Zwischen Liebe und Unbarmherzigkeit

Abu Osama, einer der Gründer von al-Nusra, dem syrischen Arm des Al-Quaida, im Kreis seiner Söhne.
Abu Osama, einer der Gründer von al-Nusra, dem syrischen Arm des Al-Quaida, im Kreis seiner Söhne. © Filmladen

Liebevoll reibt Abu Osama die Nase an der seines kleinen Sohnes. Er gibt dem Kleinen seine ganze Aufmerksamkeit, schenkt ihm Liebe — mitten in einer Welt, die vor Dreck und Unbarmherzigkeit strotzt. Zwischen diesen Polen zeichnet Talal Derki, geboren in Damaskus und seit 2014 in Berlin lebender Filmemacher, seine Doku „Of Fathers and Sons“.

Der Film wurde heuer als Bester Dokumentarfilm für den Oscar nominiert und zeigt Bilder, die kaum zugänglich sind. Derki folgt Abu Osama — einer der Gründer von al-Nusra, dem syrischen Arm der Al-Quaida — und seinen Söhnen, allen voran Osama und Ayman, und landet in der Hölle. Von frühester Kindheit an werden die Söhne mit Hass, Gewalt aber auch dem islamischen Glauben konfrontiert, darauf ausgerichtet, fit für ein Leben als Kämpfer des Kalifats zu werden.

Ihr Vater erzählt, wie stark seine Gefühle für Osama sind, um einen Augenblick später einen Mann zu erschießen. Die Ausweglosigkeit dieser Kindheit wird so greifbar, dass es weh tut. Immer wieder zeigt der Filmemacher, der ausschließlich aus dem Off preisgibt, seinen Darstellern vorzutäuschen, ihre Ideologie zu vertreten, das verspielte Wesen der Söhne, um im nächsten Moment ihren unausweichlichen Weg in aller Härte zu beweisen.

Als ein Hauch der Hoffnung weht das manchmal sanft erscheinende Wesen eines Sohnes durch, doch die brutale Realität zerstört alles. Ein rohes und verstörendes Sittenbild.

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