„ Wir haben die erste Hebefigur eingebaut“

Tanzprofi Maria Santner (32) über den Wiener Opernball, „Dancing Stars“ und Lampenfieber

Maria Santner und ihr Bruder Christoph mit den Debütanten bei einer Tanzprobe für den Wiener Opernball
Maria Santner und ihr Bruder Christoph mit den Debütanten bei einer Tanzprobe für den Wiener Opernball © Santner

VOLKSBLATT: Von der gelernten Floristin zum Tanzprofi und von der Dancing Queen zur Zeremonienmeisterin am Opernball, das ist mit 32 wohl eine beeindruckende Karriere.

MARIA SANTNER: Ich habe in meinem Leben schon relativ viel erlebt. Gerade auf die Zeit bei „Dancing Stars“ blicke ich sehr gerne zurück und freue mich jetzt irrsinnig auf die Herausforderung beim Opernball. Das ist gerade für uns als junge Tanzschule eine ganz besondere Ehre. Allerdings bin ich nicht Zeremonienmeisterin, ich gestalte mit meinem Bruder die Eröffnungschoreografie. „Alles Walzer!“ werden wahrscheinlich alle Künstler gemeinsam ansagen.

Waren Sie schon einmal auf dem Opernball?

Der Opernball ist für mich durch und durch eine Premiere. Bisher war jedes Jahr im Frühjahr „Dancing Stars“, da waren die Proben und Trainings so intensiv, dass wenig Spielraum war für andere Veranstaltungen. Dieses Jahr haben sich mein Bruder Christoph und ich gedacht, wenn eine Premiere, dann eine richtige.

Fühlen Sie sich wie in einem Traum, die Opernball-Eröffnung gestalten zu dürfen?

Ich glaube, das ist für jeden Tänzer ein Traum. Der Opernball ist das österreichische Highlight und auch international eine Veranstaltung, wo die Leute wirklich voll mitfiebern, wo ein Millionenpublikum zuschaut.

Was bringen Sie von „Dancing Stars“ und aus Ihrer Praxis aus der Tanzschule – die durch Ihre TV-Präsenz zum Hotspot geworden ist — mit für eine Aufgabe wie diese?

Bei uns in der Tanzschule veranstalten wir seit drei Jahren unseren eigenen Debütantenball mit Eröffnungsquadrille und Tanzkurse dazu, zu denen viele motivierte Jugendliche kommen. Da nehme ich schon einiges an Erfahrung mit. Aber grundsätzlich denkt man in solchen Dimensionen, wie sie am Opernball herrschen, normalerweise nicht. Es sind 144 Paare, also 288 Personen, das ist schon eine Herausforderung für meinen Bruder und mich gewesen, das zu choreografieren. Da muss man schon alle Mittel auspacken, damit man sich das vorstellen kann.

Worauf dürfen wir uns bei der Santner-Choreografie freuen?

Wir haben die erste Hebefigur beim Opernball eingebaut. Wir wollen einen Akzent setzen, der beim Opernball noch nie da war. Die Debütanten tanzen zum „Rettungs-Jubel-Marsch“ von Johann Strauß jr., also eher etwas Flottes, Dynamisches. Genauso wird auch unsere Choreografie aussehen.

Haben Sie und Ihr Bruder gemeinsam an diesen Abläufen gefeilt?

Ja und wir machen auch die Trainings in Wien gemeinsam, wir sind da wirklich das perfekte Team. Ich bin die Kreative, die am Anfang viel in den Raum stellt, mein Bruder ist der Realist, der dann sagt, was geht und was nicht.

Wie gibt man den Debütanten das Gefühl, dass sie an diesem Abend die Dancing Stars sind?

Die jungen Damen und Herren, mit denen wir da in Wien arbeiten — wir hatten bisher zwei Proben —, sind topmotiviert. Natürlich wird sich auch einmal Aufregung einstellen oder Angst, dass man das nicht schafft. Dann muss der Tanzlehrer gut zureden, Abläufe immer wieder wiederholen und den Debütanten auf dieser Art und Weise ein positives Gefühl geben.

Wieviel wird insgesamt für diesen großen Augenblick trainiert?

Sechsmal. Die ersten Trainings dauern so um die zwei, die letzten etwa fünf Stunden. Das ist notwendig, sonst kommt man mit der Choreografie nicht durch. Das muss alles perfekt aussehen.

Spürt man vor so einem großen Ereignis auch als Profi Lampenfieber?

Natürlich steht man bis zu einem gewissen Grad drüber. Aber gerade vor so einem Ereignis ist man aufgeregt, das darf aber auch sein.

Soll Ihr Kleid bis zum Ball ein Geheimnis bleiben oder dürfen Sie uns etwas darüber verraten?

Ich darf verraten, dass es von der tollen Designerin Eva Poleschinski stammt, alles Weitere ist noch streng geheim.

Ab wann können Sie den Ball richtig genießen, weil Ihre Arbeit getan ist?

Gar nicht so bald, weil ich mit meinem Bruder auch noch die Publikumsquadrillen um Mitternacht und um zwei Uhr ansagen darf. Richtig entspannen können wir wohl erst am nächsten Tag.

Werden Sie auch mit Ihrem Lebensgefährten Marco Angelini irgendwann übers Tanzparkett fliegen?

Der Frack hängt schon zuhause, Marco ist natürlich mit dabei und wenn zwischendurch Zeit bleibt, werden wir natürlich das Tanzbein schwingen.

Ist ein wenig Wehmut mit dabei, weil Sie quasi am Höhepunkt bei „Dancing Stars“ aufgehört haben?

Nein, absolut nicht. Wäre Wehmut dabei, würde ich wieder mitmachen. Die Anfrage vom ORF ist ja wieder gekommen. Ich habe schon bei der letzten Sendung gesagt, dass das für mich die letzte Staffel wird und was gibt es Schöneres, als mit einem Sieg abzuschließen? Das war wirklich die Krönung und hat für mich einfach vom Zeitpunkt her perfekt gepasst. Unsere Tanzschule in Wels ist mit mehr als 30 Mitarbeitern mittlerweile sehr intensiv geworden.

Hat es schon Gespräche gegeben, ob Sie auch 2020 wieder die Opernballeröffnung machen?

Nein, jetzt schauen wir, dass dieses Jahr gut funktioniert, dann sehen wir weiter.

Könnten Sie sich vorstellen, bald auch durchs Kinderzimmer zu tanzen?

Auch da würde ich sagen, schauen wir einmal, was die Zukunft bringt.

Interview: Melanie Wagenhofer