Zerreißprobe für den Fußball

Superliga-Diskussion

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Die Pläne für eine europäische Fußball-Superliga sind nicht neu. Sie liegen seit Jahren in den Schubladen diverser Großklubs und tauchen mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder auf.

In Zeiten der Corona-Pandemie, die den Klubs massive Einnahmenausfälle (Zuschauer, Merchandising etc.) beschert, ist es nicht verwunderlich, dass schon wieder darüber diskutiert wird.

Großklubs sind für Einführung der Superliga

Juventus-Präsident Andrea Agnelli gilt als vehementer Befürworter: „1826 Spiele in den fünf besten Ligen Europas sind im Vergleich zu nur 125 Spielen in der Champions League ein Fehler im aktuellen System. Das bedeutet, dass die Vereine ihre potenziellen Einnahmequellen nicht maximieren“, sagte Agnelli. Sein Wort hat als Vorsitzender der Europäischen Clubvereinigung (ECA) natürlich Gewicht.

Ligen und Verbände sind gegen Superliga

Der Widerstand ist aber groß. Erst kürzlich hatten der europäische Fußball-Verband UEFA und der Weltverband FIFA in einem gemeinsamen Statement einer möglichen Superliga die Anerkennung verweigert und mit Bewerbssperren für Vereine und Spieler gedroht. Auch in den nationalen Ligen, nicht nur den der kleineren Länder, formiert sich der Widerstand: Javier Tebas, Präsident von Spaniens La Liga, hält die Pläne für ein „Desaster“ und einen „Schuss ins eigene Knie“.

Denn der Elitewettbewerb würde „durch die Zerstörung der nationalen Ligen nicht nur den Fußball im Allgemeinen ruinieren, sondern auch jene Klubs, die ihre Fürsprecher sind“, erklärte Tebas gegenüber Reuters. „Den Vereinen ist nicht bewusst, dass ihnen ein solch radikaler Bruch mittel- und langfristig Schaden zufügt.“

Nur die exorbitanten Gehälter würden steigen

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Damit hat er wohl recht. Denn klar ist: Den wenigen auserwählten Teilnehmern — die Rede ist ja immer von einem geschlossenen System mit rund 18 Vereinen wie eben Juventus, Bayern München, Real Madrid, FC Barcelona, Paris SG, Manchester United oder Liverpool — geht es ausschließlich darum, noch mehr Geld zu lukrieren.

Doch wofür? Die Vergangenheit hat gezeigt: Je mehr Geld im Fußball, desto höher die Spielergehälter. Die steigen exorbitant an, sonst ändert sich gar nichts. Aber gerade bei den genannten Klubs verdienen nicht nur die Superstars wie Lionel Messi (35 Millionen Euro netto jährlich/ohne Werbeverträge) oder Cristiano Ronaldo (31 Mio.) fürstlich, sondern alle Kaderspieler. So durchbrach der FC Barcelona schon vor zwei Jahren eine Schallmauer, indem er als erster Klub jedem Spieler durchschnittlich mehr als zehn Millionen Euro, nämlich 11,3 Millionen, bezahlte. Grundgehalt, wohlgemerkt — da kamen auch noch Prämien dazu.

Großklubs dominieren schon jetzt nach Belieben

Also noch einmal die Frage nach dem Warum? Was hat es für einen Sinn, die Top-Vereine noch reicher zu machen? Sie dominieren schon jetzt die nationalen Meisterschaften fast nach Belieben, sie verfügen schon jetzt über die Mittel, die Konkurrenten jederzeit durch das Abwerben der besten Spieler zu schwächen. Sie können sich schon jetzt die teuersten und damit auch die größten und ausgeglichensten Kader leisten.

Und diese Top-Vereine vergessen auch, dass das Rückgrat des Profi-Fußballs die nationalen Ligen sind, dass dort die Spieler ans höchste Niveau herangeführt werden. Dass es das im Fußball oft so interessante Duell David gegen Goliath in einer Superliga de facto nicht geben würde. Und dass Fußball kein elitärer Sport für einige wenige ist, eine Superliga aber viele Vereine und praktisch alle Ligen abseits der großen fünf (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) ausschließen würde.

Für den Fußball ist zu hoffen, dass am Ende dieser Zerreißprobe die Vernunft steht und auch der europäische Verband nicht einknickt.

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