Wolfgang Ambros begeistert in der Wiener Stadthalle

Der „Wolferl“ sang beseelt und brachte seine Hits © APA/FLORIAN WIESER

Wolfgang Ambros ist in den letzten Jahren durch die „Hölle“ gegangen, wie er selbst sagt. Doch sein Publikum hat er trotz Krebsleiden, unerträglicher Rückenschmerzen und einer unschönen Trennung von der Mutter seiner Zwilling nie im Stich gelassen. Am Mittwochabend dankten es ihm seine Fans in der Wiener Stadthalle mit Standing Ovations. „50 Jahre live“ gab es zu feiern – und der „Wolferl“ war schlichtweg klasse.

Es gab eine Zeit, da hat der Saal bei „Skifoan“ das Kommando, sprich den Gesang, übernommen. Das war diesmal nicht anders, als Ambros bei dieser obligatorischen letzten Zugabe den Chor der knapp 6.000 Kehlen nur noch zu dirigieren brauchte. Aber die Gefolgschaft sparte die Energie gar nicht für den Schluss auf, ab dem Opener „Verwahrlost aber frei“ erwies sie sich als textaffin und schwer begeistert.

Zurecht, denn die heimische Institution in Sachen Liedermacher (den Begriff Austropop verneint der Jubilar konsequent) zeigte sich bei bester Laune und auch stimmlich mehr als nur solide. So beseelt und harmonisch „Von Liebe ka Spur“ oder „Langsam woch’s ma z’amm“ singen, hat man den 70-Jährigen zuletzt nicht immer gehört. Eine schwere Operation musste Ambros über sich ergehen lassen, um wieder schmerzfrei leben zu können – das Aufatmen war in seiner Darbietung spürbar.

Es wurde ein bunter Streifzug durch die Jahrzehnte auf der Bühne. Diese betrat der in Tirol lebende Niederösterreicher mit Wanderstöcken unter tosendem Applaus, um am Barhocker seinen Platz einzunehmen. Der Bewegungsradius seiner Band, die Nr. 1 vom Wienerwald, passte sich dem ihres Chefs an.

Aber es ging hier ja nicht um Show, sondern um Lieder. Und die sind Legende. Es durfte ein bisserl morbide sein („I drah zua“), witzig („Hoit, do is a Spoit“), kritisch („Ignorantenstadl“) oder dramatisch („Gezeichnet für’s Leben“ in wunderbarer Ausführung).

Ambros kündigte alte und ganz alte Songs an, „weil Neue haben wir eh kane“. Die braucht der „Wolferl“ auch nicht, wenn er „Zwickt’s mi“, „A Mensch möcht i bleibn“ und „Die Blume aus dem Gemeindebau“ aus dem Talon ziehen kann. Natürlich: „Da Hofe“, der „Zentralfriedhof“, ein samtweiches „Baba & foi ned“, dazu Gedenken an Georg Danzer („Jö schau“) und Kurt Ostbahn („Feia“) – da fehlte auch ein Beitrag vom legendären Album „Ambros singt Dylan“ nicht („Wahre Liebe“).

Die Auswahl war geschickt, 23 Publikumsfavoriten ohne Fehlgriffe. Diskutieren lässt sich, ob „Du bist wia de Wintasun“ wirklich in ein fettes Folkrock-Arrangement verpackt werden muss und so das vielleicht beste Liebeslied des, ähem, Austropop der Zärtlichkeit beraubt wird. Aber auch das hat dann doch irgendwie gepasst. Das auf den Tickets angeführte Motto lautete: „und nach wie vor nicht leise“ – gut so.

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