Zehntes Frequency in St. Pölten gestartet

Sommer, Sonne, laute Musik: Es ist wieder Frequency-Zeit in St. Pölten. Zum zehnten Mal geht das stilistisch bunt ausgerichtete Festival in der niederösterreichischen Landeshauptstadt über die Bühne. Der Auftakt der diesjährigen Ausgabe am Donnerstagnachmittag war von sommerlichen Temperaturen ebenso gekennzeichnet wie dem steten Besucheranstrom aufs Campinggelände.

Um 15.00 Uhr war es dann schließlich auch auf der Space Stage so weit: Während manche noch beim Autogrammzelt Schlange standen, um sich eine Unterschrift von Beartooth zu holen, ging der Brite Tom Walker auf die Bühne und eröffnete das Festival mit hymnischem Folkpop, der die große Stadiongeste nicht verschmäht. Mit rauer Stimme und gutem Sound wusste er zu diesem Zeitpunkt schon einige Besucher vor der weiten Bühnenkonstruktion zu begeistern, während andere wohl noch mit dem Aufbau ihrer Schlafgelegenheiten entlang der Traisen beschäftigt waren.

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Dass große Bühnen auch Respekt abverlangen, wusste wiederum Robert Gwisdek zu erzählen. Der deutsche Musiker macht als Käptn Peng mit seinen Tentakeln von Delphi eine mehr als gelungene Melange aus Hip-Hop und Alternative, punktet mit Sprachwitz und seine Instrumentalisten mit eingängigen Melodien sowie ordentlich Druck. Um kurz nach 18.00 Uhr werden sie auf der Space Stage stehen. „Die Bühne ist ja nicht groß, die ist zu groß“, lachte der Künstler im APA-Interview vor dem Auftritt. „Wirklich bizarr groß. Aber auf der Bühne kann so was Spaß machen.“

Ist man vom Publikum allerdings zu weit weg, dann sei man „quasi in einem abstrakten Raum“. Die Vorfreude ist dennoch da: „Auf jeden Fall“, so Gwisdek, „auch auf die Leute danach freue ich mich. Ich bin gespannt.“ Für seine Band waren die vergangenen Monate und Jahre jedenfalls sehr erfolgreich, wobei man auf natürliche Weise gewachsen sei. „Auch, weil wir einen relativ langen Zeitraum hatten, bis es da war, wo es jetzt ist und wir uns daran gewöhnen konnten. Die Situation ist jetzt relativ luxuriös, und zwar auf einem Level, wo es tatsächlich hilft und nicht nur Quatsch ist.“

Muss man jetzt aber auch eine wirklich große Show abliefern? „Ich würde diese Frage gerne mit Nein beantworten“, so Gwisdek nach langem Überlegen. „Das kann man machen und ist auch schön, man muss es aber aus Freude und Freiwilligkeit machen. Musik ist kein Geschäft. Es gibt einen gewissen Grad an künstlerischer Unberechenbarkeit. Wenn die weg geht, wäre es sehr schade.“ Daher sei live manchmal auch mehr möglich, als im Studio. „Es gibt die viel krassere Energie. Wir sind live teilweise wesentlich besser als auf Platte. In manchen Momenten wieder gar nicht, da verkacken wir. Aber dann gibt es wieder Höhen, wenn Songs viel mitreißender oder tiefer sein können.“

Ordentlich Punch dürfte es direkt vor Käptn Peng auch bei Beartooth geben: Die US-Metalcoreband veröffentlicht Ende September ihr drittes Album „Disease“, für das Sänger und Kreativkopf Caleb Shomo mehr als eineinhalb Jahren gewerkt und getüftelt hat. „Darauf geht es auch um den Kampf mit mir selbst“, verwies er im APA-Gespräch auf den Titel. „Daher war dieses Wort ein gutes Einstiegspunkt, um all das runterzubrechen. Ich suche gerne nach einem Wort, das alles beinhaltet. Und ‚Disease‘ war genau dieser Begriff. Er war sogar schon da, bevor ich überhaupt ein Lied geschrieben habe. Alles ging davon aus.“

Seine Vorbereitung für einen Auftritt sei wiederum relativ unspektakulär, gab sich der Musiker bodenständig. „Ein bestimmtes Ritual gibt es bei mir eigentlich nicht“, meinte Shomo. „Es hängt wirklich vom Tag ab. Ehrlich gesagt: Sobald ich vor den Leuten stehe, wird der Schalter umgelegt und alles funktioniert. Natürlich wärme ich mich auf und bringe meine Stimme in Schwung. Aber eigentlich muss ich nur auf die Bühne gehen und schon bin ich im richtigen Modus. Dann sieht man, was rauskommt“, lachte der Musiker. Das gilt an diesem langen Wochenende wohl für viele Künstler. Dem Festivalspass steht jedenfalls nichts mehr im Weg.