„Wir gehen sehr bewusst Toni Spiras Weg weiter“

Im ORF: Ab 6. Juli neue Folgen von „Liebesg'schichten und Heiratssachen“ mit Nina Horowitz

Führt das Erfolgsformat im Sinne von Elizabeth T. Spira weiter: Nina Horowitz, die neue Moderatorin und Gestalterin von „Liebesg´schichten und Heiratssachen“.
Führt das Erfolgsformat im Sinne von Elizabeth T. Spira weiter: Nina Horowitz, die neue Moderatorin und Gestalterin von „Liebesg´schichten und Heiratssachen“. © ORF/Roman Zach-Kiesling

Sie ist Journalistin, Filmemacherin und Moderatorin und hat bisher für den ORF u.a. Beiträge für „Am Schauplatz“ gestaltet und das Reportage-Format „Panorama“ moderiert. Nun tritt Nina Horowitz in große Fußstapfen: Sie moderiert und gestaltet nach dem Tod von Elizabeth T. Spira im vergangenen Jahr die ORF-Kultsendung „Liebes’gschichten und Heiratssachen“. Am 6. Juli ist die erste Folge der 24. Staffel mit der 43-jährigen Wienerin zu sehen. Auf dem bewährten Sendeplatz – Montag, um 20.15 Uhr in ORF 2 – stehen zehn neue Folgen mit 54 Porträts interessanter Singles und eine abschließende Bilanzepisode im Oktober auf dem Programm.

VOLKSBLATT: Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit als Journalistin wichtig? Und vor welche Herausforderungen stellt Sie „Liebesg’schichten und Heiratssachen“?

NINA HOROWITZ: Ich mache bei den „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ das, was ich eigentlich seit 20 Jahren als Journalistin mache, ich rede mit Menschen über ihr Leben. Das ist etwas Wunderbares und macht mir unglaublichen Spaß. Was mich aber natürlich herausfordert, ist, dass die Sendung so einen Kultstatus hat und die Anforderungen und Erwartungen entsprechend hoch sind. Deshalb gehe ich schon mit einer gewissen Demut an die Arbeit. Aber wie es Harpe Kerkeling, den ich sehr verehre, mal gesagt hat: „Mein Ziel ist eine heitere Gelassenheit.“ Das übe ich jetzt mal …

Wie hat sich die Corona-Zeit auf die Drehs für die neuen Folgen der Kuppel-Sendung ausgewirkt?

Wir haben ja im Gegensatz zu Filmteams das Glück, ein kleines Team zu sein. Wir sind nur drei Leute vor Ort. Wir haben mit dem Dreh ab Mitte März pausiert, konnten aber im Mai wieder loslegen.

Elizabeth T. Spira hatte ja ihre ganz eigene Art und Weise, mit den Interviewpartnern umzugehen. Was denken Sie, ist Ihre persönliche Note? Wie definieren Sie Ihre Rolle?

Meine Rolle in der Sendung ist es, die Menschen zu öffnen und ihnen nah zu sein. „Interview“ heißt ja nicht umsonst „einander anschauen“. So können intime Porträts entstehen. Voraussetzung ist ein gewisses Vertrauen. Ich glaube, das gelingt mir auf drei Wegen: Humor, Wohlwollen und meine eigene Unperfektheit. Vor mir hat man keine Angst.

Haben Sie im Gespräch manchmal Berührungsängste? Da geht es doch um recht intime Dinge …

Nein. Dann könnte ich diesen Job nicht machen. Es geht um Intimität. Aber natürlich, es gibt Drehtage, die mir sehr nahe gehen. Wenn man zum Beispiel große Einsamkeit erlebt, das lässt mich nicht kalt. Aber gute Interviews kann man mit Distanziertheit nicht führen. Es geht ja um die Liebe!

