Wischen, Chatten, Arbeiten — Jobsuche wird immer mobiler

Österreichische Firmen setzen bei der Suche nach neuen Arbeitskräften zunehmend auf das Smartphone

Die drei Oberösterreicher Daniel Laiminger, Karl Edlbauer und Simon Tretter (v.l.) haben die mobile Jobplattform hokify gegründet und erfolgreich am Markt platziert. 300.000 Menschen nutzen die App im Stil der Dating-Plattform Tinder pro Monat zur Jobsuche. 20.000 Stellen konnten im Vorjahr erfolgreich vermittelt werden.Egal ob im Bus, beim Warten am Bahnhof oder abends bequem auf dem Sofa: Auf der Suche nach einem neuen Job kommen vermehrt Smartphone und Tablet zum Einsatz. Drei Oberösterreicher haben eine App entwickelt, in der man nicht nur nach Jobs suchen sondern sich auch bewerben kann. Die voestalpine setzt bei der Suche nach neuen Mitarbeitern auf Facebook.
Egal ob im Bus, beim Warten am Bahnhof oder abends bequem auf dem Sofa: Auf der Suche nach einem neuen Job kommen vermehrt Smartphone und Tablet zum Einsatz. Drei Oberösterreicher haben eine App entwickelt, in der man nicht nur nach Jobs suchen sondern sich auch bewerben kann. Die voestalpine setzt bei der Suche nach neuen Mitarbeitern auf Facebook. © chinnarach - stock.adobe.com

Die Zeiten von schiefsitzenden Fotos auf handgeschriebenen Lebensläufen und Bewerbungsmappen sind vorbei. Wischen, Chatten, Jobben lautet heute die Devise. Egal ob beim Warten auf den Zug oder abends auf dem Sofa: Die Suche nach Jobs findet heutzutage vermehrt am Smartphone oder Tablet statt. Drei Oberösterreicher – Karl Edlbauer aus Grieskirchen, Simon Tretter aus Eggendorf und Daniel Laiminger aus Unterach – haben sich dies zu Nutze gemacht und die App hokify gegründet. Der Name setzt sich aus dem oberösterreichischen Wort für Arbeit „Hock´n“ und dem englischen Wort „find“ für Finden zusammen. „Wir waren selber auf Jobsuche und haben dafür meist unser Handy genutzt. Man konnte sich jedoch nicht direkt über das Smartphone bewerben. Da kam uns die Idee, eine App zu entwickeln, die auch dem Bewerbungsprozess am Handy ermöglicht“, erzählt Edlbauer im Gespräch mit dem VOLKSBLATT von der hokify-Geburtsstunde, das damals noch JobSwipr hieß. Mit Hilfe einer Business Angels Gruppe konnte die App hokify erfolgreich auf den Markt gebracht werden. Nach einem TV-Auftritt und einem Millioneninvestment von Michael Altrichter und dem in der Linzer Tabakfabrik beheimateten Business-Angels-Netzwerk startup300 gelang mit neuen Namen endgültig der Durchbruch.

