Zum Einstand ein bisschen Agitprop

Das „neue“ Volkstheater mit der „Recherche“-Show

Pia Hierzegger als Moderatorin
Pia Hierzegger als Moderatorin © Nikolaus Ostermann

Seit Jänner dieses Jahres steht Kay Voges an der Startlinie und ist begierig darauf, dem Wiener Publikum zu zeigen, was er sich unter dem „Volkstheater“ seiner Prägung vorstellt. Es gab viel Kopfschütteln, als Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler den hierzulande wenig bekannten Intendanten von Dortmund als neuen Direktor präsentierte.

Was er für das Haus, das traditionsgemäß der Sozialistischen Partei eng verbunden ist, vorhatte, klang nach Erdbeben oder zumindest nach Erdrutsch. Wien sollte an die digitale Welt angeschlossen werden, Video, Performance, Installation und „abweichende“ Inszenierungen werden das ablösen, was man unschuldsvoll bisher „normales Theater“ genannt hat, was zuletzt Michael Schottenberg bot und Anna Badora so nach und nach zerstörte.

Seit Jänner ist das Volkstheater neu renoviert und wartet vergeblich auf Spielerlaubnis und Publikum. Wie viele Kollegen ist Kay Voges schließlich „ins Netz“ gegangen, allerdings nicht kostenlos. Und Dramaturg Calle Fuhr wusste nichts Besseres, als dem Publikum mit einer „Recher- che“-Show (Regie Ed. Hauswirth) zu kommen.

Das Publikum nimmt an Umfragen teil & bewertet

Wer sich mittels „Zoom“ zur Vorstellung gequält hat, von dem kann man auch „interaktiv“ erwarten, dass er sich während des Geschehens per Knopfdruck an Umfragen beteiligt und am Ende seine Botschaft absetzt, wie gut es ihm gefallen hat …

„Die Recherche-Show“ sieht auch so aus wie eine solche, findet in einem Diskussions-Studio statt, bekommt viele Zuspielungen, teils von einem Gesprächspartner, teils von Straßenszenen, und im Übrigen fordert eine Moderatorin (Pia Hierzegger) entweder die Anwesenden zum Diskutieren oder das Publikum zum Abstimmen auf. Erste Frage: Trinken Sie Red Bull? Damit weiß man, worum es geht.

Nichts Neues über Mateschitz & Red Bull

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Die Recherche-Plattform „Dossier“ hat das Material über Dietrich Mateschitz, einen Lieblings-Prügelknaben der Medien, zusammengestellt. Aber wer hofft, etwas Neues zu erfahren, wird enttäuscht. Offensichtlich haben sich die Erkenntnisse, dass Red Bull angeblich „giftig“ ist, noch nicht durchgesetzt, denn es wird millionenfach verkauft. Offensichtlich stört einen Großteil des Publikums nicht, dass „Servus TV“ als „rechter“ Sender gilt, denn er wird eifrig gesehen.

Offenbar erschüttern die „Männerbündlereien“ von Mateschitz wenige Leute, und dass sein Steuergebahren nicht transparent sei – na, dafür haben die Behörden schließlich ihre Fachleute? Und dass er als Unternehmer keinen Betriebsrat mag (welcher Unternehmer wird ihm da nicht seufzend zunicken?), und dass er eine seinerseits selbst gegründete Recherche-Plattform (Addendum) wieder abgewürgt hat, weil sie nicht brachte, was er wollte — so reagieren Leute nach dem Motto „Wer zahlt, schafft an“.

Bloß — Neuigkeiten sind das alles nicht, vielmehr alte Hüte, die man als neu zu „verkaufen“ sich genieren sollte, und was die paar Schauspieler da „showmäßig“ halb satirisch, halb anklagend vorbrachten, war gelinde gesagt, bescheiden. Dieser müde Agit-Prop-Versuch, um den eigenen Geldgeber zu befriedigen, soll das „neue“ Volkstheater sein? Mit Sicherheit hat Dietrich Mateschnitz bei diesem müden digitalen „Husterer“ kaum die Miene verzogen, und dem möglicherweise nächsten Opfer (Benko? Fellner?) werden auch nicht gerade die Knie zittern vor Angst.

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