Katzian: Handelsangestellte wie „nassen Fetzen“ behandelt

Der ÖGB-Chef ist empört und findet deutliche Worte © APA/TOBIAS STEINMAURER

Nachdem es gestern auch in der vierten Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag 2024 der 430.000 Handelsangestellten keine Einigung gab, fand heute ÖGB-Chef Wolfgang Katzian deutlich Worte. In der Corona-Krise seien die Beschäftigten noch als systemrelevant beklatscht worden. „Und jetzt behandelt man sie wie einen nassen Fetzen und gibt ihnen in Wirklichkeit nicht einmal ansatzweise die rollierende Inflation. Wie soll sich das denn ausgehen“, so der Gewerkschaftspräsident.

Die durch die Bundesregierung mitverursachte hohe Inflation müsse nun durch entsprechende Lohnabschlüsse ausgeglichen werden, „sonst sinkt die Kaufkraft dramatisch“, betonte Katzian am Mittwoch im „Ö1-Morgenjournal“. Er verwies auf die „sehr guten“ Abschlüsse zuletzt in der Brauindustrie, bei den Bäckern und der Sozialwirtschaft, wo die zurückliegende Jahresinflation ausgeglichen wurde. Dass dies bei den Metallern und im Handel nicht gehen solle, sei unverständlich. „Dass die angefressen sind und in den Konflikt gehen ist vollkommen klar“, erklärte Katzian.

Die Haltung der Arbeitgeber in Handel und Metallindustrie sei eine Belastung für die Sozialpartnerschaft. Betriebsräte und Gewerkschafter würden teilweise unter Druck gesetzt und bedroht. Hier habe er eine klare Botschaft: „Ein Betriebsrat ist keine Einzelperson, er ist Teil einer Bewegung. Wer sich mit Einzelnen anlegt, legt sich mit uns allen an“, gab sich der oberste Gewerkschafter des Landes kämpferisch. „Unser Job ist es auf die Menschen zu schauen“, meinte Katzian und stellte klar: „Wenn jetzt die Inflation zurück geht wird nichts billiger.“

WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf warf heute den Gewerkschaften vor, anstatt zu deeskalieren auf weitere Scharfmacherei zu setzen. „Das ist angesichts der Situation der Betriebe, die teilweise mit dem Rücken an der Wand stehen, verheerend. Die dazu in den letzten Tagen und Wochen getroffene Wortwahl ist inakzeptabel, unangebracht und wird seitens der Wirtschaft entschieden zurückgewiesen“, meinte er.

Für den Handel haben die Gewerkschaften Warnstreiks angekündigt, in der Metallindustrie wurde bereits tageweise gestreikt. Der Fachverband der Metalltechnischen Industrie mit seinen rund 135.000 Beschäftigten verhandelt morgen in der achten Runde den Kollektivvertrag 2024 (gültig ab November 2023). In die KV-Verhandlungen starten heute die Fahrradbotinnen und Fahrradboten. Die Gewerkschaft vida fordert neben rahmenrechtlichen Verbesserungen im KV eine Erhöhung der Mindestlöhne auf 2.000 Euro brutto im Monat.

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Zuletzt abgeschlossen haben die Brauer (plus 8,1 Prozent und eine Einmalzahlung von 36 Euro) und die Bäckereien (plus 9,7 Prozent) sowie die Sozialberufe (plus 9,2 Prozent). Über eine Lohnerhöhung haben sich auch die Molkereien und Käsereien (9,15 Prozent), die Textilreiniger, Wäscher, Färber (9 Prozent), die Orthopädieschuhmacher (9 Prozent), und die Forstarbeiter (8,8 Prozent) geeinigt.

Bei den Metallern liegt der Letztvorschlag der Arbeitgeber bei plus sechs Prozent und einer Einmalzahlung von 1.200 Euro. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA fordern ein Plus von 10,6 Prozent. Einmalzahlungen lehnen sie ab, weil diese bei der nächstjährigen Lohnerhöhung nicht berücksichtigt würden. Die Dienstag voriger Woche gestarteten Streiks in der Metallindustrie enden heute, unter anderem findet eine Kundgebung samt Demo beim Kranhersteller Palfinger in Lengau (Oberösterreich) statt.

Einen neuen Vorschlag für die Herbstlohnrunde hat die Grüne Wirtschaft vorgebracht: Eine temporäre Senkung der Dienstgeber-Beiträge für die Sozialversicherung, wobei der Ausfall durch öffentliche Mittel bedeckt werden müsste. Zuständig dafür sei das Wirtschaftsministerium. „Eine grobe Überschlagsrechnung ergibt ca. drei Mrd. Euro für das ganze Jahr“, so die Grüne Wirtschaft zur APA.

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