Seit 1997 gibt es dieses überaus erfolgreiche Format. Wie erklären Sie, dass die Sendung schon so lange Kult ist, gerade in Zeiten, wo es viele neue Möglichkeiten der Partnersuche – Stichwort Internet & Co. – gibt?

Die Sendung funktioniert ja auf mehreren Ebenen, nicht nur als Partnervermittlung. Sie ist sehr ungekünstelt. Menschen erzählen von ihren Erfahrungen mit der Liebe, vom Scheitern, von ihren Enttäuschungen, von Träumen und Fantasien. Das macht auch neugierig, man will diese Geschichten hören. Und ein weiterer Faktor ist sicherlich: Erfolgreiche Geschichten geben Hoffnung. Nach dem Motto: „Zu jedem Topf passt auch ein Deckel.“

Wie hat sich die Liebessuche entwickelt? Was wurde an der Sendung verändert?

Wir haben im Team viel darüber nachgedacht, wie man mit dem Kultformat umgeht. Die Sendung gibt es ja seit fast 25 Jahren. Das ist eine Ewigkeit fürs Fernsehen. Viele Österreicherinnen und Österreicher lieben die „Liebesg’schichten“. Deswegen gehen wir sehr bewusst den Weg von Toni Spira weiter. Es wär’ ja ewig schade gewesen, da zu viel daran zu ändern. Wir besuchen die Singles in ihren eigenen Wohnungen. Man sieht sie bei ihren bunten Hobbys.

Die größte Veränderung bin aber sicher ich. Das Team ist bis auf die Sendungsverantwortliche Sharon Nuni und die Redakteurin Stefanie Speiser neu. Meine Cutterin Bettina Mazakarini hat ihre eigene, sehr gelungene Art zu schneiden. Die Kameramänner Gustl Gschwantner, Alex Tomsits und Hermann Dunzendorfer haben wunderschöne Bilder gemacht. Die Sendung wird sich also durchaus vertraut anfühlen und dennoch frisch.

Wie groß ist der Andrang an Bewerbern?

Das Interesse an den „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ ist zum Glück weiterhin groß. Aber wir suchen immer neue Singles. Und freuen uns natürlich auch über suchende Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher, die sich gerne unter liebesgschichten@orf.at bewerben können.

Viele der Suchenden sind sehr schüchtern und gerade deshalb in Sachen Liebe bisher gescheitert. Wie bricht man da das Eis, wie stellt man das nötige Vertrauen her?

Ich erlebe die meisten Singles sogar als sehr mutig. Es gehört schon was dazu, mit der eigenen Geschichte ins Fernsehen zu gehen. Manchmal müssen die Singles am Anfang eine gewisse Nervosität überwinden. Dann trinken wir gemeinsam einen Verlängerten und lachen über kleine Malheurs im Leben.

Können die Kandidaten bei der Motivwahl mitreden?

Wir drehen — wie früher — zu Hause bei den Singles. Welche Hobbies wir wo drehen, da helfen uns natürlich die Singles.

Hat sich Ihre Wahrnehmung von Liebe durch die Sendung verändert?

Nein. Dass die Liebe ein heikles Terrain ist, war mir schon vorher klar. Aber es geht ja in der Sendung nicht nur um die Liebe, sondern um alle Gefühle.

Sie sind selbst mit einer Frau verheiratet. Wollen Sie solche Lebenssituationen in Ihrer Sendung?

Wen wer sucht, sollte 2020 keine Rede mehr wert sein. Toni Spira hat von Anfang an, also auch schon in den 1990ern, homosexuelle Menschen in der Sendung eine Bühne gegeben. Und Transgender-Menschen. Und das ganz selbstverständlich, ohne zu werten. Das ist ihr hoch anzurechnen. Es geht ja da immer auch um mediale Sichtbarkeit, um damit Normalität herzustellen — und Akzeptanz. Ich werde das nicht anders machen. Liebe ist Liebe.

Mit NINA HOROWITZ sprach Melanie Wagenhofer

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