„Zeit mit Furrer“ bei Festspielen endet unter großem Jubel

Die „Zeit mit Furrer“ geht zu Ende, zumindest bei den Salzburger Festspielen. Am Montagabend fand im Großen Saal in der Stiftung Mozarteum das letzte Konzert der vierteiligen Reihe statt, mit welcher die Festspiele Beat Furrer dieses Jahr einen Schwerpunkt widmeten. Der Abschlussapplaus fiel durchaus begeistert aus und würdigte damit eine gelungene zeitgenössische Konzertreihe.

Mit Musiktheater hat es begonnen und mit Musiktheater endete es auch. Nach dem Start mit der konzertanten Aufführung von Furrers „Begehren“ am vorherigen Montagabend in der Kollegienkirche, rundete ein weiteres musiktheatralisches Werk die Konzertreihe ab: Furrers „Wüstenbuch“. Literatur spielte auch beim Entstehungsprozess dieses Werkes eine wesentliche Rolle, so wie bei seinen meisten Kompositionen. Der Titel ist von Ingeborg Bachmanns gleichnamigen Fragmenten entlehnt, aus denen Furrer gemeinsam mit der Schauspielerin Isabel Karajan Texte ausgewählt und für den Abend zusammengestellt hat.

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Die Idee dazu entstand bereits 2010 vor der Uraufführung, jedoch fanden die Texte erst jetzt in einer eigens für die Salzburger Festspiele erarbeiten Version ihren Eingang. Die Inspiration zum „Wüstenbuch“ erhielt Beat Furrer allerdings schon früher, als er während eines Istanbulaufenthaltes seine Faszination für arabische Melodien entdeckte und diese später aus der Erinnerung zu rekonstruieren versuchte.

Als Prolog diente Furrers „Ira – Arca“ für Bassflöte und Kontrabass, eine ungewohnte Instrumentenkonstellation, aus der sich allerdings das zugrunde liegende Thema des Abends erschließen ließ: ungleiche Paare im Dialog. Dabei war zuerst gar kein Dialog als solcher zu vernehmen, viel mehr zeigten Flötistin Eva Furrer und Kontrabassist Uli Fussenegger das breite Specktrum an Möglichkeiten der Klangerzeugung ihrer Instrumente auf. Furrer atmete die Bassflöte fast mehr, als sie sie spielte, und Fussenegger schlug und zupfte Töne, die mitunter an einen Synthesizer erinnerten.

Eingebettet zwischen dieses klangliche Experimentalwerk und die „Xenos-Szenen“ aus dem „Wüstenbuch“ lag Isabel Karajans Lesung aus den „Wüstenbuch-Fragmenten“ von Bachmann, wobei hier besser die Beschreibung Spiel zu wählen wäre. „Was ist diese Wüste?“, fragte sie eingangs, worauf eine halbstündige Ausführung dieser Gedanken folgte, die Ingeborg Bachmann während einer Nordafrika-Reise festhielt. Der monologische Gedankenvortrag ging wiederum nahtlos über in die „Xenos Szenen“, in denen Furrer selbst das Klangforum Wien und die Neuen Vocalsolisten Stuttgart dirigierte.

Im Gegensatz zu vielen der in dieser Reihe gehörten Kompositionen entstand diese aus dem Lauten. Aufbrausend und rhythmisch schlängelten sich die Orchesterklänge um die gesungenen Worte oder kommentierten sie. Vom Dialog zum ersehnten Einklang kam es schließlich in der vierten Szene, als Sopran und Kontrabass, wenn auch nur für ein paar Takte, homophon neben einander herliefen. Am Ende floss alles in schwingende Stille. Ein Moment so andächtig, dass das Publikum nicht zu klatschen wagte. Nach einem bejahenden Lächeln des Komponisten brach dann aber letztlich der wohlverdiente große Applaus herein. Ein gelungener Abschluss für eine klug programmierte und inspirierende zeitgenössische Konzertreihe.