Zurück in düstere Zeiten

Stream aus St. Pölten: „Yellow“ als belgisch-österreichische Co-Produktion

Von links: Chris Thys, Peter Seynaeve, Lien Wildemeersch, Philip Leonhard Kelz
Von links: Chris Thys, Peter Seynaeve, Lien Wildemeersch, Philip Leonhard Kelz © Maria Shulga

Viele Theater und Opernhäuser streamen bereits, weil die Planungssicherheit für die Zukunft nicht gegeben sein kann. Nun hat das Landestheater Niederösterreich eine Co-Produktion mit dem NT Gent (Nederlands Toneel Gent) herausgebracht. Die Premiere von „Yellow“ ist das Mittelstück einer Trilogie, die sich „The Sorrows of Belgium“ nennt und in der es um Belgiens unbewältigte Vergangenheit und Gegenwart geht — um Kolonialgräuel im Kongo, um Kollaboration mit den Nazis und, heutzutage, um den Umgang mit dem Islamisten-Problem.

Als das Dritte Reich in Belgien einzog, sammelten sich durchaus nicht nur Widerstandskämpfer. Die Problematik, die Regisseur Luc Perceval in seinem Stück ausbreitet, ist nicht allein jene der Opportunisten, sondern auch die der Idealisten. Die Flamen fühlten sich den Deutschen weit mehr verbunden als den Franzosen, von denen sie sich in Belgien unterdrückt sahen, und gingen den Besatzern als Befreier entgegen.

Perceval geht mit den Fehlgeleiteten anfangs fast behutsam um, Text und Inszenierung (alles konzentriert, stilisiert, ein Video-Verschnitt in viel Musik getaucht) werden erst schlimmer, brutaler, wenn klar wird, worauf sich die verblendeten Flamen eingelassen haben, wenn die Gestapo zu agieren beginnt, wenn die Jüdin, die man verstecken muss, zum Problem wird.

Ob Perceval nur wegen des Co-Produzenten in St. Pölten eine österreichische Figur eingefügt hat, oder ob er doch eine Parallelität der beiden kleinen Länder sah, die sich Hitler mit so viel Hoffnung anschlossen, um dann mit ihm in die Katastrophe zu rasen, weiß man nicht. Jedenfalls gibt es im Stück, das eher eine Collage ist, einen Österreicher (die einzigen Passagen auf Deutsch, der Rest in Flämisch mit Untertiteln), und der ist kein anderer als Otto Skorzeny. Da muss der heimische Darsteller Philip Leonhard Kelz einiges an Verwandlung leisten — ein von den Nazis beeindruckter Student, ein junger Offizier, der Hitler die Hand drücken darf und große Karriere machte, und ein Wendehals, der sich nach dem Ende sofort in Francos Spanien absetzte. Da sind die flämischen Figuren, obwohl der Autor/Regisseur auch hier vieles schärft, letztlich glimpflicher behandelt.

Am Ende ist es v. a. ein Stück Trauer über falsche Entscheidungen. Die Produktion soll noch heuer live in Gent und nächste Saison in St. Pölten laufen. Der Stream wird am Freitag (19. März) wiederholt, ab 19.45 Uhr, zugänglich für 48 Stunden, Preis 12 €

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