Zu Besuch bei der Herzensgärtnerin

Duftende Rosen, klares Wasser, riesige alte Schattenspender und Rückzugsorte zum Verweilen. Die auf gut 5000 Quadratmetern gedeihende, mehrfach preisgekrönte üppige Pracht in Patrizia Haslingers Garten in Offenhausen besticht mit Natürlichkeit und vielen kleinen Details.

Patricia Haslinger © TheHeartgardener

Unzählige weiße Blüten inmitten von sattem Grün erfreuen am Eingang. Beim Heimkommen will die Gärtnerin, die dieses Paradies geschaffen hat, von dieser Ruhe und Geradlinigkeit ausstrahlenden Umgebung in ihrem „Weißen Garten“ empfangen werden.

Der Name ist eine Hommage an einen englischen Garten, mit dem sich Haslinger (48) sehr verbunden fühlt: „In Sissinghurst gibt es diesen berühmten Weißen Garten.“ In Offenhausen blüht es vom Frühling bis in den Herbst, von Schneeglöckchen über Narzissen, Camassia und weiße Echinacea bis hin zu grünen und weißen englischen Rosen und Staudenwicken, die ebenfalls von der Insel kommen.

Von einem grünen Zimmer ins nächste

Im Garten der Herzensgärtnerin (TheHeartgardener ®), wie sich Haslinger nennt, wandert man von grünem Zimmer zu grünem Zimmer. Durch einen von Sträuchern gesäumten Gang geht es hinunter ans Wasser: Ein herrlicher, wunderbar klarer Schwimmteich breitet sich hier aus, umrahmt von exotischen Pflanzen: Haslingers „kleine Toskana“. Darüber thront majestätisch ein Olivenbaum, wie man ihn in der Größe hier nicht erwarten würde. Er ist gut vor Kälte behütet, eine Hülle aus Ziegeln speichert die Wärme rund um seine Wurzeln, im Winter hält ihn eine Wurzelheizung frostfrei, eine Vlieshaube schützt ihn dann oberirdisch: „Das sieht aus, als wäre ein Heißluftballon in unserem Garten gelandet“, sagt Haslinger lachend.

Die selbst geschlichtete Ziegelmauer spendet nicht nur dem Baum Wärme, hier hat es sich auch eine Eidechse gemütlich gemacht, die liebevoll Fred gerufen wird. Gleich nebenan lässt ein Feigenbaum schon recht ansehnliche Früchte erkennen, hier gedeihen auch Zitrusfrüchte und Raritäten wie ein ebenfalls ungewöhnlich großer Schlafbaum oder Buddhas Hand, ein Blauglöckchen- und ein Tulpenbaum.

Die Leidenschaft für den Garten trug Haslinger schon als Kind in sich. Wenn sie eine geknickte Blume entdeckte, musste sie sie einfach „retten“. Eine Gärtnerei hat ihr Schnittblumenköpfchen überlassen, aus denen sie Gestecke gezaubert hat. „Meine Großeltern besaßen einen Schrebergarten, da habe ich auch ganz viel von meiner Oma gelernt“, erzählt sie. „Schöner Wohnen“ sei als Erwachsene für sie zum Grundsatz geworden und das bedeute, dass immer irgendwo Blumen stehen müssen. Nach zwanzig Jahren bei einer Bank hat Haslinger ihr Hobby vor drei Jahren zum Beruf gemacht. Seither arbeitet sie nach Abschluss entsprechender Ausbildungen als Gartencoach – plant Gärten und koordiniert die Umsetzung durch Professionisten — und als Hochzeitsplanerin und öffnet ihren Garten regelmäßig für Besucher.

