Geothermie soll zum Leben erweckt werden

Erdwärme hat auch in Österreich ein großes Potenzial, sie muss aber erst wachgeküsst werden. Für Heizzwecke wird Geothermie bisher nur zu 1,6 Prozent genutzt, für die erneuerbare Stromerzeugung praktisch noch gar nicht. Speziell die tiefer in der Erde liegende Wärme ist noch zu 85 bis 90 Prozent ungenutzt. Dieses enorme Potenzial zur Versorgung mit Wärme und Kälte will Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) nun heben.

Vor allem im Wärmebereich birgt die Geothermie zahlreiche Vorteile: Sie ist saisonal speicherbar, kostengünstig, stabil und vor allem importunabhängig. Im Untergrund gespeicherte Wärme, die aus dem geologischen Aufbau der Erde resultiert, kann zum Heizen und Kühlen von Gebäuden oder Städten bis hin zur Gewinnung von elektrischer Energie eingesetzt werden. Österreichs Energiebedarf fürs Heizen und Kühlen macht über 50 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus.

„Wir müssen dieses weitgehend ungenutzte Potenzial künftig viel stärker nützen“, so Gewessler. Denn mit der Kraft der Erdwärme könne die Energiewende vorangebracht und gestärkt werden – für eine Wärmeversorgung, die sauber, sicher und unabhängig von fossilen Importen, allem voran russischem Öl und Gas, sei, so die Ministerin. Das Geothermie-Förderangebot setze genau hier an und biete Privatpersonen und Betrieben Planungssicherheit für entsprechende Investitionen.

Geothermie könne große Teile des Energiebedarfs abdecken, besonders in der Fern- und Prozesswärme, bei dezentralen Niedertemperatur-Wärme- und -Kältenetzen, bei individueller Gebäudeklimatisierung in Kombination mit Wärmepumpen, bei der Kühlung, bei saisonaler Wärmespeicherung in Verbindung mit der Nutzung von Abwärme und bei der Gewinnung elektrischer Energie kombiniert mit Fernwärme und Prozesswärme

Die Nutzung der Geothermie habe zudem den Vorteil, preisstabil und ausfallsicher zu sein. Sie sei eine vor Ort verfügbare Energiequelle, platzarm und erzeuge emissionsfreie Energie. Geothermie sei in Österreich bereits ausgereift und voll marktfähig und habe ein großes Ausbaupotenzial.

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Seit kurzem liegt zur Erdwärme ein forschungs-, technologie- und innovationspolitischer Fahrplan vor – diese Roadmap ist als Teil einer größer Wärme-Strategie gedacht, die noch ausständig ist. Die FTI-Roadmap adressiert auch nicht-technologische Hürden für einen Geothermie-Ausbau, wie er für nötig erachtet wird. Damit Erdwärme mit anderen erneuerbaren Technologien konkurrenzfähig wird, müssen die Kosten für Bohrungen und Bohrtechnologien gesenkt und die Entwicklungszeiträume um 30 bis 50 Prozent verkürzt werden, heißt es in der Roadmap.

Zur oberflächennahen Erdwärme gibt es in Österreich etwa 90.000 installierte Wärmepumpen für Niedertemperatur-Anwendungen. Damit besteht eine installierte geothermische Kapazität von 1.100 Megawatt (MW), die rund 2.300 Gigawattstunden (GWh) Wärme produziert. Der Anteil der Wärmepumpen am erneuerbaren Wärmemarkt ist mit 4 Prozent zwar noch gering, soll in den nächsten Jahren jedoch weiter steigen.

In Österreich sind zwei Anlagen zur Verstromung in Betrieb, die mit 0,5 MW installierter Leistung rund 1 GWh Strom erzeugen. Zudem gibt es zehn Anlagen mit 100 MW, die rund 300 GWh Wärme produzieren. Die Gewinnung elektrischer Energie ist ab einer Temperatur von circa 90 Grad Celsius mit Hilfe binärer Verstromungsprozesse möglich. Eine direkte Verstromung von Thermalwässern mittels Dampfturbine kann ab Temperaturen über 150 Grad stattfinden. 30 Thermalbäder im Land könnten künftig zur Wärme/Kälteerzeugung genutzt werden, heißt es. Die höchsten Temperaturen der derzeit in Österreich genutzten Thermalquellen liegen geologisch bedingt bei maximal 130 Grad.

( S E R V I C E – Die FTI-Roadmap zur Geothermie ist abrufbar unter )

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