Wir können schon mitfühlen

„Putzt euch, tanzt, lacht“: Karin Peschka las im Stifterhaus

Die aus Eferding stammende Autorin Karin Peschka
Die aus Eferding stammende Autorin Karin Peschka © APA/Fohringer

Frühe Dämmerung im Winter, Fanni und ihre Freundin Tippi auf einer Anhöhe am „Friedhof der ungeliebten Gefühle“. Welches Gefühl soll Fanni in der kleinen Schatztruhe (gekauft im 1-Euro-Shop) vergraben? Angst? Wut?

Naheliegend Panik, aber Tippi, die Ärztin, schweigt still. Fanni erkennt selbst: Trauer! Zehn Minuten schüttelt es sie in Tränen, die vollgeschneuzten Taschentücher am Boden eine hübsche kleine „Trauergemeinschaft“.

Herausragender Roman, ungeheuerliche Szenen

Nur eine von vielen ungeheuerlichen Szenen in Karin Peschkas herausragendem Roman „Putzt euch, tanzt, lacht“ (Otto Müller). Der in Eferding Aufgewachsenen bloß psychologisches Gespür zu attestieren, wäre eine grobe Untertreibung. Der Leser fühlt sich vielleicht auf angenehm bestürzende Weise ertappt. Die Ritzen im Alltag, das Gefühl des Ich-weiß-gerade-nicht-weiter. Wer hilft einem da raus?

Sie habe das Buch in einer Phase geschrieben, in der es ihr nicht so gut ging, erzählte Peschka am Dienstag im Linzer Stifterhaus. Turbulenzen im Freundeskreis, „ich brauchte etwas, das auch mich tröstet“. Die Ich-Erzählerin Fanni, 57, lässt Haus und Familie hinter sich und haut ab. Sie „putzt sich“. Riskiert ihre Sicherheiten, die ihr Unglück einkapselten. Wird in Wien von Tippi aufgelesen, beherbergt im Pongau in der Almhütte des Erbonkels andere Gestrandete.

Peschka, bereits mehrfach ausgezeichnet, lässt ihre Figuren wunderbar atmen! Nähert sich an, hört zu, lässt abschweifen, erzählen. Wie Marek, den Liebhaber von Hummeln mit Todesangst vor Gewittern, den der Klang von Sätzen Arthur Rimbauds beruhigt: Keine simple Mechanik, diese Menschenseelen.

Was tun in der Krise? Jene, die am meisten helfen, sagt Peschka, diktieren keine Lösungen. „Menschen, die schon einen Pulk an Lebenserfahrung haben, werden schon wissen, was ihnen gut tut.“ Doch sind soziales Empfinden und solidarisches Handeln möglich? Die Mächtigen der Welt transportieren schon länger ein gegenläufiges Menschenbild. „Ich schreibe nur über das, was ich auch kenne“, sagt Peschka. Tippi etwa eine Bündelung von Beobachtungen und Menschen, die ihr halfen. „Ich kenne diese Solidarität, und man muss daraus gar keine große Sache machen.“

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