Wirtschafts-Landesrat Achleitner: „Wir werden sicher gestärkt aus der Krise hervorgehen“

Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner sieht Oberösterreich für die Zeit nach der Krise gut gerüstet, wie er im Interview sagt

„Beim Oberösterreich-Plan ist jeder eingeladen, Ideen zu liefern. Mit Experten und Stakeholdern soll dieser bis Herbst fertiggestellt und im Landtag im Dezember beschlossen werden“, so Achleitner.
„Beim Oberösterreich-Plan ist jeder eingeladen, Ideen zu liefern. Mit Experten und Stakeholdern soll dieser bis Herbst fertiggestellt und im Landtag im Dezember beschlossen werden“, so Achleitner. © Land OÖ/Stinglmayr

Über die Corona-Krise mit Ablaufdatum, Maßnahmen von Bund und Land zur Stärkung der Wirtschaft, Lehren aus der Krise, aber auch wo der Tourismus-Landesrat urlaubt, sprach Markus Achleitner im Sommerinterview.

VOLKSBLATT: Eine Lehre aus der Corona-Krise ist wohl, dass das Home-Office salonfähig wurde.

MARKUS ACHLEITNER: Definitiv. Home-Office ist gekommen, um zu bleiben. Corona hat einen unglaublichen Digitalisierungsschub im Bewusstsein der Menschen gebracht. Jeder hat gemerkt, dass es oftmals übers Internet die einzige Möglichkeit war, zu arbeiten oder Geschäfte zu machen. Daher haben wir auch unser Förderprogramm in dem Bereich verdoppelt und innerhalb von zwei Monaten so viele Förderanträge bekommen, wie in den zwei Jahren zuvor.

Das heißt, hier wird es noch mehr Geld brauchen?

Auf jeden Fall. Und es kann durchaus sein, dass wir bei der Förderung Digital Starter Plus nachschärfen. Das ist auch gut, weil so der Digitalisierungsschub nachhaltig bleibt.

Home-Office wurde immer sehr ideologiebehaftet diskutiert.

Da hat Corona gezeigt, dass man trotz oder gerade wegen des Home-Office gut arbeiten hat können. Die Bedenken bezüglich Kontrolle, Verwischen von Privatsphäre und Beruf oder laxen Mitarbeitern wurden quasi weggewischt. Corona hat aber auch gezeigt, dass wir in Oberösterreich über eine sehr gute IT-Infrastruktur bei den Internetanbindungen verfügen. Home-Office wird Teil des neuen Arbeitens werden. Das wird auch Auswirkungen auf den Verkehr und die Emissionen haben, wenn beispielsweise Mitarbeiter einen oder zwei Tage in der Woche von daheim arbeiten werden. Und das wird definitiv auf breiterer Basis so kommen.

Da muss aber auch bei den rechtlichen Rahmenbedingungen noch nachgeschärft werden.

Klar. Beispielsweise, wie das mit der Hardware zu Hause aussieht. Ist das ein privater Laptop oder ein Firmencomputer und wer zahlt den Strom dafür. Oder ist es ein Arbeitsunfall oder ein Freizeitunfall ist, wenn man daheim über das Kabel stolpert. Da braucht es natürlich Regeln und Vereinbarungen, die für beide Seiten passen.

Beim Glasfaserausbau wird man jedenfalls weiter aufs Tempo drücken müssen.

Eindeutig. Wir werden auch den Glasfaserausbau weiter vorantreiben. Wir waren bei der Breitbandmilliarde Gott sei Dank so früh dran wie kein zweites Bundesland und holen auch das meiste Geld vom Bund dafür ab. Die Hälfte aller Glasfaseranschlüsse, die in den vergangenen Jahren errichtet wurden, wurden in Oberösterreich gebaut. Jetzt gilt es, die höhere Investitionsprämie zu pushen.

Warum?

Weil es natürlich unsichere Zeiten sind und die Gefahr besteht, dass die Betriebe nicht investieren, wenn die Aufträge von heuer abgearbeitet sind. Mit der verdoppelten Investitionsprämie von sieben auf 14 Prozent gibt es aber beispielsweise viel Potenzial in den Bereichen Digitalisierung und Ökologisierung, denn gerade jetzt in der Krise muss man investieren.

