Zwei Quintette und eine ganze Welt dazwischen

Faszination Kammermusik: Rémy Ballot mit dem Altomonte Orchester bei den St. Florianer Brucknertagen

Die Musiker erhielten großen Applaus für ihre Darbietung.
Die Musiker erhielten großen Applaus für ihre Darbietung. © Reinhard Winkler

„Die Suche nach Vollendung“ lautet das Motto der St. Florianer Brucknertage, am Freitag haben sie es auf jeden Fall gefunden.

Welches Wunder der Faszination die Kammermusik im Marmorsaal ausüben kann, ist dem Conductor in Residence Rémy Ballot mit Elitepartnern aus dem Altomonte Orchester gelungen. Von der Primgeige aus animierte der bewährte Orchestererzieher beim Quintettspiel die Streicher Iris Schützenberger (Violine II), Peter Aigner (Bratsche I), Stefanie Kropfreiter (Bratsche II) und Jörgen Fog (Cello) zu einem homogenen Ensemble.

Die farbigen Abstufungen einer flexiblen Klangfeinheit der Streicher stand dabei im Mittelpunkt. Aber mindestens genauso qualitätsbestimmend für die Interpretation war das Aufzeigen der charakterlichen Unterschiede der Werke und ihrer Schöpfer Mozart und Bruckner.

Das Streichquintett g-moll KV 516 von Mozart aus 1787 legte quasi eine „Visitenkarte“ für das Genre ab, gar nicht mehr nötig für den längst etablierten Kammermusik- und Opernkomponisten, der an dem Genre „Quintett“ Feuer gefangen hat und sich gerne ariosen Filigrans hingab. Die Pianissimoketten im Adagio weckten Assoziationen an die kantable Musik Mozarts. Beethovens Geist folgend (Umstellung der Satzfolge) führte die düster verhangene Emotionalität des Streichquintetts mit dem G-Dur-Finale dann in helllichte Höhen.

Beim Wechsel zu Bruckner ging es in eine andere schöpferische Welt. Das Streichquintett F-Dur ist sein einziges Kammermusikwerk und ließ lange auf sich warten, nämlich bis 1878/79 zur Zeit der Entstehung oder Umarbeitung sinfonischer Werke.

Sein Vorgesetzter Joseph Hellmesberger hat es bestellt, aber erst 1884 uraufgeführt, nachdem er Bruckner aus Unspielbarkeit eines Satzes zur Änderung überredet hatte. Diesem Umstand ist die Existenz eines „Intermezzos“von Bruckner als Scherzo-Variante zu verdanken.

Zu bewundern, wie der über alle Kritik erhabene Sinfoniker seine Stiltreue bewahrt und die komplexen sinfonischen Dimensionen in der Kammermusik zu einem konstruktiv und technisch genialen Meisterwerk formte. Die Interpreten waren selbst davon infiziert, wurden lange beklatscht.

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