Wladimir Kaminer: Ausgerechnet Deutschland

Der Verlag zeigte sich skeptisch, als Wladimir Kaminer ein Buch über Flüchtlinge schreiben wollte. Ja, alle reden darüber, aber ein Buch von einem, der allen Begebenheiten eine lustige Seite abgewinnen kann? Der Verlag hat sich getäuscht, das Buch „Ausgerechnet Deutschland“ stürmt die Bestseller-Listen und es scheint einen großen Bedarf an den „lustigen“ Geschichten zu geben, die Kaminer über die Neu-Deutschen zu erzählen hat. In „Diessseits von Eden“ kehrte der gebürtige Russe dem deutschen Schrebergarten den Rücken und zog ins frei von Reglements existierende Brandenburg. Dorthin zieht es nun auch — weniger freiwillig — die Syrer, die nicht alle aus Syrien kommen, aber der Einfachheit halber … Der 1990 aus der Sowjetunion nach Deutschland geflüchtete Kaminer ist ein Geschichtenerzähler, der auch in diesem Werk sagt, was Sache ist. Mal benehmen die sich daneben, dann die anderen. Da kennt der Kaminer kein Pardon. Was am Ende des Buches voller Begegnungen bleibt, ist ein erfrischend normaler Zugang zu der scheinbar alles durcheinander rüttelnden Thematik, die unser Leben ist. Immer wenn Kaminer von seiner eigenen Geschichte als Flüchtling in Deutschland erzählt, renkt er vieles ein, bringt es in Bahnen, die weit weg sind von Hysterie und Endzeitstimmung. mmo

Wladimir Kaminer: Ausgerechnet Deutschland. Goldmann, 240 Seiten, € 13,40