Jobabbau bei Pierer Mobility trifft KTM-Standort Mattighofen

KTM-Motohall am Standort Mattighofen-Munderfing © APA/BARBARA GINDL

Der Pierer Mobility angekündigte Stellenabbau von bis zu 300 Personen im kommenden Jahr wird praktisch zur Gänze den KTM-Standort in Mattighofen-Munderfing treffen. Grund sind Verlagerungen nach Indien und China, wo die oberösterreichische Firma Partnerschaften unterhält. Der Abbau soll vor allem über natürliche Fluktuation und eine Absenkung der Zahl der geleasten Mitarbeiter erfolgen, erläuterte Pierer-Mobility-Finanzvorstand Viktor Sigl am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

Die Zahl der Leiharbeiter solle von 350 auf 250 sinken. Weitere 150 bis 200 Stellen sollen über die natürliche Fluktuation wegfallen. Von „aktiven Maßnahmen“, also einer Kündigung werde, wenn überhaupt „nur eine ganz geringe Anzahl“ an Mitarbeitern betroffen sein, sagte der Manager.

Sigl hob hervor, dass die Mitarbeiterzahl am Standort Mattighofen seit 2011 mehr als verdreifacht wurde – von rund 1.700 auf zuletzt 5.200 Mitarbeiter. „Wir haben auch im vergangenen Jahr 800 Mitarbeiter aufgebaut“, so Sigl.

Auf die Frage, ob die Absenkung der Mitarbeiterzahl um 300 kommendes Jahr alles sei, oder womöglich doch ein größerer Stellenabbau drohe, sagte der Finanzvorstand: „Aus heutiger Sicht sollte das fürs kommende Jahr alles sein.“

„Verlagert wird die preissensible Mittelklasse an Motorrädern mit einem Hubraum von 700 bis 900 Kubikzentimeter um unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig abzusichern“, sagte Sigl. Dafür gebe es zwei Hauptgründe: „Die Zuliefersituation ist deutlich billiger als bei uns und das bei einem deutlich niedrigeren Lohn- und Gehaltsniveau als in Europa.“ Der Anteil der Zulieferkosten wiederum sei wesentlicher Anteil der Kostenstruktur der Pierer Mobility und damit KTM. Das treffe die Vorlieferanten, denn irgendwo müsse produziert werden: „Und was China betrifft hat es dort gerade für die Mittelklasse bessere Rahmenbedingungen als in Europa.“

In Europa seien aber immerhin die Zulieferrahmenbedingungen im „sportiven und performanten Offroad-Bereich“ besser, so Sigl. „Letztendlich muss man sich ständig die Frage stellen, wo kann man so produzieren, dass man wettbewerbsfähige Preise im Markt unterbringt. Am Ende des Tages ist es der Kunde, der entscheidet. Er erwartet sich einen passenden Preis.“ Auf Nachfrage schätzte Sigl, dass ein gänzlich in Europa gebautes Mittelklassemotorrad um ein Drittel teurer wäre als wenn man auch in China produziere.

Auf die gesamtwirtschaftlichen Erfahrungen mit den Lieferkettenverwerfungen in und nach der Corona-Pandemie im Zusammenhang mit der neusten strategischen Entscheidung der Verlagerung von Pierer Mobility angesprochen, sagte Sigl: „Hätten wir in Europa die Preise zu zahlen, die es braucht, um in Europa zu produzieren, dann würden wir diesen Schritt nicht setzen.“

Pierer-Betriebsrat Fritz Lackerbauer reagierte „eher gelassen“ auf den Personalabbau, schreibt der „Kurier“. Der Konzern beschäftige insgesamt 6.000 Mitarbeiter, „es geht uns überhaupt nicht schlecht“. Die jetzigen Maßnahmen hätten sich schon länger angekündigt und nichts mit dem aktuellen KV-Abschluss in der Metaller-Branche zu tun. Vielmehr sei zuletzt vor allem der E-Bike-Absatz stark zurückgegangen, weshalb es Umstrukturierungen gebe. Auch habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv Personal aufgestockt.

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