Wo Kuli Ruhe fand

TV-Legende Hans-Joachim Kulenkampff wäre heute 100 Jahre alt geworden

Showmaster und Schauspieler Hans-Joachim Kulenkampff
Showmaster und Schauspieler Hans-Joachim Kulenkampff © dpa

Viele Jahre hat er sich dort regelmäßig zu Treffen mit der Familie eingefunden, am Ende seines Lebens wurde er hier zur letzten Ruhe gebettet: Hans Joachim Kulenkampff hatte die Gegend rund um Frauenstein, aus der seine Frau Gertraud stammte, ins Herz geschlossen. Heute wäre der große Entertainer 100 Jahre alt geworden. Das Museum im Dorf Molln widmet dem Fernsehstar nun eine Ausstellung (2. Mai bis 31. Oktober).

Domizil in Frauenstein

Kulenkampffs Schwiegervater, ein Linzer Rechtsanwalt, hatte das Haus am Waldrand, das „Mauerhäusl“, in den 1950er-Jahren als Wochenenddomizil erworben, erzählt Obmann Fritz Kammerhuber.

Hans-Joachim Kulenkampff und seine Frau lebten eine Zeit lang in Wien und später dann in Seeham bei Salzburg und fanden sich mit ihren Kindern regelmäßig in Molln ein. „Die Kinder haben sehr gern auf der Sandbank an der Steyr gespielt“, so Kammerhuber. Kuli sei gern spazieren gegangen, warf gern die Angel aus und erwies sich im Gasthaus Federlehner als gern gesehener Gast, der die Leute in der Gaststube, so wie man es sonst aus dem Fernsehen von ihm gewohnt war, prächtig unterhielt und sich sogar ins Allerheiligste, die Wirtshausküche vorwagte, um einen Blick in die Kochtöpfe zu erhaschen.

Kulenkampff, am 27. April in Bremen geboren, entstammte einer Kaufmannsfamilie. Nach dem Besuch der Schauspielschule hatte er ab 1946 u.a. Engagements in Bremen, Frankfurt, München und Zürich, später war er immer wieder in Filmen („Immer die Radfahrer“, „Drei Mann in einem Boot. Vom Hunde ganz zu schweigen“) zu sehen.

Über seine Tätigkeit als Conferencier beim Hörfunk kam er bereits 1953 als Quizmaster zum Fernsehen und feierte damit in den 1960ern und 1970ern riesige Erfolge. Nach einer ersten Sendereihe „Wer gegen wen?“ schlug Kulis große Stunde 1964 mit der ersten Ausstrahlung von „Einer wird gewinnen“ (EWG), die zu einer der beliebtesten deutschsprachigen Samstagabend-Shows werden sollte.

Bis zu 30 Millionen Menschen zog die Sendung in ihren besten Zeiten vor die Flimmerkisten und brachte es in 23 Jahren auf 82 Ausgaben. Kulenkampff bezeichnete sich selbst gern als „letzten TV-Dinosaurier“ und war einer der beliebtesten Show- und Quizmaster der Nachkriegszeit — neben Herren wie Peter Frankenfeld, Rudi Carrell, Peter Alexander und Hans Rosenthal.

Schicksalsschläge

Kulis Leben bestand freilich nicht nur aus Unterhaltung: Im Russlandfeldzug erlitt er als junger Soldat starke Erfrierungen und amputierte sich in der Not selber mehrere Zehen. Auch einen schweren familiären Schicksalsschlag mussten er und seine Frau Traudl, die er einst an der Schauspielschule kennengelernt und bereits nach acht Tagen geheiratet hatte, erleiden: Sohn Till, Burli genannt, kam im Alter von vier Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Das Paar bekam noch zwei weitere gemeinsame Kinder: Sohn Kai (62) wurde Radiologe und lebt in Wien, Tochter Merle (72) betreibt einen Gnadenhof im Waldviertel. Noch heute komme sie gern nach Molln, das Haus in Frauenstein befindet sich immer noch im Besitz der Familie, weiß Kammerhuber.

Auch der letzte Weg von Hans-Joachim Kulenkampff, der 1998 einem Krebsleiden erlag, führte nach Frauenstein. Rund 50 Fernsehstationen aus dem In- und Ausland hatten sich zur Berichterstattung über die Beisetzung dort angekündigt.

Die Trauerfamilie wollte den Trubel umgehen und ließ den Verstorbenen am Vortag des offiziellen Termines still und heimlich bestatten — neben seinem geliebten Burli. 2001 wurde auch Kulis Frau im selben Grab beigesetzt. Ein schmiedeeisernes Kreuz über dem Grabstein aus Granit kündet mit einem Segelboot von Kulis Liebe zur See. www.museum.molln.cc

Von Melanie Wagenhofer

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