Winterurlaub wird zunehmend auf den letzten Drücker fixiert

Der erste Schnee ist gefallen, die heimischen Touristiker freuen sich über beste Pistenbedingungen. Was die Wintersaison bringt, entscheidet sich aber oft erst in letzter Minute. “Es werden immer mehr, die zwei bis drei Buchungen vornehmen und es durch die extrem kurzfristigen Stornofristen vom Wetter abhängig machen, wo sie letztlich hinfahren”, so Branchensprecherin Petra Nocker-Schwarzenbacher.

“Es ist schwierig, bei der Lotterie dabei zu sein, ob es passt oder nicht”, erklärte die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Donnerstag im Hinblick auf die letzte der alljährlich drei Hauptbuchungsphasen. Die erste Welle erfolge durch den Stammgast, der im Idealfall gleich bei der Abreise für den nächsten Winter bucht. In einer zweiten Welle folgen die Familien, die Sicherheit wollen und sich ihre Ferienquartiere dann vielfach schon im September oder Oktober sichern.

Derzeit herrscht gute Stimmung in der Branche. Prägend für das Tourismusgeschäft ist – neben dem Wetter – aber auch der Fachkräftemangel. Einer aktuellen Wirtschaftsbarometer-Umfrage zufolge, die 527 touristische Unternehmen erfasst, gibt es deshalb auch Grund zur Sorge. Immerhin 82 Prozent der Tourismusbetriebe nennen den Fachkräftebedarf als “Risiko”. “Es ist jetzt schon schwierig – die Zukunft ist dahingehend nicht rosig”, so Nocker-Schwarzenbacher. 11 Prozent wollen bei den Beschäftigten noch aufstocken. Gleichzeitig gaben 62 Prozent der Befragten an, dass ihnen die “Arbeitskosten davonlaufen”. Es sei eine Herausforderung, Arbeitskräfte “zu bekommen, zu halten und zu bezahlen”.

Die Branche wächst kräftig, gleichzeitig werden die Jobs häufig gewechselt. Die Arbeitnehmer können unter vielen Stellen wählen. Im November gab es 8.450 offene Stellen im Tourismus – das waren um 6,2 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Doch auch die Zahl der Beschäftigten im Bereich Beherbergung und Gastronomie ist im Jahresabstand um 2,3 Prozent auf knapp 200.000 geklettert. “Was man am dringendsten braucht, sind Fachkräfte”, betonte Nocker-Schwarzenbacher.

“Die Umsätze sind nach wie vor auf gutem Niveau”, relativierte die WKÖ-Obfrau. Die Auftragslage bezeichneten 44 Prozent der Tourismusbetriebe der Wirtschaftsbarometer-Umfrage zufolge als “besonders gut”. Aber nur 22 Prozent gehen für die nächsten Monate von einer “besseren Entwicklung” aus, 64 Prozent immerhin von einer gleichbleibenden.

Insgesamt könne der Tourismus “nächtigungstechnisch” auf ein recht erfolgreiches Jahr zurückblicken: “Wir hatten wieder Nächtigungsrekorde – Wien hat uns aus der Patsche geholfen”, vermerkte Nocker-Schwarzenbacher vor Journalisten in Wien. Heuer seien “Ergebnisse wie 1991 – nach der Ostöffnung” erreicht worden.

Allein im Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) kletterten die Urlaubernächtigungen um 2,8 Prozent. “Der Oktober hat einiges aufgeholt in Regionen, wo wir dachten, wir sind etwas zurück.” Auch immer mehr Österreicher machen Urlaub im eigenen Land. “Bei den Inländern sind wir mit einem Anteil von knapp 30 Prozent noch beliebter geworden”, stellte die Branchensprecherin zufrieden fest. “Das ist ein Markt, der uns sehr am Herzen liegt und uns sehr wichtig ist.”

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