Zeitreise durch ein Jahrhundert

Ein alter Greißler-Laden, eine Schule und ein Büro von anno dazumal und allen voran eine Werkstätte, in der frühere Mechaniker-Generationen ihre Freude gehabt hätten — Innerhalb von mehr als 40 Jahren hat Oldtimer-Fan und Sammler Norbert Penzinger aus Windhaag bei Perg Tausende Exponate der Alltagsgeschichte aus mehr als einem Jahrhundert zusammengetragen und sie bei sich daheim liebevoll arrangiert.

Norbert Penzinger zeigt gerne seine Schätze, die er in den vergangenen Jahrzehnten zusammengetragen hat. © Enöckl

Von Renate Enöckl

Nein, Norbert Penzinger betreibt kein Museum. Er ist Sammler aus Leidenschaft und das sieht man den Objekten auch an: Blank poliert stehen die zwei- und vierrädrigen Gefährte da, liebevoll sind die unterschiedlichen Themenbereiche arrangiert. Vieles wurde vom Hausherren selbst wieder in Gang gesetzt. Vor allem die Motorisierten haben es dem 66-Jährigen angetan. So sehr, dass er in den vergangenen vier Jahrzehnten in ganz Europa auf Oldtimer-Flohmärkten unterwegs ist. Bis in die USA führen ihn die Reisen sogar, um an die begehrten Ersatzteile zu kommen. In seiner Sammlung finden sich echte Gustostückerl: Ein Citroën Trefle etwa, ein Dreisitzer.

Den Klassiker aus dem Jahr 1924 erstand er auf einem Flohmarkt in Frankreich. Oder das Terrot-Motorrad, ebenfalls aus den 1920er-Jahren. Dazwischen stehen noch jede Menge Zweiräder. Mit und ohne Motor. Ein Steyrer Waffenrad aus 1915 oder eine Harley mit Beiwagen aus 1942. Und einige Fahrräder mit Benzin-Hilfsmotor sind auch dabei — „B-Bikes“, wie man sie heute neudeutsch nennen würde.

Sein Herz hat der Mühlviertler allerdings an seine Triumph Spitfire gehängt. Fünf stehen mittlerweile im Haus und an alle hat der Hausherr Hand angelegt. Zerlegt und wiederaufgesetzt oder aus zwei einen gebaut.

Mit einer Spitfire hat Penzingers Sammelleidenschaft vor mehr als 40 Jahren auch begonnen. „Ich brauchte damals ein Auto für den Winter und dann bin ich halt hängengeblieben“, schmunzelt er. Immerhin besaß er bis dahin nur ein Motorrad. Der frisch erworbene rote Flitzer — damals schon ein Oldtimer — steht noch heute in seiner Sammlung. Fahrbereit übrigens, wie alle anderen Autos auch. Freie Stellen sind gefüllt mit Zubehör, alten Zapfsäulen, Batterien, Messgeräten, etc. Und überall begehrte Original-Blechtafeln, um die 300 sind es. Dazwischen gibt es auch immer wieder ganz besondere Schmankerl: Eine Petroleumtankstelle von 1910 etwa oder eine über 100 Jahre alte Öldose aus Karton.

Fußwärmer bis Wuzzler

Bei den Fortbewegungsmitteln ist es allerdings im Laufe der Jahre nicht geblieben. Gemeinsam mit, bzw. mit Unterstützung von Lebensgefährtin Monika entstanden zahlreiche Themenwelten: eine Schulklasse mit Tischen und Accessoires aus mehreren Jahrzehnten, ein Wohnzimmer aus den 1960er-Jahren, ein Greißler-Laden mit alten Verkaufsautomaten und alles, was eine gute Hausfrau früher so brauchte für „Kinder, Kuchl, Kabinett“. Quasi: Vom Fußwärmer aus dem Jahr 1880 bis zum 25 Jahre alten Wuzzltisch ist die gesamte Alltagsgeschichte vertreten.

Recht viel Neues soll nun aber nicht mehr in die Sammlung wandern, auch wenn der frühere Schlosser in seiner Umgebung mittlerweile so bekannt ist, dass ihn nicht selten ein Anruf ereilt, wenn Schulen ausmustern oder Firmen modernisieren. „Ich schaue auch nach wie vor auf Flohmärkte, doch wenn ich keinen Platz dafür habe, kaufe ich es nicht“, verrät Penzinger. Außer bei besonderen Schnäppchen. Da wirft der Mühlviertler seine guten Vorsätze auch schon mal über Bord.

Gegenstände mit Geschichte(n)

Wer den 66-Jährigen besucht, der taucht ein in eine Zeitreise durch die eigene Vergangenheit und die der (Ur-)Großeltern. Und er braucht viel Zeit, denn zu den meisten seiner Stückerl hat der sonst eher wortkarge Mühlviertler die Geschichte parat. Nicht unbedingt die persönliche, sondern die der Gegenstände an sich.

Und trägt so zur Bildung bei, denn wer weiß schon, dass es früher in Österreich Kennzeichen für Fahrräder gab, dass man hierzulande bis 1938 noch auf der linken Straßenseite fuhr, dass die Perger „Farbenfirma“ in den 60er-Jahren auch mal Alpinski fabrizierte oder dass die Leute im 19. Jahrhundert Holzkisten mit heißen Kohlen mit in die Kirche nahmen, um ihre Füße während der Messe warm zu halten. Eine erlebnisreiche Schulstunde der etwas anderen Art!

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