„Wir haben ein ungesundes Frauenbild im Kopf“

Adele Neuhauser spielt in der Komödie „Faltenfrei“ eine egozentrische Beauty-Ikone

Erfrischend anders: Adele Neuhauserals eitle Diva Stella Martin.
Erfrischend anders: Adele Neuhauserals eitle Diva Stella Martin. © ORF/BR

Man kennt sie als sympathische, raubeinige Ermittlerin Bibi Fellner im Österreich-„Tatort“. In der Komödie „Faltenfrei“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ORF 2) spielt sie „mit großem Genuss“ die Rolle einer egozentrischen, eitlen Diva, die mit Schönheitsratgebern große Erfolge feierte. Läuterung inklusive.

Adele Neuhauser (62) über Schönheit, Falten und warum sie von ihrer Enkelin Omama genannt werden will.

VOLKSBLATT: Wie hat es Ihnen gefallen, in die Rolle der selbstgefälligen und herrschsüchtigen Stella, die Schönheitsratgeber schreibt und Cremchen verkauft, zu schlüpfen?

ADELE NEUHAUSER: Ich habe mit großem Genuss Stella Martin verkörpert. Vor allem mochte ich die Szenen, wo Stella die Gedanken anderer hören kann und diese waren nicht immer schmeichelhaft für sie. Das hat besonders großen Spaß gemacht.

Schon junge Mädchen wollen sich heute etwas machen lassen. Spielt das Aussehen in der Gesellschaft eine zu große Rolle?

Wir Menschen haben immer schon großes Augenmerk auf unser äußerliches Erscheinungsbild gelegt, und die Sehnsucht nach ewiger Jugend war uns immer schon zu eigen. Der Film „Faltenfrei“ will auch daran auf humorvolle Weise Kritik üben.

Wie denken Sie über Frauen, die sich für Schönheit und „Jugend“ unters Messer legen?

Ich denke, jeder soll mit sich machen, was er oder sie möchte. Problematisch empfinde ich Eingriffe bei sehr jungen Menschen. Noch dazu, wenn sie sich zu sehr von Äußerlichkeiten leiten lassen und von solchen Menschen wie Stella Martin beeinflusst wurden.

Haben wir ein falsches Frauenbild?

Ich würde sagen, wir haben ein ungesundes und sehr enges Frauenbild. Eine Frau muss jung und schön sein, sonst ist sie uninteressant, für mich ist das ein äußerst eindimensionales und oberflächliches Kriterium. Zu diesem Bild tragen aber auch viele Medien bei. Jedes zweite Produkt versucht man mit leicht bekleideten Frauen zu verkaufen. In Filmen wird zum Beispiel eine Rechtsanwältin mit zwei Kindern von Schauspielerinnen dargestellt, die Anfang zwanzig sind. Da frag ich mich schon: Was soll der Blödsinn? Aber zum Glück arbeiten immer mehr Frauen an der Korrektur dieses seltsamen Bildes.

Sind wir alle zu oberflächlich?

Wir wurden dazu erzogen. Jetzt liegt es an uns, ein anderes Selbstverständnis und andere Werte zu leben.

Kann eine Komödie wie „Faltenfrei“ da helfen, etwas zu verändern?

Oh, ich denke schon! Das Lachen lässt uns tiefer unsinnige Umstände begreifen.

Wie würden sie Schönheit definieren? Würden Sie sich selbst als eitel bezeichnen?

Für mich fängt Schönheit bei der Seele an. Wenn mein Gegenüber eine liebevolle, kluge und humorvolle Seele besitzt, bin ich schon für diesen Menschen eingenommen. Und wenn dieser Mensch dann auch noch ein ansehnliches Äußeres hat, bin ich begeistert. Ich hab´ für mich gelernt, nicht zu eitel zu sein, weil Schönheit vergänglich ist und manchmal handelt es sich da sogar um Minuten. Manchmal sitzt die Frisur perfekt, dann gehst du ein paar Schritte vom Wagen zum Eingang in die Hofburg zum Beispiel, und ein Windstoß zerstört alles. Eitel sein ist anstrengend.

Was bedeuten Falten für Sie?

Sie sind der Spiegel meines Lebens. Ich mag sie.

„Ab einem gewissen Alter gehen die Wörter Happy und Birthday getrennte Wege“, sagt Stella. Wie gehen Sie selbst mit dem Thema Alter um?

Ich bin stolz auf mein Alter.

Sie haben — wie Stella im Film — eine Enkeltochter. Wie darf sie Sie rufen: Adele oder Oma?

Ich möchte Omama gerufen werden. Ich hatte mal ein wunderschönes Buch „Die Omama im Apfelbaum“ und diese Omama war so lustig und toll, so eine Omama möchte ich für meine Enkelin sein.

Man hört immer wieder, dass Schauspielerinnen mit zunehmendem Alter schwerer Rollen finden. Wie erleben Sie das?

Ich hatte Glück, zum richtigen Zeitpunkt, also mit Mitte 40, in der Serie „4 Frauen und ein Todesfall“ die wesentlich ältere Julie Zirbner zu spielen und so hat sich mein „Fach“ ganz organisch geändert. Aber es stimmt, für viele Kolleginnen ist es ein Problem, weil es definitiv weniger Rollen gibt. Aber das liegt eben auch an dem zuvor beschriebenen Zugang. Aber selbst in Amerika wünschen sich immer mehr Produzenten, dass sich Schauspielerinnen nicht mehr botoxen lassen, weil man ältere Gesichter braucht.

Wie sehen Sie die Entwicklungen in Sachen Corona?

Wir werden noch lange mit diesem Virus zu kämpfen haben. Aber wir werden lernen, damit zu leben.

Ihre nächsten Pläne?

Ich habe Auftritte mit meinem Sohn und der Band Edi Nulz. Darauf freue ich mich schon sehr, wenn uns Corona nicht einen Strich durch die Rechnungen macht.

Mit ADELE NEUHAUSER sprach Melanie Wagenhofer

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