Industrie hat Rückenwind aber auch belastete Aussichten

Der nunmehr beendete neueste Lockdown hat die Industrie nicht beeindruckt. Nachlassende Lieferprobleme haben zum Jahresende sogar für etwas Rückenwind gesorgt, berichtete die UniCredit Bank Austria in ihrem neuesten Einkaufsmanagerindex am Mittwoch. Die Aussichten für die nächsten Monate sind allerdings weiter durch globale Lieferprobleme belastet. Diese könnten sich durch Maßnahmen-Verschärfungen gegen die Ausbreitung der Omikron-Variante vorübergehend noch verschärfen.

Die Material- und Transportprobleme werden im neuen Jahr also die große Herausforderung für die Industrie bleiben. Denn eine dauerhafte Entspannung der weltweiten Lieferengpässe ist erst im späteren Jahresverlauf zu erwarten, berichteten die Bank Austria-Ökonomen. „Insbesondere die steigenden Kosten bereiten der heimischen Industrie große Sorgen und dämpfen den Optimismus mittlerweile spürbar“, so Chefökonom Stefan Bruckbauer. „Der Erwartungsindex für die Geschäftsaussichten auf Jahressicht schwächte sich im Dezember den vierten Monat in Folge ab und lag mit nur noch 56,6 Punkten auf einem 16-Monatstief.“ Erstmals seit August 2020 lagen die Erwartungen der heimischen Industrie auch unter dem langjährigen Durchschnittswert.

Zuletzt hat die Erholung der Austro-Industrie aber doch wieder etwas an Kraft gewonnen. „Nach dem spürbaren Rückgang im Vormonat hat im Dezember der UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex wieder etwas zugelegt und liegt mit aktuell 58,7 Punkten solide über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten“, sagt Bruckbauer.

Damit hat sich die heimische Industrie weiterhin positiv von der Entwicklung im Euroraum abgehoben. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die verarbeitende Industrie im Euroraum sank im Dezember leicht auf 58,0 Punkte. Trotz eines moderaten Anstiegs des deutschen Indikators, belastet unter anderem von einem klaren Rückgang in Frankreich.

Fast über das gesamte Jahr 2021 überstieg der österreichische Einkaufsmanagerindex den europäischen Vergleichswert und wies damit stets auf ein – zum Teil sogar deutlich – höheres Erholungstempo hin. „Aufgrund der bisher vorliegenden Konjunkturdaten sowie der aktuellen Einkaufsmanagerindizes schätzen wir den Anstieg der Industrieproduktion in Österreich im Jahresdurchschnitt 2021 auf 9,5 Prozent. Damit war das Industriewachstum in Österreich um rund einen Prozentpunkt höher als im Euroraum“, so Bruckbauer. Während die Industrieproduktion im Euroraum noch knapp unter dem Vorkrisenniveau von 2019 liegt, hat die österreichische Sachgüterindustrie das Vorkrisenniveau mittlerweile bereits um fast 2 Prozentpunkte übertroffen.

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Die Beschäftigung in der Industrie ist durch das Produktionswachstum überdurchschnittlich stark gewachsen. Im Verlauf des Jahres 2021 hat die Beschäftigung in der Sachgüterindustrie in Österreich um rund 10.000 Personen saisonbereinigt zugenommen, lag mit knapp über 628.000 zum Jahresende jedoch noch geringfügig unter dem Vorkrisenstand. Im gleichen Zeitraum reduzierte sich die Anzahl der Arbeitssuchenden saisonbereinigt um rund 8.000 auf etwa 22.000 Personen und unterschreitet damit bereits knapp den Stand vor Ausbruch der Pandemie. Der Beschäftigtenindex hat sich im Dezember aber den zweiten Monat in Folge abgeschwächt und erreichte mit 59,7 Punkte nur noch den niedrigsten Wert seit April.

„Zum Jahresende 2021 hat die saisonbereinigte Arbeitslosenquote in der heimischen Sachgüterindustrie nur noch 3,4 Prozent betragen“, so Bank Austria-Ökonom Walter Pudschedl. „Damit war die Arbeitslosenquote, die während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 auf fast 6 Prozent gestiegen war, bereits niedriger als vor Ausbruch der Pandemie.“ Der Rückgang werde sich nun in geringerem Tempo fortsetzen. Es seien derzeit um fast 70 Prozent mehr offene Stellen ausgeschrieben als vor Beginn der COVID-Pandemie.

„Nachdem im Jahresdurchschnitt 2021 aufgrund der höheren Werte zu Jahresbeginn die durchschnittliche Arbeitslosenquote noch 4,0 Prozent betrug, sollte im kommenden Jahr der Tiefststand aus 2019 von 3,7 Prozent unterschritten werden“, so Pudschedl. „Das bestimmende Problem wird 2022 jedoch die Enge am Arbeitsmarkt werden, denn die Vakanzquote ist mit derzeit 2 Prozent doppelt so hoch wie vor drei Jahren.“

Auf eine offene Stelle kommen in der heimischen Industrie durchschnittlich nur noch 1,7 freie Bewerber. Der Facharbeitermangel ist vor allem in Oberösterreich und in Salzburg besonders gravierend.

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