Zwischen Hochblüte und Krise

Vom Mittelalter bis in die Gegenwart, mit Ausblick in die Zukunft: In der OÖ. Landesausstellung „Arbeit. Wohlstand. Macht“ im kommenden Jahr in Steyr geht es primär um Menschenschicksale

V. l.: Steyr-Bgm. Hackl und LH Stelzer präsentierten das offizielle Sujet der Landesausstellung, das drei historische Persönlichkeiten aus Steyr zeigt: den Industriellen Josef Werndl, die Adelige Katharina von Lamberg und den Arbeiter Franz Draber
V. l.: Steyr-Bgm. Hackl und LH Stelzer präsentierten das offizielle Sujet der Landesausstellung, das drei historische Persönlichkeiten aus Steyr zeigt: den Industriellen Josef Werndl, die Adelige Katharina von Lamberg und den Arbeiter Franz Draber © Land OÖ/Max Mayrhofer

„Das Besondere an der Landesausstellung 2021 ist, dass wir nicht nur historische Ereignisse behandeln, sondern auch gesellschaftliche Fragestellungen der Gegenwart und Zukunft thematisieren.“ Landeshauptmann Thomas Stelzer zeigte sich sichtlich erfreut, dass er am Dienstag in Linz – trotz aktueller Corona-Situation – die im kommenden Jahr stattfindende, mittlerweile 33. Landesausstellung „Arbeit. Wohlstand. Macht.“ präsentieren konnte.

Diese wird – sollte es Corona zulassen, wovon man sich zuversichtlich zeigte – von 24. April bis 7. November 2021 in Steyr stattfinden und soll am Beispiel dieser Stadt die Entwicklung unserer Gesellschaft vom Mittelalter bis in die Gegenwart beleuchten.

Gerade diese ist nämlich geprägt von einem intensiven Wechselspiel zwischen Phasen der Hochblüte und Krisen. Gleichzeitig soll die Landesausstellung aber auch als Plattform für eine kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Zukunft fungieren. Immerhin beherbergen der Raum Steyr und das gesamte Bundesland heute modernste Produktionsstätten und Start-ups.

Welche Auswirkungen hat Corona in Steyr?

Aber auch die aktuellen Auswirkungen des Coronavirus auf die Gesellschaft und die Arbeitswelt (etwa im Bezug auf Home-Office) werden laufend ins Konzept integriert, so die wissenschaftliche Leiterin Herta Neiss.

Frei nach der Devise „wenn investieren, dann nachhaltig“ wird laut Stelzer am Standort Innerberger Stadel das neu gestaltete Stadtmuseum erhalten bleiben. Auch im Museum Arbeitswelt und im Schloss Lamberg – an den beiden anderen Standorten – bleiben Teile der Landesausstellung auch später erhalten. Zudem werde die Großveranstaltung im kommenden Jahr auch erstmals als „Green Event“ im Sinne von Nachhaltigkeit, einem sparsamen Umgang mit Ressourcen und sozialer Verantwortung umgesetzt, betonte Stelzer.

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„Steyr ist die kleine Welt, wo die große ihre Probe hält. Es geht um Menschen, um Schicksale und um Oberösterreich. Wir identifizieren uns mit dem Programm bis in die Haarspitzen hinauf!“, sagte Bürgermeister Gerald Hackl. Neu ist dieses Mal auch, dass die Landesausstellung erstmals nicht nur an konkreten Orten stattfindet: Neben den Angeboten in den Ausstellungen schickt man die Besucher nämlich auch hinaus auf Erkundungstour durch ganz Steyr. Der öffentliche Raum zwischen den Ausstellungsorten soll dabei auf unterschiedliche Weise zu kulturellen Begegnungszonen gestaltet werden.

„Mit Hilfe von Originalobjekten, Infotainment, interaktiven Angeboten und Visualisierungen möchten wir das soziale Gefüge verständlich und erlebbar machen“, erklärte der verantwortliche Historiker Michael John.

Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft im Fokus

Dadurch sollen Einblicke in das Leben von Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft geschaffen werden. Sie standen in einem konfliktreichen Wechselspiel und waren doch voneinander abhängig.

Konkret werden etwa im Innerberger Stadel, beginnend mit der Stadtgeschichte, die großen Entwicklungsschritte der Stadt in einer Art Zeitraffer zusammengefasst. Anschließend geht es über die Zünfte in die Arbeitswelt der Nagelschmiede und der Sensenschmiede. Auch die private Welt des Steyrer Bürgertums wird thematisiert.

Im adeligen Ambiente des Schloss Lamberg werden in den historischen Prunkräumen Persönlichkeiten aus dem Hause Lamberg und ihre Besitztümer dargestellt. Im 18. Jahrhundert umgebaut, zählt die Bibliothek des Schlosses mit 12.000 Bänden zu den bedeutendsten Privatbibliotheken Österreichs.

Im Museum Arbeitswelt, das 2019 mit dem österreichischen Museumspreis ausgezeichnet wurde, finden dann die Themen Arbeit, Arbeiterschaft und Arbeitswelt ihren Platz. Ausgangspunkt ist hier die von Josef Werndl initiierte „Elektrische Landes-, Industrie-, Forst- und kulturhistorische Ausstellung“ 1884. Weiter führt der Weg durch die Geschichte des Nationalsozialismus, die Krisen der 70er und 80er Jahre bis in die Gegenwart.

Aktionsorientierte Vermittlungsprogramme runden das Angebot in Steyr dann ab.

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