Zitronen-Preis auf Rekordhöhe

Preisanstieg um 50 Prozent in Österreich — Ursache liegt in der Angst vor Coronavirus

Am Coronavirus führt derzeit kein Weg vorbei. Auch nicht bei der Auswertung der aktuellen Preisentwicklung in Österreichs Lebensmittelgeschäften. In der dem VOLKSBLATT vorliegenden neuen Inflations-Analyse der Statistik Austria liegen nämlich die Zitronen ganz vorne: Plus 50 Prozent Preisanstieg seit Juni 2019.

Eine Hauptursache für die exorbitante Verteuerung sehen Marktbeobachter in der international lange Zeit hysterischen Nachfrage nach der gelben Vitamin- und Desinfektionsbombe in Corona-Zeiten. Dazu kommen witterungsbedingte Ernteeinbußen in den Produktionsländern Italien und Spanien.

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Export-Verbot aus Türkei

Und: Dazu kommt auch noch, dass sich mit der Türkei einer der prominenten ZitronenLieferanten heuer vorübergehend selbst aus dem Spiel genommen hat — Grund: das Coronavirus! Anfang April kam der Erlass des türkischen Agrarministeriums, wonach der Export von Zitronen bis Ende August verboten sei. Ankara befürchtete Engpässe in der Versorgung mit den vitaminreichen Früchten sowie den für Desinfektionszwecke in der Türkei gebräuchlichen Zitronenessenzen.

Mitte Mai dann aber eine erste Lockerung: Immerhin 10.000 Tonnen Zitronen durften die türkischen Bauern jetzt doch ausführen. Die dem VOLKSBLATT vorliegenden aktuellen Preisdaten aus der Türkei geben Erdogan und Co. in Sachen Exportverbot zumindest sozialpolitisch recht: Im Mai sind die Zitronenpreise an den türkischen Ständen gleich wieder um 7,6 Prozent zurückgegangen, im Juni um weitere 2,6 Prozent.

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Die rührigsten Zitronenproduzenten der EU sitzen laut Angaben der Kommission in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und Zypern. Experten gehen aber davon aus, dass die EU-weiten Erträge im bis Ende September laufenden Wirtschaftsjahr 2019/20 um 16 Prozent niedriger sein werden als im vorigen Wirtschaftsjahr, weil eben in Spanien und Italien mit minus 20 Prozent bzw. minus 6 Prozent witterungsbedingte Einbußen auftreten.

16 Prozent Importware

Obwohl mit dem Rückgang der Eigenproduktion in der EU auch die Nachfrage der Konsumenten und Verarbeitungsbetriebe rückläufig sein wird, bleibt dennoch eine neue Lücke für Import-Zitronen aus aller Welt. Traditionell reiben sich dabei die stärksten Zitronen-Lieferanten in die EU ihre Hände: Argentinien, Südafrika, Türkei, Brasilien und Mexiko. Wobei die EU nicht nur bei Zitronen auf Importware angewiesen ist, sondern bei Zitrusfrüchten ganz generell. Laut der in der Vorwoche in Brüssel veröffentlichten Marktanalyse stammen 16 Prozent der in der Union verzehrten Zitrusfrüchte aus Drittstaaten.

Entspannung ist in Sicht

Während in Österreich jetzt eben erst neue Höchstpreise für Zitronen erreicht sind, scheint sich international nach der Corona-Hysterie an den Einkaufsregalen langsam etwas Beruhigung einzustellen. Zwar liegen die Preise für Zitrusfrüchte auch in der EU noch immer 40 Prozent über dem 5-Jahres-Schnitt. Aber: Während in sonstigen Jahren die Zitrus-Preise im Juni gegenüber Mai im EU-Schnitt nur um 1 Prozent nachgegeben, haben waren es heuer immerhin minus 7 Prozent.

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