„Zarte Kontroverse“, virtuos gespielt

Brucknerfest: Klarinettenvirtuosin Sharon Kam & Matan Porat am Klavier

Klarinettistin Sharon Kam und ihr Klavierpartner Matan Porat
Klarinettistin Sharon Kam und ihr Klavierpartner Matan Porat © Reinhard Winkler

Dem Motto des aktuellen Brucknerfestes „Kontroverse“ entsprach das gut besuchte Konzert der Klarinettenvirtuosin Sharon Kam und ihres Klavierpartners Matan Porat am 25. September im Brucknerhaus nur bedingt. Denn es waren ausnahmslos Werke von Komponisten des 19. Jahrhunderts zu hören, die – berechtigt oder nicht – in ihrem Stil als „konservativ“ bezeichnet werden. Das klug ausgewählte Programm stellte die Klarinettensonaten Johannes Brahms´ zwei Kompositionen von Carl Reinecke und Niels Gade gegenüber; die musikalische Wirkung der doch merkbaren Unterschiede könnte man durchaus mit dem Paradoxon „zarte Kontroverse“ umschreiben.

Reineckes ursprünglich für Flöte konzipierte Arbeit folgt konsequent der Sonatenform und bietet in e-Moll kurzweilig viele wohlklingende Einfälle, während Niels Gade seine hoch romantischen „Fantasiestücke“ sehr abwechslungsreich in verschiedenen Tonarten sozusagen rhapsodisch aufbaut. Brahms freilich formuliert seine Klarinettensonaten in Es-Dur und f-Moll, die als Spätwerke in der Variante für Bratsche berühmt und beliebt wurden, in seiner unverwechselbaren Tonsprache. Trotz gemeinsamer „Philosophie“ kontrastiert sie reizvoll zu der seiner weniger bekannten Zeitgenossen.

Sharon Kam und dem kraftvollen Pianisten gelang es, die kompositorischen Charakteristika des Abends äußerst virtuos und musikalisch einfühlsam zu gestalten. Kam breitet mit hellem, klarem Ton auf ihrer Böhm-Klarinette ein erstaunliches Klangspektrum aus; Matan Porat fungiert nicht als Begleiter, sondern als ebenbürtiger Partner.

Der jubelnde Beifall wurde mit einer Bearbeitung als Zugabe brillant quittiert: Fritz Kreislers „Syncopations“.

Von Paul Stepanek

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