Zehntausende protestieren nach Wahl in Georgien

Die Polizei in Georgien ist gewaltsam gegen die Proteste zehntausender Regierungsgegner vorgegangen. Die Beamten setzten am Sonntag in der Hauptstadt Tiflis Wasserwerfer und Tränengas ohne Vorwarnung ein, wie in Live-Übertragungen des Fernsehens zu sehen war. Die Demonstranten werfen der Regierungspartei Georgischer Traum die Fälschung der Parlamentswahl von Ende Oktober vor, diese bestreitet die Vorwürfe.

Zahlreiche Regierungsgegner strömten in Tiflis zusammen. Wegen der Corona-Pandemie trugen viele Mund-Nasen-Masken. Vor dem Parlamentsgebäude versammelten sich etwa 45.000 Menschen, viele schwenkten die weiß-rote Flagge Georgiens. Durch die Proteste solle die Regierung gezwungen werden, Neuwahlen anzusetzen.

Am Abend marschierten Demonstranten ein paar Kilometer durch die Stadt zum Sitz der Zentralen Wahlkommission. Als sie sich anschickten, das Gebäude zu blockieren, setzte die Polizei ohne Vorwarnung Wasserwerfer und Tränengas ein. Die georgische Ombudsfrau für Menschenrechte, Nino Lomdscharia, forderte die Polizei auf, „die unverhältnismäßige Gewaltanwendung gegen Demonstranten zu beenden“.

Georgien steckt nach der Parlamentswahl vom 31. Oktober erneut in einer politischen Krise, nachdem die Regierungspartei Georgischer Traum den Wahlsieg für sich beanspruchte. Nach offiziellen Angaben hat die Partei des Milliardärs Bidzina Iwanischwili die Wahl mit zwei Prozentpunkten Vorsprung vor dem Oppositionsbündnis gewonnen.

Internationalen Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zufolge war die Wahl „alles andere als fehlerfrei“ abgelaufen. Alle Oppositionsparteien im Land weigern sich, das Wahlergebnis anzuerkennen.

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Die Oppositionsparteien hatten sich unter Führung der Partei Vereinigte Nationale Bewegung (UNM) des im ukrainischen Exil lebenden Ex-Präsidenten Michail Saakaschwili vereinigt. „Wir fordern die Ablösung der völlig diskreditierten Wahlbehörden und die Durchführung einer neuen Abstimmung“, sagte die führende UNM-Politikerin Salome Samadaschwili der Nachrichtenagentur AFP. Der UNM-Politiker Nika Melia sagte vor den Demonstranten: „Unsere Proteste werden dauerhaft sein und ganz Georgien anpeilen.“

Ministerpräsident Giorgi Gacharia warf der Opposition eigennützige Interessen vor. „Wir werden es nicht einigen machthungrigen Politikern, die ihre enggefassten politischen Interessen verfolgen, erlauben, das Land zu zerstören“, erklärte der Regierungschef vor der Demonstration am Sonntag. Gacharia befindet sich nach einer Infektion mit dem Coronavirus seit einer Woche in Quarantäne und kündigte eine ab Montag geltende nächtliche Ausgangssperre in großen Städten an.

Da Georgien ein sehr komplexes Wahlsystem hat, könnte die genaue Zusammensetzung des neuen Parlaments erst Ende November feststehen. Der Analyst Gela Wasadse prophezeite der Partei Georgischer Traum „eine extrem wackelige Mehrheit im neuen Parlament“.

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