Im hügeligen Alpenvorland liegt dieser Schatz, der in den letzten zehn Jahren angelegt wurde. Wer den Garten erkunden möchte, sollte sich Zeit nehmen. Rosen und Stauden blühen hier in allen Größen, Sorten und Farben. Als Bodendecker breiten sich süßen Duft verströmende Walderdbeeren aus. So manche Schönheit wie die grüne Rose will gefunden werden, ist sie entdeckt, kann man sich an ihr kaum sattsehen. Mittendrin finden sich idyllische kleine Plätze mit stilvoll arrangierten Sitzgelegenheiten, die zum Innehalten einladen. Ein süßes Gartenhäuschen etwa, davor ein Metalltisch mit Lochmuster, englisches Geschirr, geblümte Polster — very british. Aus einem aus Beton gegossenen Guglhupf wächst ein Hauswurz. Haslingers Qualitäten als Dekorateurin werden auch von der Gartenfirma Lederleitner in Puchenau geschätzt. Zuhause offeriert sie Kurse, bei denen mit Naturmaterialien gebastelt wird.

Die Gartenexpertin hat zwar keine Lieblingsblume, aber temporäre Vorlieben und eine solche gehört im Moment der Camassia, auch Prärielilie genannt, einem wahren „Bienenmagneten“, wie sie sagt. Wie überhaupt neben der Schönheit der Pflanzen der Nutzen für die Natur ein Thema ist. Nur so entstehe ein harmonisches Gartenleben. So exklusiv wie die Pflanzen sind dann auch die tierischen Gäste. „Erst heute war ein Taubenschwänzchen da“, erzählt Haslinger. Ganz klar, dass zum Erhalt dieser Symbiose von Mensch, Tier und Pflanzen auch keine chemische Dünger zum Einsatz kommen: „Vieles regelt die Natur selbst“, so Haslinger. Wenn es auch dafür manchmal ein wenig Geduld brauche: Bei Läusebefall wartet sie auf Helferlein wie Marienkäfer. Und sie arbeitet mit Jauche und Mist, ihren Kompost nennt sie „schwarze Goldmine“. „Ich habe schon biologisch gegärtnert, lange bevor das en vogue geworden ist“, sagt Haslinger. „Die Natur selbst ist der allerbeste Gärtner, um das zu unterstützen und vielleicht ein wenig zu verschönern, dafür sind wir da.“

Den Charme des Gartens macht die Natürlichkeit aus

Inmitten des hoch aufragenden alten Baumbestandes hat die Gärtnerin ihr Reich mit stimmigen Farbkonzepten entstehen lassen, das mit dem, was da war, großartig harmoniert. „Ein alter Baum gibt Struktur und ist ein Kraftplatz“, ist Haslinger überzeugt. Für den Gemüsegarten wurden alte Paletten zum Hochbeet upgecycelt. Abgesehen von der Ernte hier verkocht Haslinger auch Wildkräuter und macht sich deren gesundheitsfördernde Wirkung zunutze: „Ich schreibe einen Gartenblog, in dem ich auch gesunde Tipps gebe“.
Haslingers Ehemann ist zuständig für den Teich und den Weinberg. Am unteren Ende des Hanges ranken im Spalier gepflanzte Weinreben, die jedes Jahr 80 bis 90 Liter Wein abwerfen. „Wir lesen die Trauben, pressen sie und füllen den Wein selbst ab.“ Neben dem Weinberg befindet sich eine Blumenwiese mit Obstbäumen, die alte Sorten wie Landl- oder Speckbirne tragen.

Jede freie Minute geht für den Garten auf, länger als vier Tage will die Gärtnerin mit Leib und Seele nie weg sein. Im Hochsommer kann das Gießen – oft im Dunkeln und mit Stirnlampe – schon vier Stunden in Anspruch nehmen. Ein solcher Garten ersetzt wohl den Urlaub anderswo, dafür muss Haslinger aber noch lernen, ihn so richtig zu genießen: „Ich muss Muße finden und alles auf mich wirken lassen, aber mein Garten liefert mir ständig Inspiration und Ideen.“

www.theHeartgardener.at

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