Winterwetter versetzt Tourismus einen Dämpfer

Die Wintersaison ist an sich gut angelaufen. Doch seit dem 4. Jänner machen den Touristikern anhaltende Schneefälle, starker Wind und hohe Lawinengefahr einen Strich durch die Rechnung. Zahlreiche Urlaubsregionen sind über Tage hinweg von der Außenwelt abgeschnitten. “Es ist vielerorts eine Ausnahmesituation”, sagte WKÖ-Tourismusobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher.

Hoteliers in den betroffenen Gebieten – etwa am Arlberg, im Zillertal, im Ötschergebiet, in Obertauern und vor allem auch in der Obersteiermark haben aufgrund von Straßensperren keine Zufahrten. Das drückt auf das Geschäft. “Bei den kurzfristigen Buchungsanfragen haben wir derzeit ein Minus von 50 Prozent – das macht schon was aus, vor allem bei den Nächtigungen”, berichtete die Branchensprecherin. Die Tagesausflügler und Wochenendgäste bleiben aus. “Jeder schaut aufs Wetter – die Häuser bleiben de facto leer.”

Sicherheitskräfte und freiwillige Helfer arbeiten auf Hochtouren. “In Obertauern wird jeden Tag zwei Stunden lang Schnee gesprengt, um die Sicherheit zu gewährleisten – Hubschrauber befreien Bäume vom Schnee, sie fliegen in der Früh und am Abend”, beschrieb Nocker-Schwarzenbacher einige der Aktivitäten vor Ort. Nur knapp die Hälfte der Skilifte sei derzeit in Obertauern in Betrieb. “Die Liftbetreiber und Skihütten haben heuer sicher einen Verlust”, so die Touristikerin. Sie rechneten mit einem Umsatzminus von 20 Prozent. “Das ist ganz schwer aufzuholen.”

In den Hotels und Pensionen hätten an die 15 Prozent der Gäste storniert. Es wurde aber auch auf spätere Termine umgebucht. Einige Urlauber haben ihren Aufenthalt den Angaben zufolge auf März oder April verschoben, einige auf nächstes Jahr.

Bis vor kurzem glaubten die heimischen Beherbergungsbetriebe für die aktuelle Wintersaison 2018/19 (per Ende April) noch an ein Nächtigungsplus von zwei Prozent gegenüber dem (sehr starken) Vorjahr. Damit ist es nun vorbei. “Wenn wir gleich abschneiden wie im abgelaufenen Jahr, dann sind wir eigentlich recht zufrieden”, meinte Nocker-Schwarzenbacher, die selbst ein Hotel in St. Johann im Pongau betreibt. Die Buchungen für den Februar und den sonst schwachen März hätten zwar in den vergangenen Tagen “ungeheuer angezogen, aber das wird letzten Endes nicht reichen”. Für das betriebliche Ergebnis werde heuer “bestimmt ein enorm herausforderndes Jahr – da sind wir sicher im Minus”, so die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich.

Die grundsätzliche Stimmung bei den Unternehmen sei aber “gut, obwohl es jetzt eine nervenaufreibende Zeit ist”, so Nocker-Schwarzenbacher. Die Urlauber, die da seien, seien “Zeitzeugen von unglaublichen Schneeverhältnissen”. “Man hofft, dass die Tage bald gezählt sein werden.” Bis kommenden Mittwoch werden die Schneefälle den aktuellen Wetterprognosen zufolge jedenfalls noch anhalten.

Der schneereiche Winter in Österreich bremst überdies den Gütertransport. Auf Straße und Schiene dauern Lieferungen derzeit länger, sagte der Obmann der Wirtschaftskammer-Bundessparte Transport und Verkehr, Alexander Klacska, auf APA-Anfrage. Bei Schnee, Matsch und Eis verlängere sich die Lieferzeit durchschnittlich um ungefähr 30 Prozent. Auch müssen LKW-Fahrer Ketten anlegen, was ebenfalls Zeit koste.

“Auf die Versorgung hat der Schnee natürlich Auswirkungen, aber nicht so, dass es massive Probleme gebe”, erklärte Klacska. Auch Güterzüge sind – unter erheblichen Mehraufwand – weiterhin unterwegs. Auf der Schiene hat der Güterverkehr allerdings gegenüber dem Personenverkehr Nachrang. Die Auswirkungen auf die Lieferketten in der Industrie seien auch deshalb gering, so Klacska, weil die Produktion um die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel ohnehin niedriger sei als unter dem Jahr.

Die massiven Schneefälle stellen auch für die Stromnetze eine große Herausforderung dar. Gefährdet sind Freileitungen, auf die Äste oder ganze Bäume fallen können, wenn der Schneedruck zu groß wird. Freileitungen befinden sich primär im freien Gelände. Im verbauten Ortsgebiet, wo auch die Spannungsebenen niedriger sind, wird vor allem unter die Erde verlegt. Höchstspannungsleitungen mit 380 kV oder 220 kV, auf die nur zweieinhalb Prozent der Länge des Stromnetzes entfallen, sind durch umstürzende Bäume nicht gefährdet, da hier ohnedies sehr hohe Sicherheitsabstände auch zur Vegetation vorgeschrieben sind.

Der heftige Schneefall wird aber vermutlich keine negativen Auswirkungen auf das heimische Wirtschaftswachstum haben. Einzelne Branchen sind zwar kurzfristig betroffen, es gibt dafür aber auch belebende Effekte in anderen Bereichen, im Tourismus verschiebt sich die Wintersaison nach hinten. “Daher erwarte ich keine langfristigen negativen konjunkturellen Auswirkungen auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene”, so IHS-Chef Martin Kocher am Donnerstag zur APA. Baugewerbe und Tourismus leiden zwar im Moment, zugleich gibt es aber mehr Ausgaben etwa im Online-Handel oder bei Energie. Nicht nur werden Touristen das heuer späte Ostern nutzen und allenfalls stornierte Urlaube nachholen, auch verschobene Großeinkäufe etwa für ein neues Auto dürften später erfolgen.