Zwischen Kommissarin und Diva

Schauspielerin Hannelore Elsner starb am Sonntag im Alter von 76 Jahren

Filmbrunch 2018 in M?nchen
Filmbrunch 2018 in M?nchen © Gulotta,Francesco/Action Press/picturedesk.com

Sie gehörte zu den besten und populärsten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum, mehr als 200 Film- und TV-Rollen und viel Theaterarbeit gehen auf ihr Konto. Am Wochenende verstarb Hannelore Elsner im Alter von 76 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit.

Geboren wurde Elsner am 26. Juli 1942 im bayerischen Burghausen. Schon als kleines Mädchen muss sie den Tod ihres geliebten Bruders verkraften. Bald darauf stirbt der Vater. Sie wechselt häufig die Schule und übernimmt als 14-Jährige in München kleinere Jobs, weil das Geld knapp ist. „Ich war nirgendwo richtig daheim“, schreibt sie in ihrer Autobiografie.

Mit 16 wird sie in München von Regisseur Halit Refig entdeckt. Sie darf auf die Schauspielschule, muss dafür aber kleinere Rollen in Filmen mit Stars wie Hans-Joachim Kulenkampff und Freddy Quinn übernehmen. Mit 19 Jahren steht sie erstmals auf einer Theater-Bühne. Fünf Jahre später ist sie in den Münchner Kammerspielen in „Tango“ (1966) die erste Nackte auf einer deutschen Bühne. Ihre erste von vielen Auszeichnungen bekommt sie mit 29 Jahren: die Goldene Kamera für die Sasha in Tschechows „Iwanow“. Ihr Kinodebüt gibt Elsner 1961 in „Das Mädchen mit den schmalen Hüften“.

Ein Jahr später spielt sie in der Krimiserie „Stahlnetz“ ihre erste Hauptrolle. Der internationale Durchbruch gelingt mit der Hauptrolle in Alf Brustellins Film „Berlinger“ (1975). Brustellin ist ab 1973 ihr Partner. Von ihrem ersten Ehemann, dem Schauspieler Gerd Vespermann, ist sie da längst geschieden. Der Vater von Elsners einzigem Kind, ihrem Sohn Dominik, ist Regisseur Dieter Wedel. Später ist Elsner mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger zusammen. 1993 heiratet sie den Verlagsleiter Uwe Carstensen, die Ehe geht 2000 auseinander.

Im Fernsehen ist Elsner in der ARD-Serie „Die Kommissarin“ (1994-2006) besonders erfolgreich. Als Lea Sommer ist sie eine der bekanntesten deutschen TV-Ermittlerinnen. Ihre Darstellung einer Schriftstellerin in „Die Unberührbare“ (2000) bringt Elsner den Deutschen Filmpreis ein. Gleich noch einmal bekommt sie ihn für ihren Leinwandmonolog einer Schauspielerin in „Mein letzter Film“ (2002). Zu ihren großen Kinoerfolgen gehört auch ihre Rolle in Doris Dörries „Kirschblüten-Hanami“ an der Seite von Elmar Wepper 2008, der heuer die Fortsetzung „Kirschblüten & Dämonen“ als nun letzte Leinwandrolle folgt. Zugleich stellt die 2015 mit einer Romy geehrte Elsner immer wieder ihre komödiantische Seite unter Beweis, etwa in „Alles auf Zucker!“ (2004).

2016 dreht sie mit Andreas Gruber in Linz

2016 ist Elsner in Linz, um unter der Regie von Andreas Gruber den Kinofilm „Hannas schlafende Hunde“ zu drehen. Im VOLKSBLATT-Interview erklärt sie damals, dass ihr Autorenfilme stets wichtiger gewesen seien als die Lausbubenfilme, die sie in jungen Jahren „wegen des Geldes“ gemacht habe. Danach gefragt, ob sie je an Ruhestand denke, meinte sie, das klinge „wie Ruhestätte oder Grabstein. Was soll das heißen: Soll ich dann nur noch stillstehen? Das geht nicht.“ Eine tödliche Krankheit hat sie jetzt dazu gezwungen.

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