Trotz Hoffnung auf gute Ernte ziehen dunkle Wolken über den heimischen Gemüsebauern auf

LKOÖ_GEO_OÖ-0401.jpg

Selbst wenn der Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, Franz Waldenberger, von einer „positiven Ernteerwartung“ spricht, ist — zumindest was ihren Gemütszustand betrifft — bei den oberösterreichischen Gemüsebauern der Wurm drin.

Und das wiederum hat vor allem mit zwei Aspekten zu tun: Zum einen nämlich können die Gemüsebauern anderswo sehr wohl zugelassene Pflanzenschutzmittel aufgrund strengerer Bestimmungen in Österreich nicht verwenden — was nun etwa dem Bierrettich den Garaus gemacht hat. Und zum anderen sitzen sie in einer doppelten Kostenfalle.

Lesen Sie auch

Die 179 oö. Gemüsebauern — sie produzieren auf knapp 2000 Hektar Anbaufläche 70.000 Tonnen Gemüse, und das in rund 80 Sorten — sehen sich bei der Entlohnung der Erntehelfer gegenüber anderen EU-Ländern, aber auch dem EU-Ausland gravierend im Nachteil. Das wiederum sei ein Preisnachteil im Supermarktregal. Laut jüngster Umfrage achten nämlich schon mehr als 60 Prozent der Konsumenten auf den Preis, weniger als 40 aber auf Qualität.

Ewald Mayr, Obmann der Gemüse-, Erdäpfel und Obstbauern in Oberösterreich, findet eine Analogie zum Fußball: „Oberösterreich muss mit acht Feldspielern bergauf gegen den Wind spielen“, beschreibt er die ökonomische Herausforderung.

Stichwort Pflanzenschutz: Der Rettich-Anbau wurde aufgegeben, weil das Unkrautbekämpfungsmittel Butisan in Österreich gar nicht mehr angewendet werden darf, während dies in Deutschland mit einer einzelbetrieblichen Genehmigung (und bei Einhalten der neuen Grenzwerte) sehr wohl möglich sei, erläutert Mayr. Ein ähnliches Schicksal droht dem Kohlgemüse und den Salatgewächsen, wenn der Bund als zuständiger Gesetzgeber in den nächsten zwei Jahren keine Schritte setzt. Es müsse „klarer werden, was man zulässt“, deponiert Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger in Richtung Bund und EU.

Jedoch, so ärgert sich Klaus Hraby, Geschäftsführer des Verarbeiters efko: „Die Themen Pflanzenschutz und Lohnkosten besprechen wir seit drei Jahren“.

Also Stichwort Lohnkosten: Hier beklagen die Gemüsebauern und ihre Vertreter bei den Erntehelfern „die Sozialversicherungspflicht ab der ersten Stunde“. Das habe zur Folge, dass man im Vergleich zu Deutschland um rund vier Euro brutto mehr zahlen müsse, der Erntehelfer aber trotzdem netto um vier Euro weniger bekomme als die Kollegen in Deutschland. Denn dort gilt das lohnnebenkostenfreie „70-Tage-Modell“.

Was Hraby wurmt: „Wenn wir die Lohnnebenkosten thematisieren, wird uns Sozialabbau in die Schuhe geschoben“. Was er will, ist „Chancengleichheit“ — nicht nur bei den Lohnkosten und beim Pflanzenschutz, sondern auch bei der Produktdeklarierung. Der „wertbestimmende Rohstoff müsste angeführt werden, damit der Konsument die Möglichkeit hat, zu vergleichen“, denn: Die Eigenmarken im Lebensmittelhandel seien „schandhaft billig“.

Und so macht Hraby — dessen efko Österreichs größter Sauergemüseproduzent ist, der 2023 rund 185 Mio. Euro umsetzte und pro Jahr knapp 85.300 Tonnen Gemüse verarbeitet — aus seinem Herzen auch keine Mördergrube: „Wir brauchen zum Teil protektionistische Maßnahmen“, sagt er mit Blickwinkel auf Billigrohstoffe etwa aus der Türkei.

Denn, wie es Mayr formuliert: „Mit jedem Produkt, das weg fällt, fallen auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze weg“.

Die für heuer erwarteten 70.000 Tonnen Erntemenge jedenfalls bedeuten einen Gesamtproduktionswert von 33 Millionen Euro. Von der Ernte sind 80 Prozent Frischgemüse und 20 Prozent Sauergemüse, die Hälfte des oberösterreichischen Gemüseanbaus befindet sich im Bezirk Eferding.

Von Markus Ebert

Das könnte Sie auch interessieren