„Wir erzählen den Beginn der Pandemie“

Natalia Wörner über ihren Einsatz als Jana Winter und Interviews, die sie nicht mehr geben würde

Schauspielerin Natalia Wörner — am Montag als KommissarinJana Winter auf ZDF
Schauspielerin Natalia Wörner — am Montag als Kommissarin Jana Winter auf ZDF © ZDF/Marion v. d. Mehden

Natalia Wörner überzeugt als Polizistin Jana Winter in „Unter anderen Umständen“, als Expertin für Auslandsangelegenheiten in „Die Diplomatin“.

Derzeit dreht die Schauspielerin und Lebensgefährtin des deutschen Außenministers Heiko Maas einen Film über die Corona-Pandemie.

VOLKSBLATT: Sie beginnen gerade mit dem Dreh von „Die Welt steht still“, ein hochaktueller Film, in dem Sie eine Ärztin spielen …

NATALIA WÖRNER: Wir drehen in der Pandemie unter Pandemie-Bedingungen, was ohnehin schon sehr außergewöhnlich ist, und erzählen etwas, das jetzt schon Welten weg zu sein scheint und doch ganz nah ist. Das Zeitfenster, das wir erzählen, ist Silvester 2019/20 bis April 2020. Das ist der Beginn der Pandemie, das ist der erste Lockdown. Das sind die ersten Erfahrungen mit Corona, mit einem veränderten Alltag.

Diese Pandemie trifft uns alle hart. Wie ging es Ihnen dabei, sich für eine Rolle so intensiv damit auseinanderzusetzen?

Das war sehr befremdlich, aber auch spannend, die Anfänge eines Zeitalters zu erzählen, das gerade anfängt, für uns „normal“ zu erscheinen und alles andere als normal im Sinne einer früheren Normalität ist. Es ist ja immer so, dass man, wenn man sich auf eine Rolle vorbereitet, in eine andere Welt ein- und abtaucht. Das ist hier in besonderer Weise der Fall, weil es ein Brennglas ist, das den Alltag, den wir gerade erleben, noch einmal anders unter die Lupe nimmt und einen Schritt zurückgeht. Worüber haben wir uns vor einem Jahr unterhalten? Sollen wir Masken tragen? Dinge, über die wir uns heute wundern, dass das überhaupt einmal eine Diskussion war! Ich habe auf eine sehr besondere Weise Respekt vor den Dreharbeiten.

Denken Sie durch Ihre Recherche anders über diesen Ausnahmezustand?

Ich bin im ständigen Austausch mit Ärzten und habe relativ wenig Verständnis für Menschen, die sich über Dinge, die aus wissenschaftlicher Sicht gesetzt sind, hinwegsetzen, sich nicht an Regeln halten, so tun, als ob man das alles optional handhaben könnte. Ich habe auch keine Kapazität mehr, mir die Klagen über den Pandemie-Alltag – von wem auch immer – anzuhören. Ansonsten würde ich sagen, hat es mich nicht grundsätzlich anders mit meinem Alltag umgehen lassen. Ich habe Covid 19 von Anfang an sehr ernst genommen und versucht, mich an dem wissenschaftlichen Status quo zu orientieren, um mich und meine Liebsten gesund zu halten. Ich glaube, dass mir der wissenschaftliche Aspekt oftmals geholfen hat, eine emotionale Distanz zu bekommen.

Sie haben im vergangen Jahr ein soziales Projekt auf die Beine gestellt, #sicherheim. Wie sind Sie dazu gekommen in dieser Zeit?

Ich habe am Anfang, in diesem Schock und in dieser Starre, viel über häusliche Gewalt und Übergriffe gelesen. Das hat mich so berührt, dass ich den Impuls hatte, diese Initiative zu gründen. Ich kann Ihnen gar nicht genau sagen, warum mich das so ins Herz getroffen hat. Sowohl die Plakat-Aktion, als auch unsere Film dazu waren sehr präsent und wir haben tatsächlich schon sechsstellige Spendensummen an die unterschiedlichen Frauenhäuser und Verbände geben könne. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, das weiß ich auch, aber das eine sind die konkreten Hilfen, die notwendig sind, auch coronabedingt. Das andere ist die Sensibilisierung und die Fokussierung auf das Thema und das hat echt viel bewegt.

