Wirtschaftskammer rüstet gegen Cyber-Attacken

Digitalisierung ist Nährboden für Kriminelle — 16.840 Attacken wurden im Vorjahr angezeigt, man geht aber von 25.000 Angriffen pro Tag aus

Karoline Edtstadler, Staatssekretärin im Innenministerium, und Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich, haben sich gemeinsam dem Kampf gegen Cyber-Kriminalität verschrieben.
Karoline Edtstadler, Staatssekretärin im Innenministerium, und Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich, haben sich gemeinsam dem Kampf gegen Cyber-Kriminalität verschrieben. © WKOÖ

Die Digitalisierung bringt nicht nur Vorteile. Europas Unternehmen mussten im Durchschnitt schon mindestens einmal die Erfahrung mit Cyberkriminellen machen. Sie hacken sich in Systeme ein, legen Systeme lahm, verschicken falsche Mails und versuchen dadurch an Geld zu kommen. Die Zahl der Fälle ist dabei exorbitant gestiegen. 2016 gab es in der gesamten pro Tag noch geschätzt 4000 Angriffe. Heuer geht man alleine in Österreich von 25.000 Angriffen pro Tag aus. Die Zahl von angezeigten Cybercrime-Fällen von österreichweit 753 im Jahr 2004 ist auf 16.804 im vergangenen Jahr gestiegen. „Cyber-Kriminalität betrifft uns alle und ist das am schnellsten wachsende Kriminalitätsfeld“, schildert Karoline Edtstadler, Staatssekretärin im Bundesministerium für Inneres. Genaue Definition was unter Cybercrime zu verstehen ist gibt es aber keine. Eine solche zu finden, hat sich Österreich für die Zeit der EU-Ratspräsidentschaft auf die Agenda geschrieben. „Da Cyber-Kriminalität keine Grenzen kennt, macht eine einheitliche Definition die grenzüberschreitende Strafverfolgung einfacher“, erklärt Edtstadler. Außerdem sollen Unternehmen für das Thema sensibilisiert werden. In Oberösterreich wurden im Vorjahr 2182 Cybercrime-Attacken angezeigt. Nur in Niederösterreich war österreichweit die Zahl der angezeigten Fälle mit 2828 noch höher.

Appell: „Fälle sollen angezeigt werden“

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Die Aufklärungsquote lag im Land ob der Enns bei 42 Prozent. Viele Firmen haben jedoch Angst vor einem Gesichtsverlust und zeigen deshalb die Fälle nicht an. Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich appelliert an die Unternehmen „jeden kleinsten Fall anzuzeigen“, denn nur so können Hintermänner gefasst werden. Wenns „brennt“und Unternehmen Notfallhilfe brauchen, hat die Wirtschaftskammer eine Hotline eingerichtet. Seit einem Jahr stehen unter 0800 888 133 rund um die Uhr Experten zur Verfügung, die im Notfall beraten. 16 Mal wurde die Nummer in Oberösterreich im vergangenen Jahr gewählt. „Die Nummer ist so wie die Notrufnummer der Feuerwehr oder Rettung“, schildert Hummer. Sie sei froh, wenn die Nummer nicht benötigt werde, gehe aber davon aus, dass aufgrund der steigenden Zahl der Cyber-Crime-Fälle auch die Zahl der Fälle in denen die Betrüger Erfolg haben, nicht sinken wird. Deshalb sei auch die Sensibilisierung der Unternehmen von großer Bedeutung. „Viele Firmen haben das Thema der Digital-Sicherheit nicht ganz vorne auf der Agenda, die Täter werden allerdings immer einfallsreicher“, warnt die WKOÖ-Präsidentin, deren Unternehmen selbst schon Opfer einer Attacke war. Dabei ist digitale Sicherheit nicht nur mit hohen Kosten verbunden. „Es schützt schon, wenn per Mail beauftragte Überweisungen, gegengezeichnet werden“, so Hummer.