Regionalität steht im Vordergrund

Im Stil der Dating-App Tinder sollen Bewerber und Job erfolgreich verkuppelt werden. Die mobile Plattform schlägt Jobs in der Nähe des Wohnortes des Arbeitssuchenden vor. „Regionalität war uns sehr wichtig“, erklärt Edlbauer. Hokify wirbt mit dem Slogan „erfolgreich in drei Minuten bewerben“. Beim Einstieg wird nach dem Wohnort des Nutzers gefragt, außerdem kann dieser auswählen in welchem Bereich er einen Job sucht – hier gibt es die Auswahl von 19 Branchen. Weiters gibt es auch die Möglichkeit von Firmen, die freie Stellen haben, aktiv gefunden und angeschrieben zu werden – ob man das möchte, muss man ebenfalls beim Einstieg entscheiden. Nach der Beantwortung der drei Einstiegsfragen, macht die App Jobvorschläge. Hat man einen Job gefunden, der einem zusagt, genügt ein Wisch und man kommt zu einem Chatfenster. Automatisiert werden Fragen beispielsweise zu Vorerfahrung, Vorkenntnissen erstellt. Auch das Hochladen eines Bewerbungsfotos, das direkt mit dem Smartphone geknipst werden kann, und eines Lebenslaufes ist möglich. „Was unsere App von anderen unterscheidet ist, dass man sich direkt bewerben kann. Andere Apps sind nur rein zur Jobsuche“, so Edlbauer. Man will aber den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, betont der hokify-Gründer. 4343 Jobangebote sind derzeit bei hokify zu finden. Täglich kommen neue Unternehmen dazu, die mittels der Jobplattform neue Mitarbeiter suchen. Für die Nutzer ist die App kostenlos. Die Kunden von hokify sind die Unternehmen, die verschiedene Packages buchen können. Kunden wie Lidl, MC Donalds und Novomatic nutzen die App zur Suche von neuen Arbeitskräften. 300.000 Nutzer kann hokify alleine in Österreich pro Monat verzeichnen, in Deutschland gibt es pro Monat 50.000 Menschen, die mit hokify einen neuen Job suchen. 20.000 Jobs wurden im Jahr 2017 durch die Plattform erfolgreich vermittelt. Mittlerweile hat das Unternehmen 20 Mitarbeiter und mehr als 13.000 Kunden.

Jobsuche hat sich durch das Internet verändert

Auch das AMS bietet seit 2014 zur Unterstützung der Arbeitssuche eine App an. „Die Jobsuche hat sich durch das Internet sehr stark verändert. Die Job- und Personalsuche funktioniert rascher, der Arbeitsmarkt wird transparent. Neben dem Jobroom im Internet und der Job App bietet das AMS seit mehreren Jahren mit dem eAMS Konto viele Dienstleistungen in Selbstbedienung an. Mit Erfolg: Mehr als ein Drittel der Jobsuchenden nutzt diese bereits. Tendenz weiter steigend“, erklärt AMS-Sprecherin Beate Sprenger. Mehr als 152.000 Nutzer haben sich die AMS App bereits auf ihr Smartphone geladen. Wie viele Jobs durch die App erfolgreich vermittelt wurden, könne sie allerdings nicht so genau sagen. „Jobsuchende Personen bedienen sich in der Regel aller Suchkanäle gleichzeitig, um den geeigneten Job zu finden. Eine klare Abgrenzung nach Nutzer der digitalen Suchkanäle untereinander ist demnach kaum möglich“, erklärt Sprenger. Fakt sei, dass fast drei Viertel der beim AMS gemeldeten Jobs innerhalb eines Monats besetzt sind.

Voest sucht auf Facebook nach Mitarbeitern

Bei der Voestalpine setzt man bei der Suche nach Mitarbeitern seit Oktober 2017 auf Facebook und einen Chatbot. Interessierten Bewerbern werden in einem Facebook-Chat automatisiert Fragen gestellt und passende Jobs vorgeschlagen. Die Bewerbung erfolgt dann mittels Online-Formular. Man habe sich für den Jobbot entschieden, da das Smartphone ständiger Wegbegleitersei. Vor allem junge Menschen sollen dadurch angesprochen werden, sich über die voestalpine und die Karrieremöglichkeiten zu informieren. Der Jobbot ermögliche eine einfache und schnelle Jobsuche mit nur wenigen Klicks: Mittels Informationen wie gewünschtem Standort oder Berufskategorien werde nach den Stellenausschreibungen gesucht, die im Online Jobportal der voestalpine zu finden sind – egal ob Lehre, Ferialpraktika oder Festanstellung. Zusätzlich übermittle der Jobbot erste Informationen zum jeweiligen Standort beziehungsweise zur voestalpine-Gesellschaft, heißt es aus dem Unternehmen. Ein Viertel aller Suchanfragen im Jobbot seien positiv und würden zur richtigen Stellenausschreibung leiten.