Zwischen Anpassung und Widerstand

Klaus Manns „Mephisto“ am Landestheater

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Klaus Mann schrieb 1936 einen Roman über einen Schauspieler, der in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland zum Star wird. Als reale Vorlage diente ihm dafür Gustav Gründgens. Am Samstag feiert „Mephisto“ in der Fassung von Luise Rist und Birgit Funke coronabedingt zwei Wochen verspätet am Linzer Landestheater Premiere (19.30 Uhr).

Das Stück fügt sich ein in den aktuellen Trend in Kunst und Kultur, sich mit der Zwischenkriegszeit auseinanderzusetzen, hier die Jahre 1928 bis 1936. Es beschäftigt sich mit der Frage, wie weit man gehen kann und darf, um ein Ziel zu erreichen.

Die Hauptfigur Hendrik Höfgen ist ein Schauspieler, der zunächst kleine Erfolge in der Provinz feiert. „Politische Umbrüche in Deutschland, die andere Karrieren zerstören, verhelfen ihm zu einem sagenhaften Aufstieg“, erläutert Dramaturg Andreas Erdmann. Höfgen versucht, in die richtigen Kreise zu kommen, um seine Karriere anzukurbeln. Seine Heirat mit der Tochter eines berühmten Schriftstellers verhilft ihm zu Chancen und Rollen. Er bringt es bis zum von Hitler höchstpersönlich geförderten Intendanten der Preußischen Staatstheater. Ein Weg, der nicht geradlinig verläuft, denn Höfgen pflegte früher Kontakte zu Kommunisten, hatte eine unkonventionelle Beziehung zu einer Tänzerin, später hilft er einigen von den Nazis bedrohten Freunden. Sein Handeln bewegt sich zwischen Anpassung und Widerstand.

„Es geht um die Verquickung von Politik und Theater, um das Verhältnis von Künstlern und Macht“, sagt Schauspielchef und Regisseur Stefan Suschke. Auf der Bühne stehen 16 Darsteller — ein großes Aufgebot. Suschke: „Sie decken in ihren unterschiedlichen Haltungen gegenüber Höfgen ein breites Spektrum ab.“ Und auch die Bühne hat einiges zu bieten: 32 Bilder führen durch das Stationendrama, dazu gib es Lifemusik am Klavier. „Eine aufwendige Produktion mit großem Schauwert“, lockt Suschke.

In Istvan Szabos gefeiertem Film „Mephisto“ aus 1981 war es Klaus Maria Brandauer, der als Hendrik Höfgen glänzte. Am Landestheater schlüpft Christian Taubenheim, der zuletzt als Hagen im „Die Nibelungen“ überzeugt hat, in die legendäre Rolle. „Wir finden einen anderen Weg als Brandauer“, sagt Suschke. In weiteren Rollen sind unter anderem Alexander Hetterle, Theresa Palfi und Julian Sigl zu sehen. Man darf auf die erste Premiere nach dem Lockdown gespannt sein. mel

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