Zivildienst beliebt – aber Probleme mit geburtenschwachen Jahrgängen

Der Zivildienst ist in den vergangenen Wochen zum Blickpunkt geworden, werden doch junge Männer nur teils freiwillig zur Entlastung der Einsatzkräfte in der Corona-Krise herangezogen.

Abzuwarten ist, ob das der Beliebtheit der Alternative zum Präsenzdienst schadet. Bis jetzt war der Zivildienst jedenfalls populär, geht es aus einem Drei-Jahres-Bericht hervor, der den Ministerrat passiert hat.

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So wurden im Vorjahr 14.660 junge Männer den Zivildienst-Einrichtungen zugewiesen, das ist der dritthöchste Wert in der Geschichte des Zivildienstes – und das, obwohl geburtenschwache Jahrgänge langsam zum Problem werden. Zur Veranschaulichung: Gab es im Jahr 2010 noch 39.571 taugliche Wehrpflichtige, waren es im Jahr 2019 nur mehr 29.830, also um knapp 25 Prozent weniger. Immerhin konnten die Wünsche der Träger auch im Vorjahr noch zu 89,8 Prozent erfüllt werden, womit der Wert sogar knapp über jenem von 2018 lag, jedoch signifikant unter dem von 2017 (92,7 Prozent)

Der größte Teil der Zivildienstleistenden war im Rettungswesen eingesetzt (rund 40 Prozent), gefolgt von der Sozial- und Behindertenhilfe (rund 30 Prozent) und der Altenbetreuung (rund 10 Prozent). Außerdem waren Zivildienstleistende u.a. in Krankenanstalten, im Zivil- und Katastrophenschutz, in der Kinderbetreuung, Flüchtlingsbetreuung, Jugendarbeit, in der Vorsorge für die öffentliche Sicherheit und die Sicherheit im Straßenverkehr, in der landwirtschaftlichen Betriebshilfe, in inländischen Gedenkstätten und im Bereich Umweltschutz eingesetzt.

Die Zahl der anerkannten Zivildienst-Einrichtungen war im Jahr 2018 auf den Höchststand von 1.711 Einrichtungen gestiegen. Mit der im Jahr 2019 in Kraft getretenen Novelle des Zivildienstgesetzes wurde ermöglicht, Einrichtungen, die drei Jahre lang keinen Bedarf an Zivildienstleistenden gemeldet haben, durch den Landeshauptmann zu widerrufen. Als Folge davon ging die Zahl der anerkannten Einrichtungen auf zuletzt 1.623 zurück.

Insgesamt dürfte das Verhältnis zwischen den Dienstgebern und den Zivildienern ganz ordentlich sein. Gemäß dem von der zuständigen Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Dienstag dem Ministerrat vorgelegten Report gab es bloß 32 Schlichtungsverfahren in der Berichtsperiode, die samt und sonders zufriedenstellend gelöst worden seien. Bei den Kontrollbesuchen der Einrichtungen gab es freilich Klagen beide Seiten betreffend. In mehreren Fällen mussten die Vorgesetzten der Zivildienstleistenden darauf hingewiesen werden, die Einschulungen qualitativ zu verbessern. Andererseits beklagten die Vertreter der Träger, dass die Einstellung der Zivis „häufig mangelhaft“ sei. Vor allem die Pünktlichkeit lasse oft zu wünschen übrig.

Interessant ist, dass es beim Interesse am Zivildienst doch erhebliche Unterschiede gibt. So erfolgten im Vorjahr in Vorarlberg 948 Zivildiensterklärungen, in den doch deutlich größeren Bundesländern Salzburg (885) und Kärnten (582) teils klar weniger. Schlusslicht ist das Burgenland mit 398. Diese unterschiedlichen Präferenzen lassen sich logischerweise auch an der Zahl der Träger ablesen. Da gibt es in Vorarlberg 162, im Burgenland bloß 73.

Was die für die Corona-Krise aufgebotenen Zivildiener angeht, sind diese zum allergrößten Teil schon zugewiesen. Nur in Wien warten noch einige auf ihren Einsatz, hieß es auf APA-Anfrage beim Roten Kreuz, das die außerordentlichen Zivildiener koordiniert. Einberufen wurden insgesamt rund 3.500, davon 2.000 Freiwillige und 1.500 Aktive, deren Dienst verlängert wurde.

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