WKÖ-Generalsekretär Kopf wegen Fachkräftemangels alarmiert

Kopf warnt vor einer Verschlechterung am Arbeitsmarkt © APA/ROLAND SCHLAGER

WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf rechnet mit einer weiteren Zuspitzung des Fachkräftemangels in Österreich und appelliert an die Politik, weitere Maßnahmen zu dessen Bekämpfung zu setzen. Aktuell seien de facto 200.000 Stellen nicht besetzbar – ein Zustand, der sich aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahren verschärfen dürfte, wie Kopf vor Journalistinnen und Journalisten warnte. Gefordert seien etwa Maßnahmen bei den Pensionen oder der Zuwanderung.

Kopf erwartet, dass die Lücke an nicht besetzbaren Stellen demografiebedingt bis 2040 auf mehr als 500.000 aufgehen wird. Dazu komme der Trend hin zu kürzeren Arbeitszeiten, der die Lage für die Unternehmen noch schwieriger mache. So sei in der jüngeren Vergangenheit die Zahl der Beschäftigten zwar gestiegen, die pro Person geleisteten Arbeitsstunden würden aber immer noch unter dem Niveau von 2019 liegen. Die negativen Auswirkungen des Fachkräftemangels: Für Unternehmen blieben Geschäftspotenziale ungenützt, für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steige die Arbeitsbelastung, so Kopf.

Der ÖVP-Nationalratspolitiker begrüßte jüngste Anstrengungen der Regierung, Potenziale bei älteren Personen zu fördern. Mit der Erhöhung des Pensionsbonus – also der von Beitragsjahren abhängige Zuschlag zur Pension – seien etwa Anreize geschaffen worden, den Pensionsantritt aufzuschieben. Um eine noch stärkere Wirkung zu erzielen, werde es jedoch einen „zweiten größeren Wurf brauchen“. Ihm schwebe vor, die Sozialversicherungsbeiträge mit Ausnahme der Unfallversicherung gänzlich entfallen zu lassen, wenn jemand neben der Pension weiter einer Arbeit nachgehe.

Zusätzlicher Maßnahmen bedarf es laut Kopf im Bereich der qualifizierten Zuwanderung aus Drittstaaten. Die Anwerbung von Arbeitskräften funktioniere zwar punktuell gut. Um dem enormen Bedarf an Fachkräften gerecht zu werden, brauche es aber ein „strategisches Konzept“ zur gezielten Rekrutierung und den Abbau bürokratischer Schranken bei der Rot-Weiß-Rot-Karte. Er verwies auf das Beispiel Philippinen, wo diese gezielte Anwerbung zuletzt mit einem entsprechendem Abkommen besiegelt wurde. In Arbeit befinde sich derzeit ein ähnliches Übereinkommen mit Brasilien. Geht es nach Kopf, sollte auch die Bleibemöglichkeit für Ukrainerinnen und Ukrainer verlängert werden, um diese besser in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Möglichkeiten ortet der Wirtschaftskammer-Generalsekretär zudem bei der Beschäftigung von Frauen, die im Vergleich zu Männern eine sehr hohe Teilzeitquote aufweisen. Hier gelte es, die Kinderbetreuungsmöglichkeiten auszubauen, wobei die Regierung im Rahmen des jüngsten Finanzausgleichs dafür schon Mittel bereitgestellt habe. Ansatzpunkte zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sieht Kopf ferner bei der überregionalen Vermittlung sowie in möglichst arbeitsnaher Qualifizierung von Arbeitslosen.

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