„Win-Win“ oder Angriff auf Linz?

Flughafen Budweis will mit Billig-Fliegern auch im Einzugsgebiet des OÖ-Airports wildern

Wollen nach der Investition von 15,7 Mio. Euro in den Flughafen durchstarten: Direktor Ladislav Ondrich und Airline-Marketing Direktor Dieter Pammer
Wollen nach der Investition von 15,7 Mio. Euro in den Flughafen durchstarten: Direktor Ladislav Ondrich und Airline-Marketing Direktor Dieter Pammer © Airport Budweis

Von Christoph Steiner

Etwas mehr als 400.000 Passagiere hatte der Linzer Flughafen im Vorjahr – rund 370.000 weniger als noch vor zehn Jahren. Heuer geht es wieder etwas bergauf, doch das nächste Ungemach droht bereits unweit der österreichisch-tschechischen Grenze. In Budweis soll im Mai 2020 der neue internationale Flughafen eröffnen und dieser wird natürlich auch im Einzugsgebiet des Linzer Flughafens wildern. Denn Überschneidungen im Angebot wird es nach aktuellen Plänen geben.

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Oberösterreicher in Budweis

Zusätzlich brisant: In Budweis arbeitet derzeit ein Oberösterreicher intensiv an den Vorbereitungen für den Start. Der Bad Leonfeldner Dieter Pammer – früher langjährig auch am Flughafen Linz tätig – führt die Verhandlungen mit Airlines und anderen Playern. Dabei soll die aktuelle Expansionswelle bei den Billig-Airlines genutzt werden. „Wizzair, Ryanair, Easyjet… die Low-Coster expandieren ins Endlose. Wir wollen diese Veränderung in der Flugbranche nützen“, erklärt Pammer im VOLKSBLATT-Gespräch. Im Ferienflieger-Bereich definiert der Oberösterreicher die Ziele mit Kanaren, Rotes Meer aber auch Antalya – damit steht man auch in direkter Konkurrenz zu Linz. Auch ehemalige Linz-Ziele wie London oder Zürich werden aktuell evaluiert.

Enormes Potenzial

Erstes Ziel für das Eröffnungsjahr 2020 sind 80.000 bis 100.000 Passagiere. Sollte man zeitig auch eine Maschine am Flughafen stationieren können, könnten es 2022 bereits mehr als 400.000 sein. Das Potenzial sei dank des Weltkulturerbes Krumau mit einer Million Besuchern pro Jahr und der exzellenten Lage enorm, so der Airport-Airline-Manager. Verstärkt werden soll die Entwicklung durch die wirtschaftliche Dynamik in der Donau-Moldau-Region, man spekuliert mit einem Potenzial von rund zwei Millionen Geschäfts- und Urlaubsreisenden. Der Fokus ist auf die Regionen Oberösterreich, Niederösterreich, Böhmen und Süddeutschland. „Eine ganz klare Win-win-Situation beidseits der Grenze, der die Entwicklung des gemeinsames Wirtschaftsraumes fördern wird“, so Pammer.

Benefits für Passagiere

Zumindest für die Gesamtwirtschaft soll der Flughafen also zum Turbo werden, am Flughafen Linz dürfte man damit weniger Freude haben. Denn die Fluggäste sollen mit zahlreichen Aktionen nach Budweis gelockt werden. „Es wird Gratis-Parken geben, wir werden die Leute aus allen Regionen – sei es Waldviertel, Mühlviertel oder Süddeutschland mit Bus-Shuttles zum Flughafen bringen. Dazu wird die Schnellstraße zum Flughafen bis 2024 ausgebaut. Auch gibt es jetzt schon eine Zughaltestelle direkt neben dem Flughafen“, verspricht er kurze Anfahrtswege. Diese sollen natürlich Oberösterreicher anziehen, aber auch für internationale Gäste das Land ob der Enns interessanter machen. Von Budweis ist man in rund einer Autostunde in Linz.

Billiger Airport für Airlines

Dass der Flughafen kein Problem haben wird, Airlines für Budweis zu gewinnen, davon ist Pammer überzeugt. Denn ausschlaggebend sei für die Fluggesellschaften der Preis – also etwa Landetarife und Flughafen-Taxen. Dieser sei extremst günstig, da auf Schnick-Schnack verzichtet wird. „Wir haben den Operation-Bereich, eine Piste, günstiges Personal und eine rasche Abwicklung, verzichten aber auf teurere Sachen wie Lounges oder ähnliches.“ Österreichs und Deutschlands Airports seien die höchsten Kostenfaktoren in der Airline-Produktion, sieht Pammer Budweis gegenüber der Konkurrenz in der Pole Position.