„Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz“

Handelsstreit, Strafzölle und Klimaschutzziele zwingen voestalpine einen Sparkurs auf

voestalpine-Konzernchef Herbert Eibensteiner steht vor großen Herausforderungen.
voestalpine-Konzernchef Herbert Eibensteiner steht vor großen Herausforderungen. © APA/Helmut Fohringer

Der Handelsstreit und seine Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte bringen den oö. Stahlkonzern voestalpine gehörig ins Schwitzen.

Gleichzeitig erfordern die EU-Klimaschutzziele milliardenschwere Investitionen.

Kommt Kurzarbeit?

„Wenn es zu Auftragsausfällen oder Verschlechterungen kommt, würden wir als nächsten Schritt auf die Möglichkeit der Kurzarbeit in Österreich zurückgreifen“, erklärte Konzernchef Herbert Eibensteiner gestern, der jedoch betont: „Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz.“ Forciert würden derzeit die Reduktion von Überstunden, Urlaubsabbau, Einsparungen bei Personalleasingfirmen und „natürlich werden nicht alle freiwerdenden Stellen nachbesetzt“. Die voestalpine betreibt weltweit rund 500 Standorte mit mehr als 50.000 Beschäftigten, fast 23.000 davon in Österreich. Besonders stark betroffen von den US-Strafzöllen ist voestalpine Tubulars im steirischen Kindberg. Dort wird die Produktion seit vergangenen September gedrosselt.

125 der rund 1300 Mitarbeiter an dem Standort seien inzwischen anderswo im Konzern, bei Partnerfirmen oder in der Stahlstiftung untergekommen. In Deutschland und Holland weht bei der voestalpine bereits ein noch wesentlich schärferer Wind: Bei der deutschen Konzerntochter Buderus Edelstahl in Wetzlar etwa werden demnächst 325 der 1500 Jobs gestrichen. Auch der „Green Deal“ der EU setzt die voestalpine als größten Kohlendioxid-Emittenten Österreichs unter Druck.

Denn bis 2050 muss selbst die Schwerindustrie CO2-frei produzieren. Das erfordert eine grundlegende Technologieumstellung und hohe Investitionen, „die aber auch wirtschaftlich darstellbar sein müssen“, betonte der CEO. Derzeit ist der Konzern für rund die Hälfte der CO2-Emissionen der gesamten heimischen Industrie und somit für etwa zehn Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen im Land verantwortlich. Mindestens 1 Mrd. Euro würde es das Unternehmen kosten, drei der fünf Hochöfen in Österreich von klimaschädlicher Kohle auf Strom umzustellen.

„Das wird schon noch dauern“, räumte der voestalpine-Chef ein. Davor bräuchte der Stahlhersteller ein 220-kV-Netz, um die notwendige Energie dafür zur Verfügung gestellt zu bekommen. Das soll laut heimischem Übertragungsnetzbetreiber APG bis 2026 möglich sein. Frühestens ab 2030 könnte das „Hybrid-Stahlwerk“, mit dem der CO2-Ausstoß der Voest um ein Drittel (also um drei bis vier Mio. Tonnen pro Jahr) sinken würde, dann in Betrieb gehen. „Damit wir aber auch wirklich starten können, muss die Wettbewerbsfähigkeit gegeben sein. Und davon sind wir jetzt sehr weit weg.“

Wasserstoff als Zukunft?

Und was die fernere Zukunft betrifft: „Es gibt noch die Möglichkeit, Wasserstoff in unserem Prozess zu verwenden – das ist eine Geschichte, die nach 2035 vorstellbar ist“, so Eibensteiner. Ohne finanzielle Unterstützung der EU und Österreichs sei so ein Transformationsprozess aber „nicht machbar“.

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