Zwei kaputte Seelen im Schnitzelland

Die bekannte Tragikomödie „Indien“ im Theater Meggenhofen

Fritz Egger als Heinz Bösel (l.) und Peter Scholz als Kurt Fellner
Fritz Egger als Heinz Bösel (l.) und Peter Scholz als Kurt Fellner © Walter Huemer

Es müssen nicht immer Josef Hader und Alfred Dorfer sein. Deren bekannte Tragikomödie „Indien“ kann auch anderweitig bestens in Szene gesetzt werden.

Derzeit im Theater Meggenhofen, das damit erneut einen Beweis seiner Qualität liefert. Das Publikum schwankt — entsprechend dem Stück — zwischen Lachen und Betroffenheit.

Schauplatz OÖ

Kurt Fellner — seines Zeichens Hotelkritiker — und Heinz Bösel, von Beruf Schnitzeltester, üben ihre Jobs in den Wirtshäusern und Beherbergungsbetrieben aus. Wobei Regisseur Michael Gampe (Regieassistenz Christine Beinl) die Schauplätze nach Oberösterreich verlegt und damit dem Geschehen Lokalkolorit verleiht.

Fellner und Bösel sind zwei extrem konträre Typen, Ersterer ein Quatschkopf, der ständig nutzloses Wissen à la „Millionenshow“ absondert, sein Gegenüber ein Prolet übler Sorte. Beiden gemeinsam ist der äußere Schein der beamteten Wichtigkeit — etwa, wenn sie Wirte sekkieren —, aber in Wahrheit sind sie kaputte Seelen voller Ängste und Frust. Nicht zuletzt auch aufgrund ihrer gescheiterten Liebesbeziehungen.

Daraus wiederum resultiert im verbalen Machogehabe eine Abwertung der Frauen zum Sexualobjekt. Gerade in diesem Zusammenhang geraten manche Sequenzen in der Meggenhofener Umsetzung an die Grenzen von Derbheit und Geschmacklosigkeit, geschwängert vom Alkohol. Vor allem aber ist der erste Teil des Abends geprägt von Sprach- und Wortwitz und geschliffenen Dialogen zwischen den beiden Protagonisten. Und immer wieder klingt „Indien“ als Sehnsuchtsort durch.

Der tragische Teil

Ganz anders nach der Pause: Hier kippt das Stück von der Komik ins Tragische. Kurt Fellner erkrankt an Krebs und bald wird deutlich, dass das tödlich endet. Was folgt, ist ein Lehrbeispiel für die Hilflosigkeit im Umgang mit dem Unausweichlichen! Mit Klischees und Floskeln versuchen nun Fellner und Bösel mit der Situation zurande zu kommen. Etwa, wenn es um die Frage nach dem Leben im Jenseits geht und Fellner hofft, dass nachher etwas kommt: „Sterben ist wie Umsteigen in Attnang Puchheim“.

Jedenfalls entwickelt sich jetzt so etwas wie Freundschaft. Und der Prolet Bösel erweist sich schließlich als patscherter, aber liebevoller Sterbebegleiter. Naheliegend, dass die Lacher im Publikum im zweiten Teil immer weniger geworden sind.

Schauspieler brillieren

In den Hauptrollen brillieren in Meggenhofen Fritz Egger und Peter Scholz. Ihnen nimmt man den Typus der kaputten Seele in jeder Szene ab. Das reicht von den Wirtshaus-Querelen über die „bsoffenen Gschichten“ in den Hotels bis zu Verzweiflung und Hilfslosigkeit am Krankenbett und schließlich in der Sterbeszene.

Die Nebenrollen werden von Erni Bentrup, Gernot Baumgartner und Wolfgang Preinsperger klein, aber fein gestaltet. Kongenial zum Gesamten auch die Bühnenmusik von Johannes Pillinger und Herb Berger.

Von Werner Rohrhofer

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