„Zurück an die Weltspitze“

Skispringer Schlierenzauer über Ziele, Vorbereitung, eine Schlüsselfigur und Geduld

Gregor Schlierenzauer blickt zuversichtlich nach vorne.
Gregor Schlierenzauer blickt zuversichtlich nach vorne. © APA/EXPA-Groder

Er ist mit 53 Einzelsiegen der erfolgreichste Skispringer der Weltcup-Geschichte, der letzte Erfolg liegt aber schon beinahe fünf Jahre zurück, der vorletzte sogar sechs. Die Rede ist natürlich von Olympiasieger und sechsfachen Weltmeister Gregor Schlierenzauer, der am 7. Dezember 2014 in Lillehammer zuletzt gewinnen konnte.

Negativer Höhepunkt: Bei der Heim-WM in Seefeld verpasste der 29-Jährige die Quali. In der am 23./24. November beginnende Saison will der Tiroler noch einmal voll durchstarten, wie er im Interview mit dem VOLKSBLATT erneut bestätigte.

Wie ist die Vorbereitung verlaufen?

SCHLIERENZAUER: Ich bin zufrieden. Man darf den Sommer nicht über-, aber auch nicht unterbewerten. Es war sehr intensiv mit einigen Wettkämpfen dazwischen — mit guten und weniger guten Leistungen. Aber ich denke, dass der Weg grundsätzlich stimmt. Ein paar Adaptionen wird es noch geben, aber das geht nicht von heute auf morgen.

Dieses Auf und Ab hat sich auch durch die letzten Jahre gezogen, mit welchen Ansprüchen gehen Sie in die neue Saison?

Skispringen ist sehr sensibel, so ähnlich wie Golf. Da kann es schon passieren, dass man nicht immer ‘on top’ ist. Aber man muss sich als Athlet immer wieder die Frage stellen, in welchen Bereichen man sich weiterentwickeln muss, was ist bei der Technik, was beim Material Up-to-date. Das ist jedes Jahr ein ähnlicher Prozess. Dann muss man sich ein Umfeld schaffen und daran jeden Tag arbeiten.

Wie sehr brennen Sie auf den Auftakt?

Es ist gut, wenn es kälter wird und losgeht, nur trainieren macht keinen Spaß. Wir machen das, um wettzukämpfen.

Was sind für Sie die Highlights in einer Saison ohne Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele?

Das ist bei uns Skispringern die letzten Jahre immer gleich, da geht es meistens um den Jahreswechsel bei der Vierschanzentournee ziemlich zu und da will man natürlich sein Potenzial zeigen. Bei meiner Geschichte und dem Ziel ‘Zurück an die Weltspitze’, ist es nicht so wichtig, wo das passiert, sondern dass man den Weg geht und sich die Geduld nimmt, tagtäglich hart zu arbeiten, dass man das wieder schafft.

Wie hat der teaminterne Vergleich ausgesehen?

Ich weiß, wo ich stehe und dass gewisse Dinge noch nicht ganz stimmen. Das ist auch ein bisschen abhängig von der Schanzengröße, aber die Klarheit, wo es hingehen muss und wie es ausschauen soll, ist sehr hoch. Die Umsetzung ist eine Frage der Zeit und der Geduld.

Hat es eine Situation geben, in der sie den Hut drauf hauen wollten?

Es war keine einfache Situation, nicht bei der Heim-WM dabei zu sein und im Februar die Saison beenden zu müssen. Aber dann hat sich die Chance ergeben, mit Werner Schuster (davor deutscher Bundestrainer/Anm.) in Kontakt zu kommen. Er war ja schon einmal eine Schlüsselfigur in meiner Karriere.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit ihrem Berater, so ja die offizielle Bezeichnung?

Es ist nicht einfach zu beschreiben, aber wir arbeiten seit 11. Mai sehr intensiv an gewissen Dingen und es ist schön mit einer Vertrauensperson zu arbeiten, die weiß, wie sie mich nehmen muss. Für mich ist Werner Schuster der weltbeste Skisprung-Trainer.

Zwei gewonnene Wertungsdurchgänge bei internationalen Bewerben stimmen zuversichtlich, oder?

Ja, das Schönste ist, wenn man die Bestätigung, dass der Weg stimmt, im Video und bei den Metern bekommt. Ich glaube an mich und werde diesen Weg weiter konsequent verfolgen.

Hat sich beim Material etwas verändert?

Vom Reglement her nicht, für mich schon.

Wie ist Ihre Meinung?