„Zu Recht ‚Baby-Hitler‘ genannt“

Jung-Politiker der Regierungsparteien sorgen vor Kurz' Thüringen-Besuch für Eklat

Die Jugendorganisationen von SPD, Linken und Grünen in Thüringen finden, dass das Satiremagazin Titanic Kanzler Kurz „zu Recht als Baby-Hitler bezeichnet“ hat.
Die Jugendorganisationen von SPD, Linken und Grünen in Thüringen finden, dass das Satiremagazin Titanic Kanzler Kurz „zu Recht als Baby-Hitler bezeichnet“ hat. © Titanic

Von Manfred Maurer

Eklat vorm gestrigen Besuch von Kanzler Sebastian Kurz bei der CDU in Thüringen: Die Jugendorganisationen der drei Erfurter Regierungsparteien SPD, Linke und Bündnis90/Grüne organisierten für den Abend Proteste gegen den Gast. Der Aufruf dazu enthielt starken Tobak: „Sebastian Kurz, der von der Titanic (deutsches Satiremagazin, Anm.) zu Recht als Baby-Hitler bezeichnet worden ist, steht für eine neoliberale und vor allem menschenfeindliche, rassistische Politik.“ Und: „Es ist nicht verwunderlich, dass der CDU-Posterboy und Rechtsausleger Mike Mohring (CDU-Landeschef, Anm.) gern der beste Buddy von Baby-Hitler aus dem Geilomobil“ wäre.

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Die Jung-Linken bezogen sich auf eine im Oktober veröffentlichte Titanic-Satire. Sie bestand aus einem Kurz-Foto mit Zielscheibe und Titel „Endlich möglich: Baby-Hitler töten!“ Die Berliner Justiz hatte im Mai Ermittlungen eingestellt. Sie sah keine „öffentliche Aufforderung zu Straftaten“. Für ein Verfahren wegen Beleidigung fehlte ein Strafantrag des Kanzlers.

SPD distanziert sich, Grüne: „Ist zulässig“

Während die Erfurter CDU den Demoaufruf als „unglaubliche sprachliche Entgleisung“ verurteilte und die rechtspopulistische AfD gar Anzeige erstattete, wiesen Grüne Jugend, Jusos und Linksjugend die Kritik zurück: Der Ausdruck „Baby-Hitler“ sei unschwer erkennbar eine satirische Anlehnung, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Und wie sehen das die Mutterparteien? Die Grünen haben kein Problem mit dem Aufruf. „Ich kann nur sagen, dass dieser satirischer Bezug, den die Jungen Grünen hergestellt haben, in Deutschland zulässig ist“, so Grünen-Landesgeschäftsführer Harald Schwalbe zum VOLKSBLATT. Linke-Geschäftsführerin Anke Hofmann-Domke beteuert immerhin: „Wir hätten dieses Zitat aus dem Titanic-Magazin zur Beschreibung von Herrn Kurz nicht verwendet.“ Da die Linksjugend aber ein eigenständige Verein sei, habe man kein Handhabe dagegen.

Nur von der SPD gab es auf VOLKSBLATT-Anfrage nach mehreren Stunden am Abend doch Klartext: „Wir distanzieren uns von dieser Formulierung ausdrücklich, auch Landesvorsitzender Wolfgang Tiefensee“, sagte SPD-Landesgeschäftsführer Michael Klostermann. Ob es auch die von der CDU geforderte Entschuldigung bei Kanzler Kurz geben werde, wisse er aber nicht…