Wirtschaft im Euroraum brach wegen Corona ein wie nie zuvor

Die Corona-Pandemie hat der Eurozone 2020 den heftigsten Konjunktureinbruch in ihrer Geschichte eingebrockt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte laut Schätzung des Europäischen Statistikamts Eurostat vom Dienstag um 6,8 Prozent und damit so stark wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1996. Damit fiel der Absturz noch tiefer aus als in der globalen Krise von 2009 mit damals rund minus 4,5 Prozent.

Die Eurozone zeigte sich im Corona-Krisenjahr 2020 zugleich anfälliger als die USA, deren BIP um 3,5 Prozent zurückging. Auch noch Ende des vorigen Jahres befand sich die Wirtschaft in dem 19 Staaten umfassenden Euroraum im Rückwärtsgang. In der gesamten EU ging das BIP laut Erstschätzung von Eurostat im ersten Coronajahr um 6,4 Prozent zurück.

Im vierten Quartal 2020 sank das BIP im Euroraum im Jahresabstand um 5,1 Prozent und in der EU um 4,8 Prozent – in Österreich betrug das Minus gegenüber dem vierten Quartal 2019 sogar überdurchschnittlich hohe 7,8 Prozent. Das war der zweitschlechteste Wert in der gesamten Eurozone, hinter Spanien mit einem Wirtschaftsrückgang von 9,1 Prozent. Selbst Italien schnitt mit einem BIP-Einbruch um 6,6 Prozent noch besser ab als Österreich und rangierte damit an dritter Stelle der Negativbilanz. Wesentlich besser kamen etwa Schweden mit einem Minus von 2,6 Prozent und Deutschland mit minus 3,9 Prozent davon.

Im Vergleich zum vorangegangenen Quartal verringerte sich das BIP im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2020 im Euroraum um 0,7 Prozent. Damit fiel das Minus jedoch nicht so kräftig aus wie von Experten erwartet, die einen Einbruch von 1,0 Prozent auf dem Zettel hatten. In der gesamt EU betrug der Rückgang 0,5 Prozent. „Damit hat der erneute Lockdown bisher offenbar weniger Schaden angerichtet als viele Ökonomen befürchtet hatten“, erklärte der DWS-Chefvolkswirt für Europa, Martin Moryson. Dabei zeige sich einmal mehr, dass Deutschland offenbar „ganz gut“ durch die Krise komme mit einem Plus von 0,1 Prozent im Schlussquartal.

Auch im Vergleich zum Vorquartal fällt Österreich im vierten Quartal 2020 mit einem extrem negativen Ergebnis auf – der Wirtschaftsrückgang betrug 4,3 Prozent, das mit Abstand schlechteste Ergebnis in der gesamten Eurozone. Am zweithärtesten, aber immer noch wesentlich weniger stark, hatte es Italiens Wirtschaft erwischt: Wegen des dortigen Lockdowns schrumpfte das BIP zwischen Oktober und Dezember gegenüber dem dritten Quartal 2020 um 2,0 Prozent.

YT
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Im Gesamtjahr brach die Konjunktur in der nach Deutschland und Frankreich drittgrößten Volkswirtschaft des Währungsraums um 8,8 Prozent ein und damit so stark wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte 2020 um fünf Prozent. Italien ist von der Viruspandemie besonders schwer getroffen worden und hat mit massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens auch die Wirtschaft gebremst. Hinzu kommt derzeit eine Regierungskrise.

Auch Frankreichs Wirtschaft legte Ende vorigen Jahres den Rückwärtsgang ein und schrumpfte im vierten Quartal um 1,3 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal. Einen Hoffnungsschimmer lieferte Spanien, dessen Wirtschaft von Oktober bis Dezember um 0,4 Prozent zulegte.

Obwohl die Wirtschaft der Eurozone insgesamt Ende 2020 nicht so stark einbrach wie befürchtet, fällt der Ausblick nach Einschätzung der deutschen KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib gedämpft aus: „Aufgrund der Intensität des Infektionsgeschehens und der Gefahr durch Mutationen werden Maßnahmen zum Gesundheitsschutz noch längere Zeit in Kraft bleiben. Deswegen dürfte das BIP in der Währungsunion im laufenden Quartal nochmals schrumpfen.“

Ab dem Frühjahr sei wieder mit einer Erholung zu rechnen, deren Ausmaß allerdings von der Impfkampagne abhänge. „Alle Ressourcen und Anstrengungen, die zu einer raschen Verbesserung des Impftempos führen, würden sich mehr als auszahlen“, führte Köhler-Geib aus. Auch der Präsident des deutschen Industrieverbands BDI, Siegfried Russwurm, mahnte, nach der Verständigung auf eine Impfstrategie müssten in Deutschland Bund und Länder ihren Worten jetzt Taten folgen lassen und den nationalen Impfplan rasch mit konkretem Inhalt füllen.

Dass die Wirtschaft im Euroraum Ende 2020 wieder ins Trudeln geriet, war insbesondere eine Folge der Lockdown-Maßnahmen im Kampf gegen die zweite Coronawelle. Im Sommer hatte sich die Wirtschaft erst kurzzeitig von den schweren Folgen der ersten Coronawelle erholt und war um 12,4 Prozent gewachsen. Im Frühjahr war das BIP um 11,7 Prozent geschrumpft und zu Jahresbeginn um 3,7 Prozent.

Wie ist Ihre Meinung?