Stark getroffen wurde der Automobilsektor weltweit. Das ist für Oberösterreich mit vielen Zulieferbetrieben wohl auch noch ein Damoklesschwert.

Da werden die Bedingungen nicht in Österreich gesetzt, sondern international und das ist natürlich prekär. Denn zwei von drei Euro verdienen die oberösterreichischen Unternehmen im Export. Zum Glück wird jetzt auch in Nord- und Südamerika die Gefahr der Pandemie ernst genommen und es werden Maßnahmen gesetzt. Für die Wirtschaft gilt jedenfalls: Es muss der Konsum ins Laufen kommen; und zwar weltweit. Denn, wenn der Konsum nicht ins Laufen kommt, kommt die Produktion nicht ins Laufen.

In China geht es wieder aufwärts.

China läuft wieder auf Volltouren und jetzt gilt es, das auf die gesamte Welt zu tragen. Klar ist jedenfalls, dass der Automobilsektor und der Anlagenbau auch in Sachen Technologiewandel vor gewaltigen Herausforderungen stehen.

Oberösterreich hat ein 580 Millionen Euro schweres Hilfspaket aufgelegt.

Ja – und da ist sehr viel gelungen. Wir haben beispielsweise 29.000 Betriebe entlastet, weil wir die Tourismusabgabe nicht eingehoben haben. Wir haben Zinszuschüsse und Haftungsmodelle aufgelegt. Das haben 566 Tourismusbetriebe genutzt, um in der Krise zu investieren. Über allem steht, Menschen In Arbeit zu halten oder rasch in Arbeit zu bringen. Das ist die oberste Devise unseres Handelns.

Lehren aus der Krise?

Dazu haben wir unseren Oberösterreich-Plan mit breiter Bürger- und Expertenbeteiligung, damit wir sehen, wo wir in Zukunft Schwerpunkte setzen müssen. Digitalisierung ist da natürlich gesetzt, aber auch neue Formen der Arbeit müssen wir uns anschauen. Wir werden sicher gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Warum?

Aufgrund dieses Masterplans, diesen Zukunftsprozess, den wir schon frühzeitig ins Leben gerufen haben. Dazu haben wir eine breit aufgestellte Wirtschaft und viele findige Landsleute voller Ideen- und Tatendrang. Und in unsicheren Zeiten muss man Perspektive und Halt geben.

Aber kein Mensch kann sagen, wann die Krise vorbei sein wird.

Das stimmt. Aber diese Krise hat ein Ablaufdatum. Sobald es ein Medikament oder einen Impfstoff gibt, wird binnen kürzester Zeit die Wirtschaft anspringen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den anderen, früheren Krisen.

Geht sich beim Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat heuer überhaupt ein Urlaub aus?

Ich hoffe, dass ich Ende August mit meiner Familie ein paar Tage wegkomme. Der steht heuer unter dem Motto „Lerne deine Heimat kennen“. Wir machen also eine Österreich-Rundfahrt ohne fixe Buchungen sondern ganz spontan gehalten.

Wie geht es den Tourismusbetrieben überhaupt?

Der Tourismus wurde am härtesten von Corona getroffen. Die Situation stellt sich zweigeteilt dar. In den Tourismusregionen läuft es deutlich besser, als man erwarten durfte. In der Stadthotellerie ist die Situation äußerst schwierig. Dort fehlen die Businessgäste, das Kongressgeschäft oder die Seminare.

Was heißt, deutlich besser als erwartet?

In den Tourismusregionen kratzen die Nächtigungszahlen den Vorjahreswerten.

Das heißt, man muss für Teile der Tourismusbranche über weitere Hilfen nachdenken?

Definitiv. Da sind wir auch aktiv in Vorbereitung.

Stichwort Fachkräfte.

Der Fachkräftemangel ist wegen Corona nicht verschwunden. Deshalb kommt Bildung und Qualifizierung gerade jetzt eine große Bedeutung zu. Ziel ist, möglichst viele Menschen in Arbeit zu halten oder zu bringen.

Mit Wirtschafts-Landesrat MARKUS ACHLEITNER sprach Oliver Koch

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