel.

So unterschiedlich wie ihre Medien, durch die die Autoren kommunizieren, sind auch die Anmutungen ihrer Dramolette. Mozarts Musik spielt darin mal Haupt-, mal Nebenrolle, fungiert als Tanzmusik für das Ballettensemble des Salzburger Landestheaters, oder ist nur ein dezent wahrzunehmendes Hintergrundgeräusch. In Eric-Emmanuel Schmitts “Ich liebe Mozart” ist der Komponist selbst die einzige Information in der Partneranzeige, die Nikola Rudle bei Tina Eberhard aufgibt.

So wie Rolando Villazon in Mozart am liebsten den anarchischen Clown sieht, halten es auch Tom Holloway und Shlomo Moskovitz. Mit Mozarts Serenade in Es-Dur treibt Hanno Waldner Georg Clementi in einem irrwitzigen Schlagabtausch über Porridge in den Wahnsinn, indem er ihm in einem Dialog-Kreuzfeuer weismachen will, die Musik erklinge nur in seinem Kopf. In Moskovitz’s “Schleier” bereitet eine Nudel dem wie beim letzten Abendmahl aufgereihten Ensemble physische und vor allem interkulturelle Probleme mit überraschendem Ende.

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Ob es wie bei Holloway Mozart ist, der Britta Bayer in “(My) Love (In) Your Hands” in den Wahnsinn treibt, das weiß nur Martha Batiz, aber offensichtlich hat seine Serenade “Nachtmusique” die Autorin zu einem zehnminütigen Psychothriller inspiriert. Bei John von Düffel und Jorge Volpi spielt Mozarts Musik im wahrsten Sinne des Wortes eine aktive Rolle, wohingegen Guadalupe Nettel sie lieber mit dem Wind vergleicht und zum Lebenselixier des Menschen erhebt.

Durch diese unterschiedlichen Geschichten wollten Rolando Villazon als Regisseur und der Choreograf Reginaldo Oliveira einen roten Faden spinnen, das ist aber vor allem Eva Musil mit der Ausstattung von Bühne und Schauspielern gelungen. Sie verbindet die Handlung mit dem Einsatz von Schlüsselelementen wie einer Treppe oder einer Gardinenstange, die in Schmitts Partnervermittlung ein Bühnenvorhang und in Volpis “Brain Music” eine Krankenhaustrennwand ist. So wie sich die Bühnenteile verwandeln und durch die Dramolette bewegen, packt Reginaldo Oliveira die Handlungen in bewegte Übergänge, in denen die Choreographie meist der Musik folgt.

Hat Rolando Villazon es nun geschafft, alles unter einen Hut zu bringen? Über die Sinnhaftigkeit dieses Versuchs lässt sich streiten, begreift man die “Sieben Dramolette” allerdings als Werksschau Mozart’scher Inspirationsarbeit, so lädt einen Villazons Inszenierung in ein großes Zirkuszelt ein, unter dessen Dach er die verschiedensten Künste versammelt, und genau das dürfte dem Publikum im Salzburger Landestheater gut gefallen haben. Großer Applaus für Darsteller, Musiker und Autoren beschloss diese Vorstellung am Montagabend.

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