Nationalbank drängt auf strengere Wohnkreditvergabe

Banken sollen möglichst bald strenger bei Wohnbaukrediten werden © APA/dpa/Jörg Carstensen

Die Lage am heimischen Wohnimmobilien-Kreditmarkt beschäftigt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) nach wie vor intensiv. Sie sieht „Anzeichen für eine starke Überhitzung“ und spricht sich zur Wahrung der Stabilität an den Finanzmärkten daher dafür aus, die bereits angekündigten, strengeren Regeln für die Wohnkreditvergabe für Banken „frühestmöglich“ verbindlich zu machen. Für Vize-Gouverneur Gottfried Haber wäre eine Umsetzung noch im Sommer denkbar.

„Es gibt einen aktuellen Verordnungsentwurf von der Finanzmarktaufsichtsbehörde und es ist davon auszugehen, dass der legistische Prozess dahinter in der Endrunde ist“, sagte Haber am Mittwoch bei der Präsentation des Finanzmarktstabilitätsreports. Als Zeithorizont sei vom Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) ein Inkrafttreten im Sommer vorgeschlagen worden. Dementsprechend könne es im Juli oder August so weit sein.

Die Nationalbank beobachtet die starke Dynamik am Immobilienmarkt schon seit längerem – sowohl die Preise für Immobilien als auch die Zahl der Wohnkredite an heimische Haushalte legten in den vergangenen Jahren deutlich zu. Auch in anderen Bereichen – bei Unternehmenskrediten oder anderen Haushaltskrediten – zog die Kreditvergabe seit 2017 klar an.

Ein Kreditwachstum sei zwar prinzipiell wünschenswert, so Haber, wenn aber das Kreditwachstum im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum stark übersteigt, dann berge das die Gefahr erhöhter Kreditausfälle. Verbindliche strengere Kriterien für die Neuvergabe von Krediten wären laut OeNB folglich sinnvoll und notwendig.

Denn obwohl der Anteil an variabel verzinsten Wohnbaukrediten seit der Spitze im Jahr 2014 mit über 80 Prozent zwar deutlich zurückgegangen, sei aber immer noch zu hoch, sagte Hauptabteilungsdirektorin Birgit Niessner. „Die Haushalte haben damit ein erhebliches Zinsänderungsrisiko“, so Niessner. Man müsse klar von einer „starken Überhitzung“ des Marktes sprechen, von einem Szenario wie bei der US-amerikanischen Subprime-Krise aus dem Jahr 2007 sei man in Österreich aber noch sehr weit weg.

Zudem kämen abschwächende Faktoren hinzu wie der starke Mietmarkt, die eher geringe Zinslast sowie die Tatsache, dass eher Haushalte mit höheren Einkommen Wohnkredite aufnehmen und diese auch oft über Kapitalpuffer verfügen. „Aber wir müssen auf diese Entwicklung hinweisen, weil sie ganz klar in die falsche Richtung geht“, so Niessner. Daher sei es wichtig, „gegenzusteuern, bevor es zu spät ist“.

Die „Sicherung der nachhaltigen Kreditvergabestandards“ lautet daher eine der obersten Empfehlungen der OeNB an die Finanzinstitute. Damit soll auch ein nachhaltiges Kreditwachstum gewährleistet sein. Durch die strengeren Vergabekriterien im Bereich der Wohnkredite sei jedoch mit einem leicht dämpfenden Effekt auf die Kreditvergabe zu rechnen, so der Vize-Gourverneur. Die Kriterien des FMSG sehen eine maximale Beleihungsquote von 90 Prozent, eine Schuldendienstquote von höchstens 40 Prozent und eine Laufzeitbeschränkung von 35 Jahren vor. Zudem soll es ein Ausnahmenkontingent von 20 Prozent geben.

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