Seit 2006 spielen Sie Jana Winter. Mögen Sie die Figur? Wäre das eine Frau, die Sie zur Freundin haben könnten?

Bei Jana Winter ist es eine ganz spezielle Situation, weil ich sie seit 14 Jahren spiele. Ich habe mal gesagt: „Das ist meine Schwester aus dem Norden!“ Und so fühlt es sich auch an. Ich besuche die einmal im Jahr. Und es ist ja jetzt so, dass mein Sohn wieder mitspielt, also mein Sohn spielt meinen Sohn. Der hat das schon als Baby gespielt, dann war das eine Zeit lang nicht seins und jetzt hat er wieder großes Interesse daran, da mitzumachen. Alles an dieser Reihe ist mir so nahe, das ist so familiär und gewachsen.

Es ist als Schauspielerin gut, kontinuierlich so eine Rolle zu spielen, weil man sie entwickeln kann, oder hat man dann auch mal das Gefühl, die ist auserzählt?

Es gab bestimmt stärkere und schwächere Filme, aber das Gute ist, da wir nur einen Film pro Jahr drehen, wird das nie routiniert. Wir freuen uns da alle wie verrückt aufeinander. Wenn ich das Gefühl hätte, dass ich da innerlich nicht mehr mit einer Spannung, mit Freude und Kraft reingehe, dann würde ich mich liebevoll verabschieden. Aber das ist nicht der Fall. Ich besuche Jana Winter noch immer sehr gerne, um Ihre Frage so zu beantworten und den neuen Film, der am 1. März ausgestrahlt wird, mag ich sehr.

Hat Ihr Sohn jetzt Blut geleckt, also auch Ambitionen, den Schauspielerberuf zu ergreifen?

Ich hoffe nicht (lacht). Ich bin da ganz ambivalent. Ich sehe, dass er das gerne macht und er macht es auch gut. Ich finde es auch schön, mit ihm da reinzugehen, aber … ich weiß es noch nicht. Es ist eine Reise, aber ich würde es jetzt nicht proaktiv unterstützen. Ich bin froh, dass ich mich früh von meinem inneren Kompass habe leiten lassen. Ich komme nicht aus einer Schauspielerfamilie, und mein Berufswunsch stieß am Anfang nicht auf große Zuneigung. Von der Praktikabilität und den Lebensumständen her, würde ich diesen Beruf wahrscheinlich niemanden empfehlen. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich ihn ausüben darf. In diesem Widerspruch bewegt sich auch mein Blick auf meinen Sohn. Wenn wir gemeinsam zum Drehen fahren, ich mag das sehr gerne. Aber wenn ich mir vorstelle, er würde sich auf diesen Beruf voll und ganz einlassen, denke ich mir: „Oh Gott, hoffentlich fällt ihm noch was anderes ein.“ Zu den Dreharbeiten vom neuen Film nehme ich ihn mit, um das mit Home-Schooling, so wie alle anderen arbeitenden Väter und Mütter, jetzt irgendwie zu lösen.

Eine andere starke Frau, die Sie regelmäßig spielen, ist die „Diplomatin“. Würden Sie gerne wieder einmal eine andere Seite zeigen?

Ich bin auch glücklich über den Film, den wir jetzt drehen werden, weil das wieder eine ganz andere Figur ist. Ich komm mit diesem Adjektiv „stark“ immer ein bisschen ins Straucheln, weil das immer Frauen sind, die ihre Stärken und Schwächen haben. Ich versuche natürlich, Rollen auszufüllen, mit denen ich mich auch identifizieren kann, wo ich hoffentlich eine optimale Projektionsfläche für Frauen bieten kann, um sie ein Stück zu begleiten, ihnen Mut mache, ihren Weg zu gehen. Das sind so die Sachen, die mich mehr motivieren, als zu sagen, das muss jetzt eine besonders starke Frau sein.

Sie haben 2015 ein Interview mit ihrem Partner Heiko Maas gegeben. Würden Sie so ein Interview noch einmal machen?

Um die Frage ganz klar und knapp zu beantworten: Nein!

Mit Schauspielerin NATALIA WÖRNER sprach Mariella Moshammer

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