Wunsch zum 70er: Zeit zum Üben

Geiger Josef Sabaini dirigiert zum Runden ein Konzert im Brucknerhaus

Josef Sabaini
Josef Sabaini © Reinhard Winkler

Wenn Josef Sabaini aus dem musikalischen Nähkästchen plaudert, spitzt man gespannt die Ohren. Denn der weit gereiste und erfahrene Geiger, ehemalige Konzertmeister des Bruckner Orchesters, Leiter sowie Gründer der Philharmonices mundi und Professor für Violine bringt 70 Jahre Lebens- und fast genauso viel musikalische Erfahrung sowie Bekanntschaften mit den Größen der Szene mit.

Seinen Runden feierte er am 20. April, übrigens auch der Geburtstag seiner Mutter und der errechnete Geburtstermin seiner Tochter, die damals dann doch zwei Tage später das Licht der Welt erblickte. „Zu meiner Freude, denn das ist der Geburtstag von Ausnahme-Geiger Yehudi Menhuin“, erzählt Sabaini. Schon diese Anekdote zeigt: Sein Leben dreht sich um Musik und das Geigespielen.

Vom Schrebergarten in die Konzerthäuser

Am Sonntag, 28. April, leitet Sabaini in seinem Geburtstagskonzert das Orchester des Brucknerhauses Linz, Philharmonices mundi, u. a. mit Musik von Tschaikowski (11 Uhr, Großer Saal, Brucknerhaus). Linz ist er tief verbunden, das Brucknerhaus bezeichnet er als sein „Wohnzimmer“. Geboren ist er in Wien, die ersten fünf Jahre aufgewachsen in einem 24 Quadratmeter großen Schrebergartenhaus in Simmering gegenüber dem Zentralfriedhof, wo er 1953 sein erstes prägendes musikalisches Erlebnis beim Begräbnis von Emmerich Kálmán hatte.

1954 übersiedelte die vierköpfige Familie nach Linz. Sabaini studierte u. a. am Brucknerkonservatorium. Mit 17 substituierte er im Bruckner Orchester. Das Brucknerhaus gab es damals noch nicht, konzertiert wurde u. a. im Turnsaal der Diesterwegschule. Als die „schönsten 20 Minuten meines Lebens“ bezeichnet er eine Akustikprobe vor der Eröffnung des Linzer Brucknerhauses unter Herbert von Karajan. Dieser dirigierte im eigentlichen Konzert die Wiener Philharmoniker und kassierte laut Sabaini dafür ganze 364.000 Schilling. Sabaini selbst hat immer nur auf Geigen gespart. Seit 23 Jahren spielt er auf einer Ferdinando Gagliano 1782: „Meine zusätzliche Pensionsversicherung.“ Sein Wunsch für die Zukunft: „Sehr viel zu üben, nur mehr einen Schüler zu haben, nämlich mich.“ ast

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