Wunderwerk — wunderbar!

Volksoper: Henry Mason gelang eine außerordentliche „Zauberflöte“

Anna Siminska (Königin der Nacht) und Rebecca Nelsen (Pamina)
Anna Siminska (Königin der Nacht) und Rebecca Nelsen (Pamina) © APA/Pálffy

An der „Zauberflöte“ könne man nur scheitern, meinte der „Linzer“ Henry Mason, der nach längerer Pause wieder einmal nach Wien zurück gekehrt ist. Das ist eine gängige Erfahrung mit Mozarts letzter Oper, die so reichhaltig vielschichtig ist, dass kaum jemand alle Ebenen zwischen heroischer Liebesgeschichte, Freimaurer-Mythos und Wiener Volksstück zusammenfügen konnte.

Mason gelang es an der Wiener Volksoper fulminant, indem er alle bekannten Elemente beiseite ließ und einen völlig neuen Zugang fand.

Mason füllt das Geschehen und die Bühne mit Natur und — Puppen. Sie sind (mit Ausnahme der komischen Riesenschlange zu Beginn) eher klein, stellen meist niedliche Tiere dar, aber auch die „Zauberflöte“ Paminos und das Glockenspiel von Papageno werden von unauffälligen Puppenspielern geführt, die als Bindeglied für alles fungieren. Erreicht wird solcherart eine unglaubliche Einheit des Geschehens, das sich im übrigen vielfältig und immer komisch aus dem Fundus von Theater, Kino, Komödie bedient.

Die drei Damen erscheinen im schwarzen Ninja-Look, Papageno, der mit einem Motorrad mit Anhänger herbeibrettert, ist ein klassischer Harlekin, Sarasto gibt sich als Großwildjäger (was dem Geschehen rund um ihn die Schwere nimmt), und Tamina und Pamino dürfen viele schöne orientalische Kleider tragen.

Die Natur als Masons Heilmittel für alles

Das Problem des „bösen Mohren“ Monostatos, der heutzutage gegen jede politische Korrektheit wäre, löst Mason souverän, indem er ihn in einen „bösen schwarzen Geier“ verwandelt. Die Natur — die am Ende alle Elemente des Geschehens zusammen bindet — ist, wie gesagt, Masons Heilmittel für alles. Und die Aufführung selbst nicht nur ein logistisches Meisterstück, sondern auch wunderbar durchdacht und zusammengefügt. Ausstattung (Jan Meier) und Puppendesign (Rebekah Wild) trugen einen guten Teil zum Erfolg bei.

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Wesentlich beteiligt am Gelingen war auch die Dirigentin Anja Bihlmaier (übrigens eine Schülerin von Dennis Russell Davies), die dieser spritzigen Aufführung einen ebensolchen, strahlenden Mozart-Klang verlieh.

Im übrigen gab es mit Rebecca Nelsen und Martin Mitterrutzner ein schönes Liebespaar, in Jakob Semotan einen von Mason so ungewöhnlich ausgefeilten Papageno der anderen Art, der in Juliette Khalil eine urkomische Papagena fand. In Anna Siminska hatte man eine gute Königin der Nacht gefunden, und in dem „schwarzen“ Bass des Stefan Cerny den denkbar idealen Sarastro-Sänger. Als Zweite Dame war schließlich noch die Linzerin Manuela Leonhartsberger dabei, und der Schärdinger Karl-Michael Ebner gab einen nachhaltigen Monostatos.

Großer Jubel. An dieser „Zauberflöte“ wird man sich noch jahrzehntelang freuen und schon deshalb einmal dankbar an die Ära Robert Meyer zurück denken.

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