Objekt der Begierde: Ober- und unterhalb der Motorhaube

BMW setzt auf Technologieoffenheit bei den Antrieben – was auch bei einem Besuch der V8-Manufaktur in Steyr offenkundig wird

Donnerstag. 7.30 Uhr. Es regnet leicht. Noch ist es düster, jetzt im Februar, aber nicht wirklich kalt. Das Auto steht auf dem Besucherparkplatz und bei Tor 1 sind die Eintrittsformalitäten rasch erledigt. Dann passiere ich das Drehkreuz und befinde mich – selbstverständlich in Begleitung von BMW-Mitarbeitern aus der PR-Abteilung – auf dem Werksgelände von BMW in Steyr. Das Ziel ist nicht weit entfernt; die V8-Manufaktur.

Das blaue Rolltor

Der Weg führt kurz im Freien in eine große Fertigungshalle. In dieser erwarten uns gleich beim Eingang bei einer Informationsinsel, bei der auf einem Bildschirm Zahlen und Fakten über das Werk sowie Schau-Motoren zu sehen sind, Carola Wladar, Lukas Kaltenberger und Niklas Berberich.

Wladar ist für die Qualifizierung der Mitarbeiter der V8-Manufaktur verantwortlich, Kaltenberger ist der Meister an der V8-Fertigung und Berberich der Baureihenleiter. Nun geht es in der Halle vorbei an der weitgehend automatisierten Motorenfertigung nochmals rund hundert Meter. Berberich legt seine Mitarbeiterkarte an einen Scanner und voilà, das blaue Rolltor geht auf.

Dahinter ein fast andere Welt. In der 2250 Quadratmeter großen Halle sieht man deutlich mehr Menschen, aus dem Radio rieselt sanft Popmusik und die gesamte Atmosphäre des Raums wirkt fast schon heimelig und nicht unbedingt fabrikmäßig.

Doch was ist das, die V8-Manufaktur? Nun, im Zuge der Technologieoffenheit bei den Antriebsarten investierte BMW 21 Millionen Euro in die 2250 Quadratmeter große sogenannte V8-Manufaktur. Dort fertigen aktuell rund 45 Mitarbeiter im Zwei-Schicht-Betrieb 625 PS starke, Verbrennungsmotoren mit acht Zylindern und 4,4 Litern Hubraum größtenteils in Handarbeit. Diese High-Performance Motoren aus Steyr treiben die M-Modelle der 8er-Serie an.

Ein Motor nimmt dabei acht Stunden Arbeitszeit in Anspruch. „Das Besondere am V8 ist nicht nur die Leistungsstärke dieses prestigeträchtigen Motors, sondern auch wie er hergestellt wird. Wir montieren die über 500 Einzelteile des hochkomplexen Antriebs im Stil einer Manufaktur. Das bedeutet, dass die Produktion aus viel Handarbeit unserer erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besteht“, erklärt Berberich.

Ein besonderes Augenmerk liege dabei auf den extrem hohen Qualitätsanforderungen. Die Mitarbeiter werden im Montagebetrieb durch Kamerasysteme und positionsüberwachte Schraubsysteme unterstützt. „Das Know-how unseres Standortes ermöglicht es, dass diese Prozesse wie in einem Uhrwerk ineinander greifen“, sagt Berberich.

Kein Platz für Fehler

Und in der Tat: Jeder Handgriff sitzt. Die Arbeit geht konzentriert, ruhig, aber in dennoch entspannter Atmosphäre vonstatten. Die benötigten Teile für die jeweilige Station – insgesamt sind es 14 – liegen passgenau parat. „Die Mitarbeiter an den Stationen arbeiten tabletunterstützt“, erklären Wladar und Kaltenberger, „auch, damit Fehler absolut ausgeschlossen werden können.“ Die Kollegialität in der Halle ist überall spürbar, die Mitarbeiter wirken sichtlich stolz auf das, was sie tun.

Für Klaus von Moltke, der die Gesamtverantwortung für das rund 4.500 Mitarbeiter zählende Werk trägt, ist die Manufaktur ein Vorzeigeprojekt: „Unsere V8-Manufaktur ist das flexibelste Band, welches wir derzeit im Werk haben.

Das passt auch sehr gut zu unserem technologieoffenen Produktionsansatz. Perspektivisch könnten auf dieser Fläche auch andere Antriebe in kleiner Serie hergestellt werden – und zwar egal ob klassische Verbrennungsmotoren, E-Antriebe oder zusätzliche alternative Antriebsformen.“ Der Hochlauf der Produktion von V8-Motoren ist laut Klaus von Moltke vollständig im Plan.

„Momentan sehen wir sogar eine etwas höhere Nachfrage als ursprünglich angenommen. Es ist auch wirklich erfreulich, zu sehen, mit welcher Leidenschaft unsere Beschäftigten hier arbeiten“, so der Werksleiter.

„Wir sind so etwas wie eine V8-Familie geworden“, schildert auch Kaltenberger, der sich – wie auf Kommando – am Ende der Tour ausklinkt, um bei einem Dienstjubiläum eines Mitarbeiters persönlich gratulieren zu können.

Von Oliver Koch

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